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Die kurzweilige Rundtour über Hochkreut bietet beim Aussichtspunkt „Nogg“ auch bei wolkenverhangenem Wetter einen feinen Blick ins Tal.

Wintertour durch Bayrischzell

Wo man beim Wandern Lamas trifft

Riesige Augen blicken einen fragend an, klimpern charmant mit langen Wimpern. Völlig entspannt zockeln sie an einem vorbei. Geführt werden die drei Lamas von einigen Kindern.

Die Gruppe kreuzt unseren Weg nicht etwa in Südamerika, sondern in Osterhofen bei Bayrischzell. Klirrende Kälte kann den Tieren nichts anhaben und auch wir Wanderer genießen warm verpackt die frische Winterluft auf dem Weg hinauf nach Hochkreut. Falls, wie heute, das Wetter mal wieder Kapriolen schlägt, Wolken und Wind sich wilde Jagden liefern, dann entstehen oft geheimnisvolle Stimmungen.

Es ist auch ein spannendes Spiel, die verschleierten Gipfel, Aiplspitz, Hochmiesing, Seeberg oder den Großen Traithen zu erraten, sobald die Sonne ab und zu für Sekunden aufblinkt und die Umrisse eines Berges freigibt. Auf der glänzend weißen Hochfläche greifen die Äste kahler Obstbäume ins diffuse Licht. Plötzlich tauchen die Bauernhöfe von Hochkreut auf, die mit 989 Metern die höchst gelegene Siedlung im Leitzachtal bilden.

Hinter dem letzten Gebäude, dem Siglhof, endet die Fahrstraße. Bei geringer Schneelage und etwas Trittsicherheit könnte man sich jetzt die Rundtour über „Nogg“ vornehmen. In Watte gepackte Landschaft verschluckt jedes Geräusch, nur das Knirschen der eigenen Schritte ist zu hören, zieht man über winterliche Wiesen zum Waldrand. Ganz kurz geht’s steil hinab, dann folgt man einem flacheren Wegerl über Stock und Stein.

Meist führt der schmale Weg entlang an einem lichten Waldhang und im Tal entdeckt man bald Bayrischzell. Beinahe wäre der idyllische Ort gar nicht zustande gekommen, denn um das Jahr 1045 verließen alle Bewohner wegen unzähligen Überschwemmungen und Bergmuren fluchtartig die Gegend. Erst 1076 wagte man einen Neuanfang, als zwei Einsiedler zunächst eine kleine Kirche erbauen und später nach einem Klosterbau wieder die ersten Gehöfte entstehen. Aber Bayrischzell kommt noch lange nicht zur Ruhe. Schuld ist seine geografische Lage im Ursprungtal. Dadurch wurde der Ort zum Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen nicht nur während der Spanischen und Österreichischen Erbfolgekriege, sondern auch in den Napoleonischen Kriegen.

Doch man entdeckte bald auch die Schönheit der Landschaft. Und so besuchte gewissermaßen als erster Tourist kein geringerer als König Ludwig II. 1864 „die Zell“, wie Bayrischzell früher hieß. Der heilklimatische Kurort kann laut Statistik 1420 Sonnenstunden ausweisen. Auch wenn einen gerade heute die Sonne nicht verwöhnt, ist der etwas exponierte Aussichtspunkt „Nogg“ mit Bänken und Geländer ein feiner Rastplatz. Hernach führt der gut ausgeschilderte Weg zu einer Bergwiese oberhalb eines Bauernhofes. Wenig später trifft man auf die zweite seltene Tierart dieses Tages: Hochlandrinder mit gigantischen Hörnern. Die gutmütigen Riesen zeigen sich völlig unbeeindruckt von vorbeiziehenden Wanderern. Schließlich mündet man wieder in die bequeme Fahrstraße, lässt den Blick in die Ferne schweifen und entdeckt vielleicht schon ein neues Ausflugsziel. Möglicherweise startet man das nächste Mal in Begleitung eines gemütlichen Lamas.

Von Doris Neumayr

HOCHKREUT (989 METER)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Weiter St 2073 bis Miesbach. Dann B 307 über Schliersee Richtung Bayrischzell-Osterhofen. Bei der Talstation- Wendelsteinbahn links auf den Parkplatz. Bahn: Bahnhof Osterhofen, Stundentakt (Informationen: www.bayerischeoberlandbahn.de

TOUR – a) Bis Hochkreut meist über geräumten Fahrweg (Aufstieg ca. 1 Std., Abstieg ca. 45 Min., 226 Hm, insges. 6,2 km).
b) Rundtour über Nogg: nur bei geringer Schneelage zu empfehlen, schmaler Steig, teils steil (Aufstieg ca. 1 Std., Abstieg ca. 45-50 Min., 270 Hm, insges. 6,1 km).

  • Aufstieg a) und b): Von der Westseite des Parkplatzes auf dem Sträßchen „Dorf Hs.-Nr. 1 – 7“ in den Ort Dorf. Bei der Marienkapelle rechts auf einen Feldweg (Ww. Osterhofen). Der Weg führt zur Bahnlinie und an dieser entlang. Nach der Bahnstation erreicht man in Osterhofen einen Schilderbaum (Ww. Hochkreut). Man folgt einem schmalen Weg um einige Gärten herum und über eine Brücke. Dann mündet man in eine aufwärts verlaufende Fahrstraße. Auf dieser über Bergwiesen und durch Baumgruppen auf eine freie Hochfläche und zum Weiler Hochkreut.
  • Abstieg a): Wie Aufstieg. Rundtour über Aussichtspunkt Nogg.
  • Abstieg b): Beim Wegweiser (Ww. Bayrischzell 660 b) am Ende der Straße in Hochkreut über Wiesenweg kurz nach Osten, vor einem Stadel rechts (Süden). Am Waldrand stößt man auf eine Bank und ein Marterl. Ein Holztaferl weist den Weg, der kurz steil hinabzieht. An einer Kreuzung nach rechts (Ww. Osterhofen über Nogg 595 b). Im leichten Auf und Ab an einem schütteren Waldhang entlang. Der Aussichtspunkt Nogg (ca. 950 m) mit Bänken ist mit einem Geländer gesichert. Dann teils steil und schmal bergab und oberhalb eines Hofes zu einer Bergwiese. Im Rechtsbogen mündet der Weg wieder in die Fahrstraße. Auf bekannter Route zurück. Oder kurz nach Bhf. Osterhofen als Abkürzer über einen Wiesenweg zum sichtbaren Parkplatz.

EINKEHR – 1. Huberhof Hochkreut Do und Fr ab 19 Uhr auf Vorbestellung, ab 12 Personen, Tel: 0 8023 / 454, www.huberhof-hochkreut.de; 2. Gaststube „Zum Wurz“ Mo, Di, Do, Fr, Sa ab 18 Uhr, So ab 12 Uhr, Osterhofen 13. Tel.: 0 80 23 / 819 29 79; www.zum-wurz.de.

LAMA-TOUREN – Marinus Fischer, Osterhofen 4. Pro Gruppe mit drei Lamas und einem Führer: Schnupperstunde 33 Euro, längere Touren 30 Euro/Std., bzw. 7,50 Euro pro angefangene 15 Min.; Tel.: 0 80 23 / 13 00; www.typomedia.de/lama-wanderungen/info.htm

KARTE – Bayer. Landesvermessungsamt Mangfallgeb.

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