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Statt vorauszupreschen, lief Rodel-Star Natalie Geisenberger locker mit - und spornte so die Teilnehmer des Lauftreffs umso mehr an.

Laufen ohne schnaufen

Mit der Olympiasiegerin beim Lauftreff

München - "Laufen ohne zu schnaufen": Diese Regel motiviert auch Anfänger, am Lauftreff in München teilzunehmen. Olympiasiegerin Natalie Geisenberger spornte die Teilnehmer zusätzlich an.

Ihre beiden Goldmedaillen aus Sotschi hat Natalie Geisenberger nach einem PR-Termin zuvor im Auto gelassen. Im Englischen Garten in München strahlt die Rodel- Olympiasiegerin auch ohne ihre Trophäen: Die 26-Jährige aus Miesbach ist prominente Botschafterin zum Auftakt eines organisierten Lauftreffs.

Die Nummer eins in Deutschland, in Europa, bei der Weltmeisterschaft und bei Olympia: Schneller als Natalie Geisenberger rast derzeit keine Frau durch die Eiskanäle. Ihr nächstes großes Ziel ist die WM im Februar 2015 in Lettland, wo sie ihren Titel verteidigen will. „Da muss ich wieder auf 102 Prozent sein“, sagt die hübsche Blondine aus dem Oberland. Doch von allein kommt die Form nicht, auch in den rodelfreien Frühlings- und Sommermonaten arbeitet die 26-Jährige daran. „Ich quäle mich bis an meine Grenzen.“ Mit zehn bis zwölf Trainingseinheiten pro Woche: radeln, klettern, schwimmen, Kajak fahren, Kraftraum. Und immer wieder laufen.

Laufen, ohne zu schnaufen

Zum Auftakt eines kostenlosen Lauftreffs der BKK Mobil Oil im Englischen Garten in München läuft Natalie Geisenberger daher mit gutem Beispiel nicht voran, sondern locker mit – als Motivation für die Einsteiger und die etwas Langsameren. Rund um den Kleinhesseloher See geht’s gleich ein paar Mal, vorbei auch am Biergarten am Chinesischen Turm. Zwischendurch staunt die Rodel- Olympiasiegerin über die großen Graugänse, die in aller Gemütsruhe die Route der Läufergruppen queren. Und dehnt zum Schluss, zusammen mit der Gruppe und unter fachkundiger Anleitung, auf der Sportanlage vor dem HVB Club in München (Am Eisbach 5) die Muskulatur.

„Das Wichtigste ist, dass sich niemand überfordert“, erklärt David Göllner, der 2005 den Lauftreff initiiert hat. Der größte Fehler sei, mit einem zu flotten Tempo den Puls in die Höhe zu jagen. Auch wenn einige der Lauftreff- Teilnehmer für Marathonrennen trainieren, so geht es den meisten doch darum, in der Gruppe die persönliche Fitness zu verbessern. Da rät Göllner eher zu moderatem Tempo: „Laufen ohne zu schnaufen.“ Damit niemand aus der Puste kommt oder sich eine falsche Lauftechnik angewöhnt, sind jedes Mal geschulte Lauftrainer dabei. Wie Tom Lamest, für den „Laufen der tollste Sport überhaupt ist“. Diese Begeisterung überträgt er auf Anfänger wie Fortgeschrittene. Und er sieht sofort, wenn jemand zu sehr mit den Armen rudert oder extrem über die ganze Sohle abrollt.

Auf den richtigen Stil kommt's an

Olympiasiegerin Natalie Geisenberger und Lauftreff-Leiter Daniel Göllner.

 „100 Läufer haben 100 Laufstile“, sagt der Experte – bei Bedarf greift er aber korrigierend ein. Bei Natalie Geisenberger gab es nichts auszusetzen, die 26-Jährige ist eben Profi. Für die 60 bis 80 teils ambitionierten Amateure, die zweimal pro Woche (dienstags und donnerstags jeweils um 19 Uhr) von April bis Ende September zum kostenlosen Lauftreff an den Englischen Garten kommen, gibt es aber jede Menge hilfreiche Ratschläge. „Unsere erfahrenen Sportwissenschaftler und Trainer kümmern sich um jeden einzelnen Teilnehmer und geben individuelle Tipps“, sagt Göllner. Am Dienstag, 6. Mai, wird etwa Professor Martin Halle vom Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München (www.sport.med.tum.de) dabei sein.

„Regelmäßiges Lauftraining erhöht nicht nur die Leistungsfähigkeit des Herz- Kreislauf-Systems, der Muskeln und Gelenke“, sagt er. „Läufer sind auch seltener krank: Wer mindestens zweimal pro Woche läuft, hat ein 30 bis 50 Prozent stärkeres Immunsystem als Menschen, die abends nur auf der Couch liegen.“ Der Vorteil der Lauftreffs gegenüber dem „Allein-vorsich- hin-Joggen“: Typische Anfängerfehler werden vermieden. Denn wer glaubt, das Laufen sei kinderleicht, der irrt. Pulsfrequenz, die richtige Schrittlänge, effektive Armbewegung, Kopf- und Schulterhaltung, Atemtechnik – aufs Detail kommt es an.

Darauf achten Trainer wie Tom Lamest: „Perfektes Laufen ist ein fließender, eleganter Bewegungsablauf.“ Außerdem macht’s in der Gruppe mehr Spaß, weiß Natalie Geisenberger aus eigener Erfahrung: Mit ihren Rodel- Olympiasieger-Kollegen Felix Loch, Tobias Wendl und Tobias Artl bildet sie in Berchtesgaden die „Trainingsgruppe Sonnenschein“. Deren Engagement hat sich gelohnt, die „Sonnenschein-Rodler“ holten in Sotschi allein die Hälfte der deutschen Goldmedaillen. Davon wird Felix Loch laufend berichten – im Sommer besucht auch er den Lauftreff im Englischen Garten. Weitere Informationen Alle Termine, diverse Lauftipps und detaillierte Trainingspläne bei www.bkk-mobil-oil-lauftreff.de.

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