+
Gemeinsam läuft sich’s leichter: Der "Club der Töchter" um Annika Hoffmann (3. v. li.) beim Lauftraining an der Isar. Die jungen Frauen zwischen 18 und 25 trainieren regelmäßig zusammen.

Trend "Laufsporttreff"

Leichter laufen in der Gruppe

Sie nennen sich "Club der Töchter", "Free-Runner" oder "Achilles"– und ihr Ziel ist schnell erklärt: Laufen im Kreis von Gleichgesinnten, ohne die Zwänge, die ein Verein oder gar Leistungssport-Training mit sich bringen würde.

Was sie zusammenhält, ist die Freude an der Bewegung. Jetzt trainieren viele wieder für Laufsportveranstaltungen, etwa dem Stadtlauf München.

„Am liebsten würde ich nur Sport machen und gar nicht arbeiten gehen“, sagt Annika Hoffmann und lacht. Mit viel Disziplin und einer Bestzeit von 55,52 Sekunden hat sie es als 400-Meter-Sprinterin vor ein paar Jahren bis zur Süddeutschen Meisterin der unter 23-Jährigen geschafft. Doch die Zeiten, in denen sie als Leistungssportlerin neun- bis zehnmal in der Woche trainierte, sind vorbei. Heute, mit 26 Jahren, arbeitet sie als Versorgungstechnikerin, und ihr fehlt schlichtweg die Zeit. Ihre Aufgabe in der Welt des Sports ist mittlerweile aber eh eine missionarische.

Der Schwächste gibt das Tempo an

Laufsporttreffs haben Konjunktur: Hier trainieren Gleichgesinnte, auch für Wettbewerbe wie den Münchner Stadtlauf

Neben ihrer Tätigkeit als ehrenamtliche Jugendsprecherin für denBayerischen Leichtathletik-Verband (BLV) ist die 26-Jährige auch Münchner "Botschafterin" im "Club der Töchter" (CdT), einem Lauftreff für junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren. Gegründet 2010 in Wien, fand der CdT, gesponsert durch einen Sportartikelhersteller, schnell neue Ableger in europäischen Großstädten. Botschafterin Hoffmann nutzt das soziale Netzwerk Facebook, um weitere "Töchter" zu finden, die Lust haben, regelmäßig in der Gruppe laufen zu gehen. Ob Spitzenathletin oder Anfängerin spiele dabei keine Rolle, versichert Hoffmann: "Der Schwächste gibt immer das Tempo an." Jede Frau, die mitmachen will, kann auf Facebook das Profil "Club der Töchter München" aufrufen und mit einem Mausklick kostenlos beitreten. Was folgt, sind regelmäßige Verabredungen zum Laufen und Tipps rund um den Laufsport. Aber auch Ansprechpartnerinnen, wenn einem der einfache Feierabend-Rundlauf nicht mehr reicht. Viele Läufer wollen irgendwann auch an Wettbewerben wie dem Münchner Stadtlauf teilnehmen.

Den inneren Schweinehund überwinden

Münchner Stadtlauf

Alle Infos zum Münchner Stadtlauf finden Sie hier

Auch für Otmar Ehrl steht fest: „Ohne das Laufen würde mir sicherlich etwas fehlen“. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur ist Chefredakteur und Herausgeber des Querdenker-Magazins und Chef der Kreativ-Agentur "Iccom International". "Laufen ist für mich vor allem Inspiration", sagt er. Vor drei Jahren hat Otmar Ehrl den Lauftreff "Fun-Runners" ins Leben gerufen. Drei Mal die Woche treffen sich die Fun-Runners, eine bunt gemischte Truppe "von der Medizinstudentin bis zur Familienunternehmerin", so Ehrl. "In der Gruppe ist es einfach leichter, den inneren Schweinehund zu überwinden und seine Lauftermine einzuhalten", erklärt er. Obendrein helfe man sich gegenseitig dabei, sich Trainingsziele zu setzen. Die Fun-Runners, das ist Ehrl wichtig, seien "kein Kaffeekränzchen". Es gehe schon darum, sinnvoll etwas für Körper und Geist zu tun. Wer mitlaufen möchte, schreibt eine E-Mail an o.ehrl@querdenker.de.

Anfänger bekommen gute Tipps

Ob "Club der Töchter", "Free-Runner", der kostenlose und für alle offene Lauftreff der HVB-Betriebskrankenkasse, ein "Lauftreff für Schwule, Lesben und Freunde" oder "Achilles International Germany", ein Lauftreff für Behinderte: Man findet viele derartige Angebote. Und: Gerade für Anfänger sind die besonders attraktiv, weiß Internist und Sportmediziner Karlheinz Zeilberger. Von 1988 bis 2006 war er Verbandsarzt im Eisschnelllauf und 1998, 2002 und 2006 Olympiaarzt. "Das Schöne an den Lauftreffs ist, dass man auf Gleichgesinnte trifft und als Anfänger gute Tipps bekommt", sagt er. Wichtig sei nämlich, sich als Neueinsteiger nicht zu übernehmen. "Erfahrungsgemäß sind es gerade die 35- bis 45-Jährigen, die zehn Jahre pausiert haben, wieder einsteigen und ihren Körper überlasten", so der Sportmediziner. Dadurch steige das Risiko für orthopädische Belastungserscheinungen an Rücken oder Knien. Aber auch für jüngere Anfänger sei es nie schlecht, einen medizinischen Check-up beim Arzt zu machen und dann erst mit dem Training zu beginnen.

Das Wichtigste: Spaß am Laufen

Auch Annika Hoffmann weiß, dass sie Verantwortung für ihre "Töchter" trägt und Rücksicht auf deren sportliches Level nehmen muss: "Wenn jemand anfängt zu laufen, dann sollte er sich langsam steigern", sagt die 26-Jährige. Darauf versuche sie auch zu achten, weshalb der CdT München manchmal auch nur fünf Kilometer laufen gehe, um Anfängerinnen nicht zu überfordern. Denn: "Bei kürzeren Strecken macht es erst recht keinen Unterschied, ob man Anfängerin ist oder Spitzenathletin." Und am Ende gehe es doch vor allem um eines: den Spaß am Laufen.

BENJAMIN KRISCHKE

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare