+
Fast am Ziel: Aussichtsreicher Schlussanstieg über den breiten Südrücken zum 1564 Meter hohen Gipfel.

Legendäre Spuren

Das waren noch Zeiten: Vor knapp 30 Jahren traf sich die Elite des Skisports am Sonnenbichlhang in Bad Wiessee. Das erste Weltcuprennen gewann dort 1982 Ingemar Stenmark, das zweite und letzte an diesem Hang 1985 Marc Girardelli.

Der schweigsame Schwede fühlte sich in Bad Wiessee und speziell an dem Hang so wohl, dass er am Fuße des Fockensteins Wettkampfvorbereitungen durchführte... Inzwischen ist der Weltcup-Zirkus längst weitergezogen und der Hang mit Schlepplift hat sich zum beliebten Terrain für Familien entwickelt. Und nicht wenige Sportler packen den 1564 Meter hohen Berg aus eigener Kraft: Während Winterwanderer die herrlich gelegene und gemütliche Aueralm zum Ziel haben, peilen Schneeschuh- und Skitourengeher den Fockenstein an.

Tourengeher steigen zuerst einmal auf den Spuren von Girardelli und Stenmark über die legendäre Sonnenbichl-Piste hinauf. Bereits am Liftende, bevor es in den Wald hineingeht, hat man einen herrlichen Blick auf den Tegernsee.

Dann wandert man gemütlich auf der präparierten Trasse durch Bergwald zur Aueralm. Wiesengelände erreicht man bei der Wachselmoosalm. Eine idyllische Stelle ist das, wenn sich erstmals ein traumhafter Blick zum Fockenstein auftut. Dieser ist nicht mehr so weit entfernt, wie es hier erscheint. Dennoch sind noch eineinhalb bis zwei Stunden bis zum Gipfel einzuplanen – aber nur, wenn man sich die Einkehr in der Aueralm für den Rückweg aufspart...

Nachdem man einen Wald gequert hat, eröffnet sich bei der Neuhüttenalm ein fantastischer Landschaftskessel. Jetzt peilt man den Sattel zwischen Fockenstein und Neuhütteneck an und ist beeindruckt von den gigantischen Wechten. Am breiten Rücken dreht die Route nach Norden. Entlang des Südrückens steigt man – den Steilstellen meist links herum ausweichend – hinauf zum höchsten Punkt.

Auf den letzten Metern ist schon etwas Gespür für das Gelände gefragt; hier muss man den richtigen Durchschlupf zum Gipfel finden, den man von rechts her über eine steile Mulde erreicht. Beim kleinen Eisenkreuz hat man dann einen fantastischen Blick auf den Tegernsee. Herrschen wirklich sichere Verhältnisse, kann man die sehr steile Direktabfahrt probieren. Ansonsten geht es entlang der Anstiegsspur zurück zur Aueralm, wo man auf der Sonnenterrasse den Blick über Hirschberg, Roßund Buchstein, Wallberg, Bodenschneid und Unnütz im Rofan streifen lassen kann. Anschließend geht es im Auf und Ab der Skitrasse zurück zur Sonnenbichl-Piste. Die flache Route, die bis dahin vom Charakter her eher eine ausgedehnte Skiwanderung war, findet nun ein rasantes Finale: Wer im Slalom den Sonnenbichlhang hinunterdüst, fühlt sich wie ein Rennläufer – vor allem dann, wenn er im eleganten Stenmark-Stil mit parallelen Kurzschwüngen unterwegs ist.

BERNHARD ZIEGLER

SKITOUR FOCKENSTEIN (1564 M)

ANFAHRT – A 8 München–Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über die B 318 zum Tegernsee bis zum südlichen Ortsende von Bad Wiessee. Hier biegt man in einer Linkskurve (Beschilderung Sonnenbichl) rechts ab in die Söllbachstraße und fährt bei einer Gabelung nach rechts über den Sonnenbichlweg steil empor zum geräumigen Wanderparkplatz hinter dem Hotel Sonnenbichl (840 m).

CHARAKTER / SCHWIERIGKEIT – Ganz einfache, jedoch wegen der Entfernung nicht ganz kurze Skitour auf überwiegend flacher Route. Die Waldtrasse zur Aueralm ist meist präpariert. Die Route weist einige Gegenanstiege auf; sie lebt vom landschaftlichen Reiz und der Einkehr auf der Aueralm. Skifahrerische Höhepunkte gibt es hier nur wenige, wobei der Gipfelrücken durchaus lohnend ist und die Direktabfahrt als rassig eingestuft werden muss. Hangrichtung: Süd und Nordost; direkte Gipfelabfahrt Südost. Lawinengefahr: gering bis mittel. Das Gefährdungspotenzial ist auf der Normalroute bei idealer Spurwahl überwiegend gering; die Forststraße zur Neuhüttenalm quert jedoch einen kurzen Lawinenstrich!

TOURDATEN – 800 Höhenmeter und ca. 100 Hm Gegenanstieg beim Rückweg; die Distanz: beträgt rund 7 Kilometer. Dafür braucht man etwa 2,5 bis 3 Stunden im Aufstieg.

EINKEHR – Aueralm (1260 m) privat bewirtschaftet. Montag Ruhetag. Keine Übernachtungsmöglichkeit. Telefon: 08022 / 83 600.

KARTE – Kompass-Wander- und Skitourenkarte 8, Tegernsee-Schliersee, Maßstab 1:50 000.

Auch interessant

Kommentare