Auto rast offenbar in Bushaltestellen in Marseille

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Natur und Kultur genießen - das lässt sich in Penzberg und Umgebung ausgezeichnet vereinen.

Kultur- und Naturtrip nach Penzberg

Mitten ins Auge der Kunst

Herr Frank Brabant hatte mal eine Diskothek. Ein Szene-Treff in Wiesbaden, wo die Schönen und Reichen verkehrten, die den Kneipier dann auch mal mitnahmen auf Vernissagen und Kulturevents. Der sah den ganzen Kulturbetrieb zwar mit Interesse, aber sehr gelassen.

Und bewahrte sich einen unbeirrbaren Blick – jenseits von Strömungen, Mode und dem Schein statt Sein. Er begann, Kunst zu sammeln, seinen eigenen Weg zu gehen und ließ sich nichts sagen. Vor allem nicht von denen, die sich „auskennen“. Brabant sammelte Bilder, mit denen er leben wollte. Nicht mehr aber eben auch nicht weniger! Viele Porträts sind darunter. Und das führte Gisela Geiger zu einer Idee: „Bizarre Begegnungen – Bilder schauen dich an“. Die Dame ist seit elf Jahren Penzbergs Kunstgewissen, stammt aus Köln, war viel im Ausland, hat vier Kinder groß gezogen „und viel dummes Zeug gemacht.“ So dumm kann das aber nicht gewesen sein, denn sie hat einen großzügigen Blick für Kunst.

Ihre Ausstellung von Porträts aus der Sammlung Brabant ist größtenteils den Künstlern der „verlorenen Generation“ gewidmet: Künstler um 1900 geboren, die Ausbildung Ende des Krieges, gebeutelt in den Wirren dieser Zeit. Sie hatten nicht die Chance der Vermarktung, keine stringenten Lebenslinien oder sie ließen gleich ihre Leben im nächsten Krieg. Diese „Bilder schauen dich an“ und immer, wenn sich Menschen begegnen, findet Austausch statt: in Blicken, binnen Sekunden ist da Sympathie oder auch nicht. Bei Bildern ist das nicht anders. Und nun hängen diese Werke von Jawlensky über Nolde und Kirchner nicht in einer gläsernen Galerie, sondern in einem alten Bergwerksarbeiterhaus in Penzberg, das ja nie die Liste der putzigen Städtchen anführt.

Kesse Damenwelt

Aber das alte Bergarbeiterhaus passt zu Penzberg, zu Brabant und nimmt der Kunst auch das Ehrfurcht gebietende. Und mit einem Augenzwinkern hat Gisela Geiger die Bilder auch gehängt: Die Nackte neben der Hochgeschlossenen. Und kesse Charlston-Damen sind in einem Raum mit nur einem Mann vereint: Der schaut markig, mit einer unverrückbaren Sicht auf die Welt. Ein Macho – und genau dagegen begannen diese Damen damals zu revoltieren. Man kann es leicht länger im Museum aushalten, weil die Bilder auch von Texten und Musik begleitet sind, wo es weniger um den kunsthistorischen Zugang geht als um den spontanen, den menschlichen.

Hinterher oder vorher oder zwischendurch lädt ein weites Land hinter Penzberg zum Spaziergang ein. Am ehemaligen Bahnwärterhaus, dem Posten 10, beginnt die bäuerliche Umgebung: Breunetsried, ganz im Zeichen des Pferdesports, ein weiter Blick geht in die Berge hinein. Wegerl verlieren sich in Feldern, gute Orte, um den Kopf auszulüften und dieses Penzberg ein Stück mehr kennenzulernen. Unspektakulär, eher leise, aufgeschlossener als viele andere Kleinstädtchen in Oberbayern und mit einem Blick nach vorn – oder eben mitten ins Auge der Kunst...

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