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Experte warnt: Lawinengefahr herrscht auch im schneearmen Winter.

Abseits der Pisten

Kaum Schnee - Lawinengefahr wird unterschätzt

Auch wenn der milde, schneearme Winter es nicht vermuten lässt: In den Höhenlagen herrscht abseits der Skipisten Lawinengefahr. Doch genau dort suchen immer mehr Wintersportler ihr Glück.

Milde Temperaturen und grüne Wiesen im Tal: Der Winter macht sich in weiten Teilen Bayerns weiterhin rar. Nur wer hoch hinaus geht, findet winterliche Verhältnisse und kann im Schnee seinem Hobby frönen. Das Bild des schneearmen Winters birgt allerdings Gefahren: Viele Menschen unterschätzen das Lawinenrisiko in den Bergen. „Wenig Schnee heißt nicht wenig Lawinengefahr. Die schneearmen Winter sind sogar unfallträchtiger als schneereiche Winter“, sagte Bernd Zehetleitner, Leiter der Bergwacht Sonthofen im Oberallgäu. In Oberstdorf fand am Wochenende der 17. Allgäuer Lawinentag statt, der Wintersportler für dieses Thema sensibilisieren sollte.

Die weiße Gefahr

Wer im Skigebiet auf der gesicherten Piste fährt, hat in der Regel keine Gefahren durch Lawinenabgänge zu erwarten. Doch wie Zehetleitner sagt, sind immer mehr Skifahrer und Snowboarder abseits der Piste unterwegs. Dort suchten sie den Spaß und die sportliche Herausforderung, die sie auf den „glattgewalzten Autobahnpisten“ nicht mehr finden. Die Lawinengefahr werde dabei völlig unterschätzt. „Die Leute denken, dass sie dort sicher sind. Aber schon wenige Meter neben der Piste herrscht absolute Lebensgefahr.“

Der wenige Schnee verführe derzeit dazu, dort seine Schwünge zu ziehen, wo es besonders gut geht. Und das sei häufig in Mulden und Steilrinnen, in denen sich frischer Triebschnee sammelt, den der Wind dort hineingeblasen hat. „Das lockt natürlich - aber genau dort haben wir die größten Gefahren“, warnt der Experte.

Vom Allgäu bis ins Berchtesgadener Land herrscht nach Angaben desLawinenwarndienstes Bayern oberhalb der Waldgrenze mäßige Lawinengefahr und damit die Warnstufe zwei auf der fünfstufigen Skala. Durch mildes Wetter könne die Gefahr der Selbstauslösung von Lawinen in den nächsten Tagen zunehmen. „Bei Lawinenwarnstufe zwei passieren 30 Prozent der Lawinenunfälle“, sagt Zehetleitner.

Wer abseits der Piste unterwegs ist, sollte sich stets der Gefahr bewusst seinund eine Sicherheitsausrüstung bei sich haben. Neben dem Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS) zählen dazu noch eine Schaufel und eine Sonde. Wichtig sei zudem, dass man die Geräte bedienen kann und die Handgriffe der Lawinenrettung beherrscht. „Die beste Ausrüstung bringt nichts, wenn man sich nicht damit auskennt.“

Im Jahr 140 Lawinentote in den Alpen

Immer beliebter werden bei Tourengehern und Freeridern sogenannte Airbag-Rucksäcke mit integrierten Luftkissen, die sich bei einem Lawinenabgang in Sekundenschnelle öffnen. Wie Zehetleitner sagt, erhöht sich dadurch die Chance, dass der Verunglückte an der Oberfläche der Schneemassen bleibt. Allerdings vermittle der Airbag vielen Sportlern ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. „Sobald die Ausrüstung besser wird, werden die Menschen risikofreudiger“, sagt der Experte. Diese „Vollkasko-Mentalität“ führe dazu, dass trotz immer besserer Sicherheitsausrüstung die Lawinenunfallzahlen nicht zurückgehen. „Die Zahl von durchschnittlich 140 Lawinentoten in den Alpen bleibt seit Jahren gleich.“

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dpa

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