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Radeln statt absteigen: Mit Fatbikes (bis zu 4,8 Zoll dicken Reifen) ist man auf diffusem Terrain, wie hier am Strand der Nordsee-Insel Sylt, jederzeit souverän unterwegs.

Bike-Trends

Nie mehr schieben mit fetten Reifen

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Reifen, fast so dick wie ein Oberschenkel: Die Idee für sogenannte „Fatbikes“ kommt ursprünglich aus Nordamerika und Kanada. Ein Rezept beim Radeln im tiefen Schnee.

Später erkannten sie in Florida, dass die fetten Reifen auch am Strand oder in Matsch und Sumpf vorteilhaft sind. Mittlerweile schwappt die Fatbike-Welle nach Europa.

Ein Indikator, ob es sich bloß um ein irrwitziges Nischenprodukt oder um einen Trend mit Serienreife handelt, ist laut Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad das Engagement der Zuliefer-Industrie: Wie steht’s um Federgabeln, Reifenmäntel, Naben? Weil jetzt auch hierzulande diverse Firmen auf den Fatbike-Trend aufgesprungen sind, sieht der Experte darin mehr als ein Strohfeuer.

Warum aber soll man mit fetten Reifen, ungefähr doppelt so breit wie die dicksten Mountainbikereifen, durch die Gegend strampeln? „Wo andere Räder versinken, wabern Fatbikes einfach drüber“, erläutert Fehlau bei einer Presse-Präsentation in München. Er bezeichnet die dicken Dinger als „SUV unter den Fahrrädern“. Ein Gefährt für alle Fälle. Vor allem dann, wenn der Untergrund weich wird. Schnee, Matsch, Sand – wo andere absteigen müssen, rollt das Fatbike weiter. „Ich bin in bestimmtem Terrain damit nicht schnell, aber unterwegs – und kann fahren statt zu schieben“, erläutert Fehlau den entscheidenden Unterschied. „So lange man die Nabe sieht, kann man gut fahren.“ Dies übrigens mit wenig Luftdruck: 0,4 bis maximal 1,0 Bar sind üblich, die Federung erfolgt (auch) über die Reifen. Und selbst wenn man, wie wir beim Probefahren auf der Münchner Flaniermeile Leopoldstraße, über harten Untergrund radelt: kein Problem – dazu gibt es unzählige Blicke.

Raffinierte Optik

Einen „Hingucker“ zu haben, darum geht es auch bei mancherlei City-Bike. 28 Zoll für große und 24 für kleinere Leute, eine Trennung zwischen Herren- und Damenrad? Vergangenheit. „Unisex“ heißt analog zu mancherlei Kleidungsstück die Devise: Eine raffinierte Geometrie und Ausstattung stehen, für Mann und Frau gleichermaßen, im Vordergrund. Beispielsweise ein Stadtrad in breiter V-Form, das über einen rahmengefederten Gepäckträger (für unfallfreie Einkäufe) verfügt. Im Trend liegen auch Kompakträder, die sich mittels versenkbaren Klapp-Pedalen und Sattelstützen locker unter einem Treppenabsatz verstauen lassen. Wichtiger als die Höhe ist aktuell die Länge des Rahmens.

Rock mit Hose

Was es für Skitourengeherinnen längst gibt, kommt jetzt auch für Radfahrerinnen: das funktionale Röckchen. „Free Skirt“ nennt sich die Kreation des Herstellers Craft, die Optik und Funktionalität vereint. Innen eng anliegende Radlhose, außen Rock – mit dieser Kombination machen Bikerinnen eine gute Figur. Dank weichem Material und elastischem Bund bietet der Radl-Rock ein angenehmes Tragegefühl. Ob Radl-Klamotten oder Drahtesel, Fehlau sieht eine gewisse Eitelkeit: „Sehen und gesehen werden – der Radweg ist der neue Catwalk.“

Auf Fahrstil kalibriert

E-Bikes für inzwischen jede Fahrradgattung, intelligente Sättel (die sich den Körperkonturen des Fahrers anpassen), neue Antriebsarten wie „Dual Drive“ (ein Mix aus Ketten- und Nabenschaltung mit nur einem Schalthebel: Die technologische Entwicklung schreitet rasant voran. In ein paar Jahren, prophezeit der Experte Gunnar Fehlau, wird es „kommunizierende Fahrräder“ geben: „Ähnlich wie bei der Spracherkennung eines Smartphones sind sie dann auf den individuellen Fahrstil kalibriert und erkennen beispielsweise automatisch, wann wie geschaltet werden muss.“ Was alles eine Frage des Preises ist – manches Top-Fahrrad kostet heutzutage mehr als ein Kleinwagen. „Der Trend geht zum Erst-E-Bike statt zum Zweitwagen“, hat Fehlau beobachtet. Für Preisbewusstere rechnet er vor: „Ein gutes Fahrrad kostet ab 500 Euro, darunter gibt es zur Spielzeug. Für jede ,gute Zusatzeigenschaft‘ – wie Licht, Sitzkomfort und Federung – muss man jeweils weitere 100 Euro einkalkulieren.

Hellichte Nacht

Speziell richtig gute Beleuchtung ist nicht billig. Aber dann auch richtig hell. Wie das Modell „TAZ 1500“ von „Light & Motion“ (300 Euro). Aber: Diese an jedem Fahrradlenker montierbare und auch auf buckligen Trails stabile Lampe sorgt mit bis zu 1500 Lumen Lichtstärke eben für einen unglaublich starken und gleichmäßigen Lichtkegel – ideal für Outdoor-Nachtbiker. Die bayerisch weiß-blauen „Urban“-Varianten sind deutlich günstiger (70 bis 180 Euro).

Neu befestigt

Weiterentwickelt haben sich auch Zubehörteile. So gibt es künftig beispielsweise ein Triathlonbike mit integriertem Energieriegelfach am Oberrohr. Nicht Nahrung, sondern Gepäck allgemein befestigt Radltaschen-Hersteller Ortlieb auf neue Weise: Die Haken zum Arretieren befinden sich nun am Gepäckträger statt, wie bis dato, an den Taschen – die werden dadurch eleganter und somit alltagstauglicher.

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Von Martin Becker

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