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Schnell und stabil: Ein Karstadt-Verkäufer hält eine Sport-Innovation in den Händen, den „Rocker Ski“.

Ski als Ladenhüter: Kaltstart in die Wintersaison

München - Münchens Wintersportler warten bislang vergeblich auf den Schnee. Für die Sport-Händler wird das zum Problem: Deren Ski-Ausrüstung liegt vielfach wie Blei in den Regalen. Und das, obwohl es zahlreiche Neuheiten gibt.

Bernd Ohlmann richtet täglich Stoßgebete gen Himmel: „Möge Petrus es endlich schneien lassen“, fleht der Pressesprecher des bayerischen Einzelhandels. Doch die Flocken wollen einfach nicht fallen. Die Folge: Ohlmann zieht ein miserables Zwischenfazit. „Der Wintersporthandel läuft nicht gut“, ärgert er sich. „Das milde Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung.“ Viele Geschäfte verzeichneten rote Zahlen und hätten in ihrer Not bereits die Preise gesenkt. „Bei acht Grad denkt natürlich niemand an Wintersport, sondern eher bereits an den Frühling.“

An eine Rodel-Runde an der Theresienhöhe oder im Westpark ist nicht zu denken. Wer Schnee sehen will, muss schon ins Auto steigen und München verlassen. Auf die Zugspitze ist natürlich immer Verlass. Laut den aktuellen Schneeberichten locken hier 2,60 Meter weiße Pracht. Oberhalb von Balderschwang im Oberallgäu sind es 1,70 Meter. Von der Winklmoosalm bei Reit im Winkl werden 1,20 Meter gemeldet und vom Nebelhorn (Oberstdorf) 1,10 Meter. Oder man fährt nach Österreich: Am Arlberg bei Lech-Zürs sind es 240 Zentimeter, im Hochzillertal-Hochfügen zwei Meter. (Weitere Infos gibt es im Internet unter www.skiinfo.de)

Wer bereit ist, die Fahrt auf sich zu nehmen, kann einige Wintersport-Innovationen ausprobieren, die der Handel anpreist: Mehrere Geschäfte bieten einen „Rocker Ski“ an. Vorne und hinten ist er nach oben geschwungen, in der Mitte hat er eine besonders breite Auflagefläche. Diese soll eine deutlich höhere Fahr-Stabilität gewährleisten, verspricht der Hersteller. Gängige Modelle sind „All Terrain“ oder „Photon“ von „K2“ ab 399 Euro.

Eine ziemlich ausgefallene Idee bietet Michael Enste vom „Karstadt Oberpollinger“ an: Helmkameras. Die kleingehäusigen Aufnahme-Geräte lassen sich auf Skistöcken oder Helmen befestigen und nehmen Videos in hoher Auflösung auf. Ein „Stabilisator“ soll verhindern, dass die Filmchen all zu arg verwackeln. Die Firma „GoPro“ bietet die Sportkameras in verschiedenen Modellen an – „Hero“ (reduziert auf 239 Euro), „Hero 2“ (329 Euro) sowie ein Einsteigermodell für 199 Euro. Die Aufnahme von der eigenen Abfahrt lässt sich auch im Internet hochladen – um die Daheimgebliebenen ein wenig neidisch zu machen.

Florian Hölzl, Wintersport-Spezialist bei „Sport Schuster“, empfiehlt außerdem eine Jacke mit Heizschleifen. Auf Knopfdruck wärmt ein Akku den „Snow Hottie Parker“ auf – zum wohligen Wedeln. Allerdings ist diese Innovation nicht ganz billig: 999,95 Euro kostet die High-Tech-Jacke, soll dafür aber einen ganzen Tag lang warm halten. Dazu passend gibt es sogar beheizbare Wanderstiefel. Die „Booga Boot Original Electric“, ebenfalls von Columbia, kosten bei Sport Schuster reduziert 209,95 Euro. Ebenfalls neu im Sortiment seien individuell an die Füße anpassbare Skistiefel („Vacuum Fit Technology“ von Fischer ab 499,95 Euro) und Langlaufski, die man nicht vorab präparieren muss. Hölzl empfiehlt die „Equipe G2 Micro“ von Salomon ab 149 Euro.

Doch so viele Ideen die Hersteller auch haben mögen – ohne ein bisschen Hilfe von oben droht den Münchner Händlern ein Kaltstart ins Jahr 2012. Am letzten Montag im Januar beginnt offiziell der Winterschlussverkauf. Sollte das Wetter aber so bleiben, wie es jetzt ist, erwartet Einzelhandels-Sprecher Ohlmann schon vorher „deutliche Preissenkungen“.

Thomas Steierer

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