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Ab ins Moos mit dem Zugspitzmassiv als Magneten! Von Lermoos aus führt ein sonniger Weg über den Tummer Bichl und Weidach auf den Panoramaweg nach Biberwier.

Riesen, Römer und die Pest

Sonnige Panorama-Wanderung bei Lermoos

Ein perfekter Herbsttag geht so: Blauer Himmel, goldenes Laub und eine sonnige Panoramawanderung, gekrönt von herrlichen Ausblicken auf Deutschlands höchsten Berg, der Zugspitze.

Doch will der oberbayerische Ausflügler das Massiv in seiner ganzen Pracht erleben, muss er hinüber ins Nachbarland, einen Katzensprung hinter die Grenze, nach Lermoos. An keinem anderen Ort zeigt sich der graue Riese mächtiger und imposanter.

Eindrucksvoll: die Ehrwalder Sonnenspitze

Nicht weniger eindrucksvoll erhebt sich rechts daneben die Ehrwalder Sonnenspitze, die wegen ihrer Form auch das Matterhorn Tirols genannt wird. Jeder Felsspalt, jedes Schneefeld auf den Gipfeln scheint an diesem föhnigen Tag zum Greifen nah. Schwer sich von diesem Anblick loszureißen! Doch die Wanderung entlang des Panoramaweges von Lermoos bis Biberwier verheißt ebenso schöne Aus- und Einblicke auf bunte Laubwälder, grünes Gras und schneebedeckte Berge.

Am schönsten ist dieser sportliche Spaziergang, wenn gegen Mittag mit dem sogenannten Boarwind (bayerischer Wind) leichte Nebelschwaden von Garmisch über das Lermooser Moos ziehen, um sich dort am Tummer Bichl mit dem Föhn zu treffen. Um dieses Schauspiel, welches bunte Blätter in die Höhe schraubt und die Luft kristallklar werden lässt, zu erleben, folgt man unterhalb des Lermooser Hotels Post dem römischen Prügelweg, der hier als Teil der Via Augusta über das Moos führt bis zu einer seltsamen kugeligen Erhebung, dem Tummer Bichl.

Die quirlige Loisach

Hinter ihm fließt die Loisach, die sich hier noch als kleines, kristallklares Bächlein präsentiert. Kurz nachdem sie bei Biberwier entsprungen ist. Auf dem Weg in den Ehrwalder Ortsteil Weidach überquert man das quirlige Flüsschen. Das Lermooser Moos ist bei den Einheimischen auch ein beliebtes Ausreitgelände, der Boden federt weich und die Weite der Landschaft verführt zu langen Galoppaden. So liegt linker Hand auch ein Reiterhof, bevor der Weg dem Gaisbach folgt.

Wie im Märchenbuch

Mit Blick auf den Grubigstein, den Hausberg von Lermoos, überquert man den Gebirgsbach. Auf der anderen Seite der Straße weist ein Schild in Richtung Lärchenwald. Wie in einem Märchenbuch mündet der Wanderweg in ein Meer von goldgelben Lärchen. Der Waldboden besteht aus kleinen, moosigen Hügelchen, auf denen goldene Sonnenflecken tanzen. So aufgeräumt und ordentlich ist dieser Wald, als hätte man den Lermooser Golfplatz bis hierher verlegt. Oder liegt es daran, dass hier das Jagdrevier von Franz Dengg, dem Hausherrn der Lermooser Post, die sogenannte Ganghofer-Jagd, beginnt?

3000 Hektar Großjagd. Wer hier einen Hirschen erlegen will, kann dies tun – vorausgesetzt er hat einen Jagdschein und bezahlt dem Pächter bis zu 9000 Euro für die Trophäe. Nun steigt der Weg erstmals etwas an. Panoramaweg steht auf dem Wegweiser, doch hohe Bäume verdecken den Blick hinunter ins Moos. Nur hie und da spitzt der 2233 Meter hohe Gipfel des Grubigsteins und des Daniels hinter den Baumwipfeln hervor. Unterhalb des Weges ist schon Biberwier zu sehen.

Es sind tatsächlich die Biber, die diesem Ort den Namen gegeben haben. Auch heute leben sie wieder an den Ufern der Loisach. Dorthin geht der geradewegs hinab, vorbei an einer schönen Lichtung, an deren Ende die weiße Rochuskapelle steht. Es ist eine der vielen Pestkapellen, die Anfang des 17. Jahrhunderts im Außerfern im gotischen Stil errichtet wurden. Zurück an der Loisach folgt man nun ihrer Fließrichtung, quert abermals einen Pferdehof, hält sich links und folgt ein kleines Stück der Autostraße nach Biberwier. Dort haben uns die Römer wieder. Die Römerstraße ist auch Teil des Jakobsweges. „Industriegebiet“ nennen die Einheimischen augenzwinkernd die grüne Wiese, über die der letzte Teil des Weges geht. Der Grund: Auf den Ausläufern des Mooses haben die Lermooser Schaf-, Ziegen- und Eselszüchter ihre Ställe und Weiden. Neugeborene Lämmchen hüpfen herum als sei es Frühling, und lustige Esel begrüßen den Wanderer, als es wieder zurückgeht nach Lermoos.

Von Sonja Vodicka

PANORAMAWEG BIBERWIER

ANFAHRT – Bahn: Über Garmisch-Partenkirchen wird Lermoos mit der Außerfernbahn angefahren. Auto: A 95/B 2 München über Garmisch-Partenkirchen und den Fernpass bis Lermoos.

TOUR – Anforderung: leicht; 8 km, Gehzeit: rund drei Stunden. Tourverlauf: Bei Bahnanfahrt Richtung Ortszentrum gehen. Auto: Parken im Ortszentrum (z. B. Talstation Grubigbahn. Hinunter zum Moos über die Via Claudia Augusta, vorbei am Tummer Bichl zur Loisach, bei Reiterhof rechts auf die Sonnenspitze zuhalten, durch Weidach am Gaisbach entlang, Bach auf Autostraße überqueren, über Autobrücke, links in den Lärchenwald. Schilder Panoramaweg- Biberwier folgen. Steil rechts hinunter nach Biberwier, über Rochuskapelle, entlang der Loisach, durch Pferdehof, bis zur Autostraße nach Biberwier, dort links bis zur Römerstraße, rechts, geradeaus übers Moos zum Tummer Bichl und zurück nach Lermoos.

EINKEHR – Hotel Post Lermoos, A-6631 Lermoos, Tel.: 0043 / 5673 / 22810, www.post-lermoos.at, Küchenchef Michael Kramer ist Top-Aufsteiger des Jahres. DaySpa im Hotel mit großzügigem Frühstücksbuffet, Zugspitzblick und ganztätig freier Nutzung des Alpin Spas auf 2000 qm, Nachmittagsjause. 65 Euro.

KARTE – Kompass-Karte 5 Wettersteingebirge, Zugspitzgebiet.

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