Verwirrung nach Explosion im New Yorker Stadtteil Manhattan

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Meditatives Laufen im Einklang mit der Natur ist Balsam für Körper, Seele und Geist.

Was ist eigentlich meditatives Laufen?

Laufen ist gesund. Weil der Körper bewegt wird, Herz und Kreislauf in Schwung kommen und man überflüssige Fettpölsterchen los wird. So weit, so bekannt. Doch Laufen kann noch eine weitere Wirkung entfalten: auf Geist und Seele.

Der Internist, Fitness-Experte und ehemalige Triathlet Ulrich Strunz (68) beschreibt in seinem Buch „Laufend gesund“ eine „geradezu magische“ Kombination, die ungeahnte Heilkraft entfalte: Laufen und Meditation. Strunz bezieht sich unter anderem auf einen Benediktinermönch in Kärnten, Frater Michael Bauer. Der hat ebenfalls ein Buch geschrieben („Die Seele läuft mit“), er nennt es meditative Laufschule. Es geht um mehr als einfach bloß der puren Fitness wegen durch die Gegend zu rennen. Es geht um innere Einkehr, um die spirituelle Seite des Laufens. „Meditatives Laufen ist Balsam für Körper, Geist und Seele“, sagt Michael Bauer – für ihn ist es „ein Körpergebet“.

Auch wenn die Beine die Hauptarbeit leisten, das meditative Laufen beginnt im Kopf. „Lassen Sie los von gestern und morgen, von Belastendem. Nur wer loslässt, wird gelassen“, empfiehlt Ulrich Strunz. Man solle „einfach und locker loslaufen“. Im eigenen Rhythmus, Tempo, Stil, mit der eigenen Atemtechnik. Um mit den Füßen den Boden zu fühlen, den Vögeln zu lauschen, Blumen zu riechen. Denn beim meditativen Laufen ist es wichtig, achtsam zu sein mit sich und der Umwelt. Hineinzuhorchen in den eigenen Körper, ihn zu durchscannen: „Wahrnehmungsschule“ nennt Strunz das.

Eine große Rolle spielt die richtige Atmung. Die meisten Läufer sind es gewohnt, durch den Mund regelrecht nach Luft zu schnappen, weil sie fürchten, ihre Muskeln würden sonst unterversorgt. Beim meditativen Laufen erfolgt die Atmung ausschließlich durch die Nase. Die Umstellung, so Frater Michael Bauer, dauere zwei bis drei Wochen: „Danach können Sie sich nichts anderes mehr vorstellen.“ Strunz spricht gar von „heiligen Winden“, die durch die Nase flössen.

Das klingt fast ein bisschen esoterisch, aber Tatsache ist, dass die Nase eigentlich das Organ zum Atmen ist, viele Sportler diese Technik bloß verlernt haben. Die Nasenatmung pumpt nicht bloß die Lungen voll, sondern geht tiefer: bis weit in den Bauchraum hinab; Blasmusiker kennen diese Zwerchfellatmung. Chinesischer Medizin zufolge werden dabei die inneren Organe massiert – und Einfluss auf die Seele genommen. Der Benediktinermönch aus Kärnten berührt zudem mit der Zungenspitze leicht den Gaumen, was die Konzentrationsfähigkeit steigere. Dabei atmet er ruhig und tief weiter durch die Nase, konzentriert sich darauf, setzt einen Schritt vor den anderen. Es sei im Prinzip ganz einfach, das meditative Laufen: „Man muss nur Achtsamkeit entwickeln für das, was man tut, für das Hier und Jetzt.“ Schauen, hören, schmecken, fühlen. Hinfühlen. Oder, mit Strunz’ Worten: „Unsere Sinne sind die Türchen zum Glück. Man muss sie nur einsetzen.“

Insofern gewinnt das meditative Laufen über die sportliche Fortbewegung hinaus eine viel tiefergehende Bedeutung. Wobei auch der reine Bewegungsablauf ein anderer ist. Damit kommen wir zum „Hara“, wie die Japaner ihr Körperzentrum nennen. Das liegt, grob gesagt, drei Finger breit unter dem Bauchnabel. Der Sitz der Universalkraft, so heißt es in fernöstlichen Kampfsportarten. Bei der Kunst der Meditation kommt es daher immer darauf an, tief in den Bauch zu atmen, um so mit dieser Energie in Berührung zu kommen. „Im Hara liegt die Mitte des Menschen“, glaubt der laufbegeisterte Mönch. „Wer im Hara ist, ist mit sich und der Welt verbunden. Er ist stabil, nichts wirft ihn um, selbst vor Krankheiten braucht er sich nicht zu fürchten.“

Um diese innere Kraft zu aktivieren, dazu bedarf es allerdings eines etwas anderen Laufstils. Die Hüfte muss locker sein, der Oberkörper wird mitgedreht, es entsteht eine spiralförmige Bewegung. Männer tun sich damit etwas schwerer, denn der Stil wirkt feminin. Einsteigern gibt Frater Bauer deshalb folgenden Tipp: Sie sollen „absichtslos loslaufen“, ohne Pulsuhr oder ein verbissenes Ziel. „Je absichtsloser man Dinge tut, desto leistungsfähiger wird man.“

In den Zustand höchster Konzentration und Wachheit zu gelangen: Das ist Meditation, lautet die Definition des portugiesischen Bewusstseinsforschers Damasio. Fitness- Experte Strunz folgert daraus: „Meditation ist das Ausschalten der Störsender – und das sind quälende Informationen, die dem Gehirn einen Beta-Rhythmus aufzwingen. Meditation ist das entspannte Gehirn.“ In diesem Sinne: einfach loslaufen – langsam, locker, lächelnd.

Von Martin Becker

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