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Eine Schau: Kurz vorm höchsten Punkt des Fentbergs, der sich allerdings im Wald verbirgt, zeigt sich die Alpenkette noch einmal in ihrer vollen Pracht.

Runde hoch über dem Mangfallt

Kleiner Berg ganz groß

Dass man auf der ersten nennenswerten Erhebung am Rande der Münchner Schotterebene solche Ausblicke genießt, glaubt nur, wer selbst dort war. Die Rede ist vom Fentberg, einem kleinen Berg mit großen Sonnenfenstern.

Hoch über dem Mangfalltal erstreckt sich der waldige Rücken zwischen dem gleichnamigen Weiler Fentberg und dem Dörfchen Schmidham. Der Vorgebirgshügel ist zu Fuß und per Mountainbike gleichermaßen schnell zu „bezwingen“. Ein geeigneter Startpunkt ist der Bahnhof Mitterdarching in der Gemeinde Valley. Der Ort Darching kann als Blickfang seit dem Jahre 1315 die sehenswerte Michaelskirche vorweisen. Überhaupt scheint die Unterdrückung des Bauernstandes hier nicht ganz so extrem gewesen zu sein. Denn gerade aus der Zeit, in der im restlichen Deutschland um 1524 der Bauernaufstand tobte, stammen die qualitätsvollsten Werke in der Michaelskirche. Vielleicht konnte der hiesige Kirchenpatron und Drachenbezwinger die Obrigkeit zumindest zeitweise in Schach halten. Der geschichtliche Rückblick lässt einen dennoch erschauern, erfährt man, dass im September 1800 während des Krieges Tausende von Franzosen die Darchinger Häuser belagerten und viele Frauen misshandelt wurden...

Sobald man an den malerischen Gehöften Oberdarchings vorbeischlendert, die Gebirgskette hinter den Feldern bereits im Blick, ahnt man, welche Aussichten sich noch bieten werden. Nach dem Waldstück, Himmelbichel, gelangt man zum Weiler Fentberg. Die Anwesen thronen auf einer freien Anhöhe und ein himmlisches Panorama reicht bis zu den Zackentürmen des „Kaisers“. Spätestens bei der Fentberg-Kapelle legt man angesichts der Aussichtsbänke eine Pause ein. Danach geht’s noch ein Stück aufwärts durch lichten Wald, wobei man unbemerkt den höchsten Punkt des Fentbergs überschreitet. Über federnde Wiesenböden mit fantastischer Sicht erreicht man den Bergbauernhof Neustadl. Die kürzere Variante unserer Tour führt von Neustadl auf einer Forststraße geradewegs zurück nach Darching. Wer bei guten Wegbedingungen die Runde über Schmidham in Angriff nimmt, hält sich von nun an westwärts. Wenig später kommt man im Wald an einen verwitterten Bildstock, die „Weiße Marter“. Jetzt heißt es aufpassen, denn der unscheinbare Abstiegsweg verläuft hier nach rechts hinab. Bald wird der grobe Karrenweg bequemer, der Blick fällt auf ein einsames Moor und auf einen fernen Einödhof. Vom Hof aus ist es nur noch ein Katzensprung bis Schmidham. Im 17. Jh. kam nach dem Dreißigjährigen Krieg auch noch die Pest in diese Gegend. Alle Toten wurden, um Ansteckung zu vermeiden, von Darching aus mühsam nach Schmidham gekarrt. An der mächtigen Linde am Ortseingang erinnert ein Taferl an die dunkle Zeit. Während man über tellerflache Wiesen Richtung Darching wandert, fällt der Blick auf den Weyarner Aussichtshügel. Den höchsten Punkt ziert eine imposante Skulptur des bekannten Valleyer Bildhauers Tobel. Bei Ostwind kommt nun das Rauschen der Autobahn langsam näher. Aber dem „Stau-Drachen“ schlägt man auch ohne Mithilfe des Hl. Michaels ein Schnippchen, wenn man am Darchinger Bahnhof mit der BOB davonflitzt.

Von Doris Neumayr

FENTBERG (805 METER)

ANFAHRT

  • Auto: A 8 München-Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Bis zum Kreisverkehr Richtung Holzkirchen. Beim Kreisverkehr links Richtung Weyarn St2073. In Mitterdarching Richtung Weyarn, nach den Bahngleisen links zum Bahnhof (Darching) auf den Parkplatz.
  • Bahn: BOB von München bis Mitterdarching (Halt „Darching“); Informationen: www.bahn.de

TOUR

  • a) Rundtour Fentberg – Neustadl – Schmidham: Forststraße bis Fentberg, Weiterweg bis Neustadl über Wald- u. Wiesenwege, Abstieg über Schmidham nur bei geringer Schneelage zu empfehlen (Aufstieg ca. 1 ¾ Std., Abstieg ca. 1 ½ Std., 185 Hm, 12,5 Km insgesamt)
  • b) Rundtour Fentberg – Neustadl: Aufstieg wie a) Abstieg über Forststraße nach Darching (Aufstieg ca. 1 ¾ Std, Abstieg ca. 1 Stunde., 170 Hm, 10 Km insgesamt) Verlauf: Vom Bahnhof auf dem Gehweg entlang der „Bahnhofstraße“ ortseinwärts. Gegenüber der Kirche St. Michael nach links (gelber Ww. Fentberg). Das Sträßchen führt nach dem Ortsteil Oberdarching über Felder zum Waldrand. Man hält sich an den Fahrweg im Wald (für Verkehr gesperrt, anfangs asphaltiert) bis zum Weiler Fentberg. Hier zieht ein Wanderweg rechts aufwärts über einen Wiesenhang (Ww. Neustadl). Bei der Fentberg-Kapelle Aussichtsbänke. Der Weg zieht weiter aufwärts über einen Waldrücken und passiert den höchsten Punkt (805 m). Es geht auf dem Rücken dahin, dann leicht bergab und man erreicht weite Wiesenflächen beim Weiler Neustadl.
  • Tour b) Man folgt einer ausgeschilderten Forststraße rechts hinab nach Oberdarching.
  • Tour a) Man folgt einem Wiesenweg nach Westen zum Waldrand (Ww. Schmidham, Osterwarngau). Im Wald in einen Forstweg. In einer ausgeprägten Linkskurve stößt man auf einen Bildstock „Weiße Marter“. Direkt dahinter zieht ein Weg (kein Schild) scharf rechts. Wenig später kommt man an einem Holzpfosten mit roter Markierung vorbei. Es geht leicht bergab, an einem Moor entlang zu einem Einödhof. Dahinter rechts auf asphaltiertem Weg über Wiesen nach Schmidham. Auf der Hauptstraße rechts aus dem Ort hinaus. Kurz nach dem Ortsendeschild in einer Kurve rechts in einen Feldweg (Ww. Darching). Über diesen Weg zurück nach Ober- u. Mitterdarching zum Ausgangspunkt.

TIPPS – Kultur- und Orgelzentrum Altes Schloss Valley, Führungen, Konzerte, Feste. Graf-Arco-Str. 30, Valley, Tel. 08024 / 4144, www.lampl-orgelzentrum.com

EINKEHR – Darchinger Hof, Mo Ruhe, Di-Fr 11 bis 14 Uhr und ab 17 Uhr; Sa, So 10 bis 18 Uhr. Bergstr. 2, Mitterdarching; T.: 08020 / 909555; www.darchinger-hof.de

KARTE – Bay. Landesvermessungsamt Mangfallgebirge.

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