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Dramatische Wolkenfetzen ziehen über die Obere Lacheralm. Nach der nicht bewirtschafteten Alm erreicht die Wanderin bald das Lacherkar.

Lacherspitze

Einsamer Nachbar: Auf einen ruhigen Gipfel im Wendelsteingebiet

Eine wahre Freude ist es, wenn man im gut frequentierten Wandergebiet um den Wendelstein noch einen ruhigen Gipfel findet, der auch noch einen so schönen Namen hat wie die Lacherspitze.

Ihre Besteigung ist eine leichte Übung, hat man die „Schlüsselstelle“ gleich am Anfang der Tour gemeistert. Einen schmalen und manchmal rutschigen Holzsteg über einen Stacheldraht gilt es zu überwinden, dann sind später auch die paar Gipfelfelsen kein Problem mehr. 

Ein reizender Weg führt einen Wiesenhang hinauf, vorbei an grasenden Kühen. Die Mariendistel scheint nicht deren Leibspeise zu sein: Einsam ragt sie aus dem abgeweideten Almboden heraus. Und das, obwohl sie doch zu den hochgeschätzten Heilkräutern gezählt wird... 

Weiter oben kommt man auf einen asphaltierten Fahrweg, den man noch vor der Materialseilbahn wieder verlässt. Über einen unauffälligen Pfad geht’s dann steinige Bergwiesen empor und vorbei an den Hüttengebäuden der Unteren Lacheralm. Wenig später erreicht man erneut den Fahrweg und passiert auf diesem die Obere Lacheralm. 

Nur noch ein paar griffige Felsstufen, dann ist der Gipfel erreicht. Geheimnisvoll verhüllt zeigt sich im Hintergrund links der Wendelstein.

Bald nach den Almen am Ende des Fahrweges wartet das landschaftlich reizvolle Lacherkar. Umgeben von Krummholz und schrofigen Hängen, die vom Tagweidkopf herabziehen, leitet ein schmaler Weg einen Grashang hinauf. Das Lacherkar entlässt einen auf einen weiten Wiesensattel. Zum Greifen nahe scheint jetzt der mächtige Wendelstein: Sofort wird einem klar, wer in diesem Gebiet die erste Geige spielt. Die Lacherspitze mit ihrem koketten Felsenkrönchen hält sich da klar im Hintergrund. Aber wie in einem Orchester auch, ist es das Zusammenspiel, das für Harmonie sorgt. Vom Wiesensattel aus führt ein Weg durch Latschen an den felsigen Gipfelaufbau heran. Nur noch ein paar Schritte über griffige Stufen und man hat das Gipfelkreuz erreicht. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht sitzt man nun auf 1724 Meter, genießt den Weitblick und betrachtet das Gewusel auf dem berühmten Nachbargipfel. Der Blick fällt auf den heiß diskutierten Speichersee am Oberen Sudelfeld, das bleiche Kaisergebirge und den Hohen Traithen. 

Sehr eindrucksvoll ist die Perspektive aufs Hintere Sonnwendjoch mit seinem gezackten „Drachenrücken“. Das Auge schweift in niedrigere Gefilde, Richtung Tatzelwurm, dorthin, wo der legendäre Lindwurm wohnt oder besser: wohnte. Denn seit der moderne Mensch meist motorisiert über den Sudelfeldpass düst, wurde er nicht mehr gesehen. Auch der Abstieg gestaltet sich sehr kurzweilig. Man nähert sich der felsig grimmigen Kesselwand und wandert in ein steiniges Kar hinab. Bei der Bergwachthütte mündet der Weg in die „Wendelsteinroute“. In dieser Etappe wird man selten einsam sein. Hier trifft man auf Bergfreunde, die mit der Seilbahn zum Gipfel geschaukelt sind und jetzt zu Fuß zurück zur Talstation wandern. 

Auf eine 93-jährige Geschichte blickt die bewirtschaftete Wendelstein-Alm zurück. Sie liegt direkt am Weg – es gibt Brotzeit und Getränke. Unmittelbar vor der Alm gabelt sich der Weg: Man verlässt die „Wendelsteinroute“ und zieht auf einem romantischen Pfad über Stock und Stein entlang an grasigen Waldhängen in Richtung Ausgangspunkt.

Von Doris Neumayr

LACHERSPITZE (1724 METER)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Weiter auf St 2073 bis Miesbach. Dann B 307 über Schliersee nach Bayrischzell. Dort über Passstraße Richtung Sudelfeld bis zur Passhöhe (Café, Restaurant). Ab hier noch 800 Meter auf der Passstraße bis zu Parkmöglichkeiten am linken Straßenrand fahren (vor einer großen Brücke). 

TOUR – Leichte Tour (am Gipfel Trittsicherheit erforderlich). Meist schmale Bergwege. 700 Höhenmeter, Aufstieg 3,5 km, Abstieg 4,5 km; Gehzeit Aufstieg ca. 2 Std, Abstieg ca. 1,5 – 2 Std.; der Aufstieg ist kaum ausgeschildert! Aufstieg: Am Straßenrand beim Parkplatz führt ein Holzsteg über Stacheldraht (kein Wegweiser). Man folgt einem Pfad einen Grasrücken hinauf. Der Weg zieht leicht rechts um den Rücken herum. Dann geht’s links aufwärts zu einem geteerten Fahrweg und einer Hütte mit Materialseilbahn. Kurz vor der Seilbahn zieht nach rechts ein unauffälliger Pfad einen Wiesenhang hinauf (Abkürzung des Fahrweges). Man passiert die Untere Lacheralm (Privat) und kommt wieder auf den Fahrweg. Auf diesem wandert man bergauf, vorbei an der Oberen Lacheralm (Privat). Wenig später erreicht man das Ende des Fahrweges. Hier hält man sich an den Wegweiser „Wendelstein über Lacherkar“. Der Weg schlängelt sich im Lacherkar empor. Dann kommt man auf einen Wiesensattel. Man folgt dem Weg schräg über die Wiese zur Bergstation eines Lifts. Dort entdeckt man einen Wegweiser, der die Richtung zur Lacherspitze anzeigt. Zwischen Latschen führt ein Weg an die Gipfelfelsen heran. Über ein paar einfache Felsstufen erreicht man das Gipfelkreuz. Abstieg: Zurück zum Lift auf dem Wiesensattel. Hier links und über die Wiese auf die felsige Kesselwand mit Wegweiser zu. Ww. „Wendelsteiner Almen“ folgen: Wiesenhang hinab, dann in ein steiniges Kar. Vor einer Bergwachthütte gabelt sich der Weg. Links abwärts Ww. „Wendelsteiner Almen, Unteres Sudelfeld“. Bei „Wendelstein Alm“ (bewirtschaftet) Ww. links „Unteres Sudelfeld“ und bergab. Man trifft wieder auf die Materialseilbahn und den Fahrweg vom Aufstieg. Auf gleicher Route zum Ausgangspunkt. 

EINKEHR – Wendelstein Alm (1420 m), Getränke, Brotzeit, Öffnungszeit: Juni bis September (je nach Witterung).

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