+
Farbenprächtiges Panorama oberhalb von Leutstetten: Auf dem Weg zeigen sich die Alpengipfel in schönster Pracht.

Rund um Leutstetten

Königlicher Kraftort

Jetzt, wo die Tage so kurz werden und die Föhnlagen immer seltener, haben spontane Touren im Voralpenland Hochsaison. Für knappe sonnige Momente bietet sich ein verschwiegener Spaziergang rund um Leutstetten an...

...der die Berge und den betriebsamen Starnberger See in sicherer Entfernung erkennen lässt. Die kleine Lektion in Sachen Moränenlandschaft, „Würmsee“ und Verlandung kann man dann auf der Wirtshaus-Terrasse ausklingen lassen. Früher freilich taten das die vornehmen Gäste – von Kaiserin Sisi bis Kaiser Franz von Österreich – viel lieber im Schloss Leutstetten.

Prinz Luitpolds Anwesen selbst ist zwar nicht mehr zugänglich, aber das ehemalige Bedienstetendomizil kann immer noch mit einer königlichen Halben aufwarten. „Luicilstat“, also „kleine Wohnstätte“, hieß Leutstetten früher, und das ist das Dorf auch seit über 1200 Jahren geblieben. Erstmals erwähnt wird der Ort in der Schenkung der fränkischen Prinzessin Kysila, einer mutmaßlichen Schwester Karls des Großen, an das Kloster Benediktbeuern.

Hans Urmiller, der herzogliche Rat und Kämmerer Herzog Albrechts V., ließ das Schloss Mitte des 16. Jhs. erbauen – und zwar mit Resten der frühmittelalterlichen Karlsburg bei Obermühltal. Bald wurde erweitert und Leutstetten zur Hofmark. Nach mehrfach wechselnden Besitzern kaufte Prinz Ludwig von Bayern, der spätere König Ludwig III. 1875 das Schloss, die 460 Hektar Park und umliegenden Anwesen. Ludwig III. baute die dazugehörige Landwirtschaft zum Mustergut aus, verbesserte erheblich die Milchwirtschaft und handelte sich den Spitznamen „da Millibauer“ ein. Er fasste die Ländereien zusammen und kaufte die untere Mühle im Würmtal und Gut Rieden dazu.

1915 baute er mit ungarischen Stuten eine Pferdezucht auf. 1921 trat Kronprinz Rupprecht von Bayern sein Erbe in Leutstetten an und erweiterte das Schloss. Er musste während des Zweiten Weltkrieges flüchten: Leutstetten wurde für die SS-Reiterei genutzt. Nach dem Krieg wurden hier zeitweise Obdachlose untergebracht, bis das Haus an die Wittelsbacher zurückgegeben wurde. Bis heute ist Leutstetten in Familienbesitz: aktuell gehört es Luitpold Prinz von Bayern, dem Urenkel des letzten Königs Ludwig III.

Aus der früheren Personalunterkunft wurde die Schlossgaststätte, in der ehemaligen Reithalle des Leutstettener Gestüts entstand 1983 das „Theater am Hof“. Was damals den Wittelsbachern im „Leutstettener Amphitheater“ gefiel, imponiert dem Spaziergänger bis heute. Damals erstreckte sich ein See von der Würm bis zum Schlosspark, heute sind es das Moor und der Wald, der Weitblick und stille Ecken in absoluter Idylle, die faszinieren.

Die Wanderung auf den Hügel hinter dem Ort gibt erstens einen schönen Aus- und Rundumblick – und zweitens lässt sie genug Zeit, um noch ein wenig das Dorf und seine hübschen Bauernhäuser zu erkunden. Die Altostraße kann man in wenigen Minuten weiterspazieren bis zu einem Rastplatz an der Würm. Die kleine romanische Kirche St. Alto auf dem Weg ist leider nur zu Gottesdiensten geöffnet. Der Pfingstaltar aus dem Umfeld von Erasmus Grasser wäre ebenso sehenswert wie eine Holztafel von 1643, den drei heiligen Schwestern bzw. den Heiligen drei Jungfrauen gewidmet. Eine Herkunft aus der keltischen oder germanischen Mythologie dieser „Sonderheiligen“ wird seit langem diskutiert.

Dass in Leutstetten die eventuell heidnischen Namen Ainpet, Gberpet und Firpet genannt werden, ist eine Besonderheit – und zieht bis heute Esoterikfreunde an. Egal, ob man nun Leutstetten als „Kraftort“ ansieht oder nicht, sich erholen und Kraft schöpfen kann man hier mit Sicherheit.

von Freia Oliv

RUND UM LEUTSTETTEN

ANFAHRT – Bahn: S 6 Starnberg-Nord, Bus 963 (nur wenige Busse. Nicht an Sonntagen!) Auto: A 95 München – GAP bis A.-Dr. Starnberg und in den Ort, Abzweig Gauting, dann Abzweig Leutstetten. Parkplatz.

TOUR – Gehzeit ca. 1,5 Std, Schwierigkeit leicht. Verlauf: Links hinter dem Hauptgebäude der Schlossgaststätte Leutstetten entlang und gleich danach rechts den Weg hinauf bis zum Waldrand. Nach links ginge es hier ins Würmtal. Wir biegen re. ab und biegen nochmals nach wenigen Metern links entlang der Lichtung den Pfad in den Wald hinauf ab. Auf dem bewaldeten Kamm rechts (gerade ginge es wieder zur Würm) und dem Kammverlauf auf den Fahrspuren entlang wellig folgen, bis der Hauptweg eine deutliche Linkskurve bergab (Richtung Buchet/Würm) macht (bzw. ein Abzweig etwas unterhalb gerade führt). Wir biegen oben im spitzen Winkel in den Weg nach rechts und kommen kurz danach bergab auf die offene Wiese. Hinunter bis zur Kreuzung Forststraße. Ab hier zwei Möglichkeiten: 1. Wer es eilig hat, kann unten die Forststraße überqueren und gegenüber dem Feldweg nach Süden folgen, zuerst bergauf und dann gerade weiter bis direkt hinab zur Schlossgaststätte. 2. Wer 15 Minuten länger Zeit hat, folgt der Forststraße nach links, biegt am Ende rechts in die Teerstraße ein und biegt nach 30 Metern rechts in den Wanderweg ein, der hinab nach Leutstetten geht. Am Marterl rechts in die Altostr. hinein und auf dieser entlang bis zur Gaststätte.

Weitere Varianten: 1. Kurztour ohne Wald (30 bis 40 Min.) Links hinterm Hauptgebäude der Schlossgaststätte entlang und gleich danach rechts Weg hinauf zum Waldrand. Wir biegen re. in den Forstweg ein und kommen hier zu den oben beschriebenen, zwei Möglichkeiten. 2. Erweiterung: Start ab Gauting, Mühltal oder vom Würmtal-Parkplatz aus.

EINKEHR – Schlossgaststätte Leutstetten, Altostr. 1. Geöffnet tägl. ab 10 Uhr. Mo. Ruhetag. T.: 08151 / 8156; Internet: www.schlossgaststaette-leutstetten.de

KARTE – Kompass-Karte 180, Starnberger See.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare