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Auch bei Eis und Schnee an die Luft. Bergsteigen und Wanderungen helfen gegen trübe Wintergedanken.

So macht der November Spaß!

München - Es ist grau und kalt in den nächsten Monaten. Weltklasse-Bergsteiger verraten ihre Freizeit-Tipps für die graue Jahreszeit. Wichtig ist der Gang nach draußen.

Für viele Bergfreunde beginnt nun die Saure-Gurken-Zeit. Die meisten Hütten sind schon geschlossen, Schnee in den Hochlagen verhindert weitere Gipfelstürme – andererseits reicht die weiße Pracht noch nicht aus, um die Ski aus dem Keller zu holen. Doch der November ist gerade in den Bergen besser als sein Ruf: Über der Nebelgrenze kann man noch viele heitere Tage erleben. Beim Gipfeltreffen ihres Sponsors Gore haben vier Weltklasse-Bergsteiger der tz verraten, wie sie die Saure-Gurken-Zeit überleben – und wie der November jedem Bergfreund großen Spaß bereiten kann.

Raus in den ersten Schnee!

BENEDIKT BÖHM (32), SPEED-BERGSTEIGER AUS MÜNCHEN: „Der Spätherbst hat etwas Melancholisches, diese besondere Stimmung in der Natur. Als letzte Bergtour lauf ich gerne auf den Großen Galtenberg (2424 Meter) im Alpbachtal – um zu riechen, ob schon Schnee in der Luft liegt. Denn spätestens im November packt mich die Vorfreude auf den Winter. Ich bin halt am liebsten auf Ski unterwegs und kann die Flocken kaum erwarten. Die ersten Skitouren mache ich meist in den Stubaiern. Sobald es in den heimischen Bergen mal richtig geschneit hat, trag ich die Ski auf den Wallberg und fahr runter. Danach ins Tegernseer Bräustüberl, das um diese Zeit nicht mehr so von Touristen überlaufen ist. Auch am Spitzingsee geht oft im November schon die erste Skitour, zum Beispiel am Taubenstein, bevor der Pistenbetrieb aufgenommen wird.“

Frische Luft hilft gegen miese Laune

STEPHAN SIEGRIST (36), EXTREMBERGSTEIGER, KLETTERER UND BASEJUMPER AUS DER SCHWEIZ: „Der November ist für viele bisschen eine depressive Zeit mit Regen, Nebel und dem beginnenden Weihnachtsstress. Um so wichtiger ist es für mich, trotzdem rauszugehen an die frische Luft, selbst wenn es nur für eine Stunde ist. Ich nutze diese Jahreszeit, um mich mit Laufen konditionell aufzubessern. Über meinem Heimatort Interlaken gibt es den Harder Kulm (1322 Meter), da laufe ich im Spätherbst gerne hoch. In den Bergen gibt es viele schöne Orte, die man zwischen der Wander- und der Skisaison fast für sich alleine haben kann. Ja, und wenn ich nach dem Laufen und nach den Vorbereitungen für die Vortragssaison im Winter noch Zeit hab, dann geh ich abends in die Kletterhalle!„

Klettern über dem Nebel

STEFAN GLOWACZ (44), EXTREMKLETTERER, GARMISCH-PARTENKIRCHEN: „Viele Kletterer zieht es im November schon in die Halle. Dabei gibt es einige Wände, wo man spät im Jahr oft noch wunderbar „freiluftklettern“ kann. Mein Lieblingsspot ist die Chinesische Mauer an der Südseite des Wetterstein-Gebirges. Vom Parkplatz an der Bundesstraße zwischen Leutasch und Puitbach erreicht man 163 verschiedene Routen, die bis zu drei Seillängen hoch sind. Allerdings ist die Chinesische Mauer nur was für geübte Kletterer, weil sich die meisten Routen in oberen Schwierigkeitsgraden bewegen – so zwischen 7 und 10+. Der Fels ist trocken und nach Süden ausgerichtet; dadurch heizt die Novembersonne angenehm ein. Gerade zu dieser Jahreszeit ist es wunderschön, über der Nebelgrenze in der Wand zu sein. Und die Gasthöfe in der Leutasch hat man in der Zwischensaison quasi für sich alleine.“

Nicht mehr so viele Leute

INES PAPERT (35), EXTREMBERGSTEIGERIN UND VIERFACHE WELTMEISTERIN IM EISKLETTERN AUS BAYERISCH GMAIN: „Auch und gerade bei lausigem Novemberwetter sollte man sich draußen bewegen, das härtet ab. Und auch spät im Jahr kann man noch richtige Traumtage erwischen. Wenn in den Hochlagen schon der erste Schnee gefallen ist, bin ich gerne mit dem Mountainbike unterwegs. Meine Lieblingstour startet bei Schönau am Königssee am Parkplatz Hammerstiel und führt hoch zur Kührointhütte (1420 Meter). Die wird bewirtschaftet, so lange es das Wetter erlaubt. Die Stimmung im Spätherbst ist besonders schön, dieses sanfte Licht und das Blättermeer am Boden… Außerdem sind nicht mehr so viele Leute unterwegs. Möglichst nach jeder Novembertour gehe ich in die Sauna. Das macht ebenfalls fit für den Winter.

Wichtige Tipps für Touren im Spätherbst

■ ImSpätherbst wird es früh dunkel.Deshalb ist eine vernünftige Tourenplanung besonders wichtig. Nehmen Sie sich keine allzu langen Touren vor und starten Sie frühzeitig. Für den Fall, dass Sie trotzdem in die Dunkelheit geraten, sollten Sie eine Stirnlampe dabeihaben.

■ Herbsttage weisen oft extreme Temperaturunterschiede auf. Nach einer klaren Nachtkannesmorgenssehr kalt sein, deshalb müssen Sie mit vereisten Wegen und Wiesen rechnen. Später am Tag kann die Sonne noch kräftig einheizen. Für die Kleidung bedeutet das: mehrere Schichten, die man je nach Bedarf übereinander anzieht. Keine Baumwolle, die den Schweiß aufsaugt und dann denKörperauskühlt,sondern schnell trocknende FunktionTextilien! Besonders wichtig: eine zusätzlich wärmende Schicht (zum Beispiel Fleecepulli), eine windabweisende Jacke (etwa aus Windstopper) sowie einen atmungsaktiven Regenschutz (GoreTex-Jacke). Mütze und Handschuhe nicht vergessen! Feste Stiefel mit griffiger Sohle sind im Gebirge eh Pflicht.

■ Diemeisten Hütten schließen im Spätherbst, viele Bergbahnen schränken im November den Betrieb ein. Informieren Sie sich also vor der Tour via Internet oder Telefon über die Öffnungszeiten.

■ Wählen Sie eine Tour über gut zu erkennende und nicht zu schwierige Wege. Sonst macht schon ein einziger Schneeschauer Ihre Herbstwanderung zu einem Irrlauf oder zu einer gefährlichen Rutschpartie.

Ingo Wilhelm

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