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Die Radltour führt durch eine urwüchsige Landschaft, im Hintergrund bauen sich – von links – Schüsselkarspitze (2555 Meter), Leutascher Dreitorspitze (2680 Meter) und der Öfelekopf (2478 Meter) auf.  

Grenzenlos schön

Mittelschwere Radltour durch die Leutasch

„Ohne Fleiß kein Preis“ – das alte Sprichwort geistert einem durch den Kopf, während man zwar mit herrlichen Ausblicken auf das Karwendel...

...aber mit Schweißperlen auf der Stirn die Straße Richtung Leutasch hinaufstrampelt. Doch schon auf der Klammbrücke, der Einfahrt ins Leutaschtal ahnt man, dass das Erlebnis die Mühe wert ist: Vor einem erstreckt sich in einer Traumkulisse ein 16 Kilometer langes sonnenverwöhntes Hochtal. Jahrhundertelang schlummerte die Leutasch quasi unentdeckt vor sich hin. Erst als adelige Jagdherren den Wildreichtum nutzen und der ebenfalls jagdbegeisterte Ludwig Ganghofer (1855-1920) in seiner Jagdhütte Gäste wie Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauß empfing, wurde die Leutasch bekannter.

Imposante Riesen als Blickfang

Die äußerst radfreundliche Topografie ermöglicht, dass man das liebliche Tal fast durchgehend auf guten Radwegen durchfahren kann. Der glasklare Gebirgsfluss, Leutascher Ache, ist dabei ein steter Begleiter. Wer das dörfliche Leben im Tal kennen lernen will und die vielen denkmalgeschützten Häuser mit den Lüftlmalereien bewundern möchte, kann einen kleinen Abstecher machen, sobald die Radroute in Dorfnähe kommt. Und falls der Magen zu knurren anfängt, findet sich auch ein Aussichtsbankerl zum Brotzeitmachen oder ein Wirtshaus. Zur Linken erhebt sich das isoliert stehende Ahrnspitzmassiv mit seinen stattlichen Gipfeln. Blickfang sind allerdings die immensen Felsmauern rechterhand des Hochtals. Die Schüsselkarspitze (2555 m) und die benachbarten Gipfel sind eine der traditionellen Freikletterhochburgen in den Nördlichen Kalkalpen. Die bis zu 400 Meter hohe Hauptwand der Schüsselkarspitze punktet meist mit wasserzerfressenem Wettersteinkalk.

Bereits 1913 wurde von den Extremkletterern Fiechtl und Herzog die erste Route in der Wand geklettert (Schwierigkeit UIAA 6). Im Ortsteil Ahrn weitet sich die Hochebene und gibt den Blick frei auf eine ausgedehnte Weidelandschaft. Am Talende thront die imposante Hohe Munde (2662 m). Nach dem Augenschmaus in der Leutasch packt man dann mit Leichtigkeit einen kurvigen Anstieg auf der Landstraße. Sobald die Reitherspitze (2374 m) des Karwendels am Horizont erscheint, ist der Sattel erreicht. Die nun folgende Abfahrt ist schöner als fliegen...

Ein Nebensträßchen führt über anmutiges Wiesengelände sanft bergab – man schwebt also Richtung Scharnitz. Falls man in der Euphorie den Abzweiger nicht übersehen hat, erreicht man später neben dem Gießenbach radelnd den Ort Scharnitz und die „Porta Claudia“. Die Ruinen der früheren Befestigungsanlage erspäht man an der engsten Stelle des Scharnitzpasses am Berghang. Im Dreißigjährigen Krieg ließ Claudia de Medici, die Witwe des Tiroler Landesfürsten Erzherzog Leopold, die Talsperre als Grenzschutz errichten. Grenzenlos schön verläuft die Radlroute jetzt durch eine Auenlandschaft im Riedboden immer in der Nähe der Isar. Viel zu schnell ist man wieder in Mittenwald. Doch der Geigenbauort mit der farbenprächtigen Pfarrkirche St. Peter und Paul ist ideal, um die Tour kulinarisch ausklingen zu lassen.

Von Doris Neumayr

MITTENWALD – LEUTASCH

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. B 2 Richtung Mittenwald bis zur Abzweigung „Karwendelbahn“. An der Talstation Karwendelbahn vorbei bergab bis zu einer Verzweigung. Hier links Schild: „Innsbruck / Leutasch“. Über die Bahngleise an eine Kreuzung (Innsbrucker Straße). Jetzt links zu den (gebührenpflichtigen) Parkflächen am Straßenrand. Bahn: Bhf. Mittenwald (Info: www.bahn.de)

TOUR – Tourdaten: 28 km, 380 Höhenmeter, Zeit ca. 2,5 Stunden, überwiegend Radwanderwege und ruhige Nebenstraßen, kürzere Etappen auf einer Landstraße, Schwierigkeit: leicht bis mittel; Trekkingrad oder Mountainbike.

Verlauf: Von den Parkflächen „Innsbrucker Straße“ ortseinwärts über eine Brücke. Bei der nächsten Verzweigung (gleich nach dem „Bierstüberl Wolpi“) links bergauf, Schild: „Leutasch“. Auf der Landstraße über die Klammbrücke in die Leutasch. Im Ortsteil „Burggraben“, direkt nach „Gasthof zur Mühle“ links auf Radwanderweg. Man bleibt auf dem Weg, radelt später an der Leutascher Ache entlang und kommt bei „Reindlau“ an die Landstraße. Hier links und gleich nach der Anlage „TIROL.CAMP“ zu Linksabzweigung mit Schilderbaum. Man folgt dem „Achweg“ kurz aufwärts über eine Brücke und fährt dann neben dem Fluss.

Im Ortsteil „Ahrn“ geht’s über eine Brücke und gleich links am Fluss entlang Richtung „Weidach“. Schon an der nächsten Verzweigung links über eine Brücke in den Ortsteil „Weidach“. Man kommt an eine Straßenkreuzung (schräg gegenüber vom „Haus Renate“) und hält sich rechts, bis zur Landstraße. Nun links an einer Tankstelle vorbei in einigen Kehren bergauf. Nach 1,5 km auf dem Sattel links ab; Schild: „Scharnitz 8 km“. Eine Nebenstraße zieht leicht bergab über Wiesen. Direkt vor Firma „parkett-AGENTUR“ links auf einen Teerweg, der in einen Forstweg mündet. Nach einer beschrankten Kiesgrube der Ausschilderung „Scharnitz“ folgen, immer links haltend. Längs vom Gießenbach erreicht man am Waldrand Scharnitz. Grüne Schilder mit Radsymbol leiten durch Scharnitz am Bach entlang Richtung „Mittenwald“. Nach Scharnitz führt der Weg nahe der Isar durch Auenlandschaft. Über Weg „Mittenwald über Isarweg“ (gelbes Schild) erreicht man Tennisplätze in Mittenwald. An dieser vorbei rechts über eine Brücke. Hier kommt man wieder in die „Innsbrucker Straße“. 16.

GANGHOFER HUBERTUSWOCHE – 5. bis 11. Okt. 2014. Kulinarische Spezialitäten, Themenwanderungen, Volksmusikveranstaltungen, Infobüro Leutasch, Weidach 320. Tel.: 0043 / (0)5088010; www.seefeld.com

KARTE – AV-Karte Wetterstein- und Mieminger Gebirge.

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