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Auf dem nur 1452 Meter hohen Leonhardstein genießt man eine großartige Aussicht: Direkt gegenüber zeigt sich der Doppelgipfel Roß- und Buchstein mit seiner Felsnadel.

Bergwanderung bei Kreuth

Auf's bayerische Matterhorn: Der Leonhardstein

Elegant und stolz hebt er sich von den behäbigen Nachbargipfeln ab: Eine senkrechte Kalkwand mit waldigem Pelzkragen: Der Leonhardstein, das "Matterhorn von Kreuth".

Trotz seiner bescheidenen Höhe von 1452 Metern ist der Leonhardstein gewiss kein Langweiler. Zieht man am Anfang unserer heutigen Spritztour den Kirchberg hinauf, hält man plötzlich inne. Einen Moment lang liegt der Leonhardstein, rein optisch, direkt neben der Turmspitze der Pfarrkirche St. Leonhard. Mit Fantasie entdeckt man eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Schweizer Wahrzeichen. Noch immer den Gipfel vor Augen, geht es über eine herrliche Blumenwiese sanft bergan. Dann führt ein breiter Wanderweg durch frischgrünen Laubwald.

Später überquert man eine flache sonnige Windwurfschneise, die gesäumt ist von felsdurchsetztem Hochwald mit einigen geheimnisvollen Felshöhlen. Plötzlich leitet ein steiler blockiger Steig nach links aufwärts. Schlagartig ändert sich der Charakter der Tour. Der geübte Wanderer genießt ab hier bis hinauf zum Gipfel, also etwa 40 Minuten, abwechslungsreiche „Kraxelei“ über Stock und Stein. Wobei die Hände nur an kurzen Stellen etwas mithelfen müssen, meistens genügt ein sicherer Tritt. Beim Verschnaufen an flacheren Stellen bewundert man im Westen einen auffallenden Bergstock. Fast greifbar nahe zeigen sich die Berggeschwister Roß- und Buchstein samt der schlanken Felsnadel.

Der Weiterweg ist durch die übereinanderliegenden Nischen nur selten ausgesetzt. Doch man kann sich gut vorstellen, wie unangenehm es hier bei Nässe sein mag. Sobald der letzte schroffige Aufschwung überwunden ist, blinkt in steiler Höhe schon das Gipfelkreuz in der Sonne. Flugs steht man auf einem kleinen Sattel und steigt über Felsblöcke zum höchsten Punkt hinauf. Der Gipfel ist zwar schmal, aber nicht ungemütlich, denn vor dem Kreuz lädt ein Holzbankerl ein zur Rast. Und jetzt schweift der Blick in die Ferne: Einige Gipfel und Flanken im Wetterstein und Karwendel sind weiß gefleckt. Weiter im Osten präsentieren sich die Blauberge, der Wallberg und der zackige Plankenstein. Direkt vor einem bricht die 200 Meter hohe Südwand scheinbar ins Nichts ab.

Mit einer Menge Fantasie lässt sich in der Form des Leonhardstein das Matterhorn wiedererkennen.

Angeblich existiert ein Schnellabstieg, der jedoch keinesfalls nachahmenswert ist: Nach einer Erzählung gab es in den Wäldern um Kreuth einst einen Wilderer, der den Jägern das Leben schwer machte. Als der Wildschütz einen stattlichen Zwölferhirsch erlegte, reichte es den Jägern. Der seit langem Verdächtigte namens „Lampl“ wurde beschattet und als er Richtung Leonhardstein loszog, umstellte die ganze Jägerschaft den Berg. Nur die blanke Felswand auf der Süd- und Ostseite ließen sie aus – denn da kommt niemand lebendig durch. Doch der gewiefte Wilderer durchschaute den Plan. Auf dem Gipfel sprang er, für die Jäger sichtbar, die furchterregende Südwand hinab. Den Jägern war klar: „Der „Lampl“ ist tot und sie sprachen leise ein Gebet. Doch der Totgeglaubte ließ sich von oben in den höchsten Tannenbaum fallen, kletterte dann seelenruhig den Baum herunter und rannte davon…

Irgendwann schultert man wieder den Rucksack und macht sich an den Abstieg. Weil die Wanderung relativ kurz ist, bleibt vielleicht noch genug Zeit für einen Strandbesuch am Tegernsee, um in den erfrischenden Fluten abzutauchen – zumindest bis zu den „Wadln“.

Von Doris Neumayr

Leonhardstein (1452 Meter)

Anfahrt

Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Weiter Richtung Tegernsee. In Rottach-Egern Richtung Achenpass bis Kreuth. Direkt vorm „Gasthof zur Post“ rechts (am Kirchberg). Gleich danach rechts ein Parkplatz und ein gelber Wegweiser: „Leonhardstein, 2h“ Bahn/Bus: BOB bis Bahnhof Tegernsee; weiter mit dem RVOBus 9556 bis Kreuth (www.bahn.de; www.rvo-bus.de)

Tour

Gehzeit: gut zwei Stunden; Aufstieg 1,5 Stunden, Abstieg: 45 Minuten; 700 Höhenmeter; 7,5 Kilometer gesamt. Gut ausgeschildert und markiert; Die mittelschwere Tour verläuft bis auf 1180 Meter über breite Wanderwege, dann über einen teils felsigen Steig (Trittsicherheit / Schwindelfreiheit erforderlich), auf lose Steine achten, bei Nässe sehr unangenehm.

Aufstieg: Vom Parkplatz geht’s auf Sträßchen den Kirchberg hinauf und vorbei an der Kirche St. Leonhard. Das Sträßchen wird ein Feldweg. Westwärts Richtung Bergwald. Bald nach Bildstock St. Leonhard über eine Bachbrücke. Ausschilderung rechts aufwärts folgen. Im Laubwald mäßig steil bergan. Man überquert eine Forststraße und kommt nach einem Wiesenhang wieder in den Wald. Nach Windwurfschneise scharf links auf einen felsigen Steig (Markierung: weiß-rot-weiß). In Serpentinen im Wald über Wurzeln und Blöcke empor. Eine steilere schroffige Rinne verlässt man nach rechts. Dann geht’s kurz wieder flacher über Stock und Stein. Nach einem letzten steileren Aufschwung gelangt man zum Gipfelaufbau und sieht bereits das Kreuz. Das steinige Wegerl zieht jetzt hinauf zu einem kleinen Sattel. Hier nach links über Felsblöcke auf den schmalen etwas ausgesetzten Gipfel mit Bank.

Abstieg: Wie Aufstieg.

Wasserfall-Rundweg

Leichte Alternativ- Tour. Gut ausgeschildert: gelber Wegweiser, etwa 2,6 Kilometer. Man kann vom gleichen Parkplatz aus starten (Infotafel schräg gegenüber an der Schule).

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