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Blaugrün schimmert der Lautersee vor dem prächtigen Karwendelmassiv.

Im „lebendigen Bilderbuch“

Man könnte die Mountainbike-Tour in halbwegs strammem Tempo in gut zwei Stunden durchziehen. Das wäre zwar eine ganz passable Leistung, nur an den Schönheiten am Wegesrand ist man da blind vor Ehrgeiz vorbeigerast.

Also lässt man es lieber gemächlicher angehen nach dem Motto: „Sehen und genießen“. Während der kurzweiligen Tour um den Kranzberg geht man auf Tuchfühlung mit betörend schönen Gebirgsseen, ohne dabei nass zu werden (außer man will das). Man klettert bloß mit den Augen schroffe, himmelhohe Felswände hinauf und man erlebt Mittenwalds spannende Vergangenheit, ohne dabei anschließend alt auszusehen...

Die silbrige Wandflucht der Wettersteinspitze

Kompass-Karte 5 Wetterstein, 1: 50 000.

Schon zu Beginn der Runde gibt’s einen Vorgeschmack vom „lebendigen Bilderbuch“, wie der Dichterfürst Goethe Mittenwalds prächtige Lüftlmalereien nannte. Man radelt Richtung Süden, wo schon zur Römerzeit die alte Handelsstraße zwischen Italien und Deutschland verlief. Einen Abstecher in den Ortskern hebt man sich aber besser für den Schluss der Tour auf. Nach einer waldigen Auffahrt empfiehlt sich ein kurzer Halt mit Rückblick, sobald man den Wiesenrücken über dem Lautersee erklommen hat. Blaugrün schimmernd liegt der See vor dem mächtigen Karwendel: linker Hand zeigt sich der schroffe Zackengrat vom Wörner bis zur Schönbergspitze und hinter der forschen Viererspitze ragt stolz die Westliche Karwendelspitze (2384 m) in den Himmel.

Weiter geht’s im Auf und Ab, ehe sich der Waldvorhang ein zweites Mal hebt und eine fantastische Sicht auf die silbrige Wandflucht der Wettersteinspitze (2297 m) und den zauberhaften Ferchensee verschenkt. Rund um den See lauern frischgrüne Wiesenflächen und viele Bankerl auf arglose Mountainbiker. An heißen Sommertagen wurde hier schon so mancher ehrgeizige Tourenplan umgemünzt zum Badetag oder in eine MTB-Kurzvariante…

Ein kolossales Bergpanorama

Nach dem Gasthaus Ferchensee fährt man in angenehmen Gefälle entlang am Ferchenbach und hinab zum Schloss Elmau. Inmitten saftiger Bauernwiesen prangt das Schloss vor den gewaltigen Wänden des Wettersteingebirges. Nun pedaliert man auf dem Mautsträßchen Richtung Klais und folgt nach der Mautstelle der Route über eine anmutige Wiesenlandschaft. Während man über die geologisch interessanten Buckelwiesen radelt, begleitet einen wieder ein kolossales Bergpanorama bis zur „Goas-Alm“. Die namengebenden Ziegen für diese urige Alm erblickt man hinter einer Abzäunung. Dann geht’s nur noch bergab.

Man rollt am Schmalensee vorbei und weiter bis in den Ortskern von Mittenwald. Glanzpunkt des Ortes ist die prachtvolle Pfarrkirche St. Peter und Paul, deren sehenswertes Deckenfresko von Matthäus Günther das Martyrium von Petrus und Paulus in Rom darstellt. Neben der Kirche fallen einem die lebhaften Lüftlmalereien an den Häuserreihen ins Auge, die auch verschiedene Szenen des legendären „Bozener Marktes“ widerspiegeln.

In den Jahren 1487 bis 1679 wurde wegen Streitigkeiten zwischen den Venezianern und Bozen der ursprüngliche Marktort von Bozen kurzerhand nach Mittenwald verlegt. Und das südliche Flair liegt bis heute über den malerischen Gassen, wenn man in einem der vielen Straßencafés sitzt und genüsslich den Milchschaum von einem Cappuccino löffelt...

DORIS NEUMAYR

RUND UM DEN KRANZBERG

ANFAHRT – Auto: A 95 München – GAP bis Autobahnende. B 2 Richtung Mittenwald bis Abzweigung „Mittenwald Zentrum (Karwendelbahn)“. Der Ausschilderung „Zentrum, Ortsmitte“ zum Bahnhof, Parkplatz P 1 folgen (Ausgangshöhe 913 m). Bahn: Bhf Mittenwald; Fahrpläne: www.bahn.de

MTB-RUNDTOUR – Tourendaten: 21 km, 500 Höhenmeter, Zeit ca. 2,5 – 3 Stunden, 60% Forst- u. Wirtschaftswege, 40% Teerstraße, leicht bis mittelschwer. Verlauf: Vom Parkplatz P1, auf der „ Viererspitzstraße“ Richtung Zentrum bis an große Straßenkreuzung. Jetzt die „Albert-Schott-Straße“ überqueren und an Gabelung auf der „Karwendelstraße“ / „Innsbrucker Straße“ nach Süden. Beim Wolpertinger Museum rechts bergauf Richtung Leutasch. An der ersten Kurve rechts Ww: „Lautersee, Ferchensee“. Der Fahrweg zieht oberhalb vom Lautersee (1016 m) vorbei und weiter zur „Ferchenseehöhe (1100 m)“.

Dann bergab entlang am Ferchensee (1065 m) und vorbei am Gasthaus Ferchensee bis an Forststraßenverzweigung. Hier links bergab entlang am Ferchenbach Ww: „Elmau-Fahrstraße“. Den Ausschilderungen „Elmau, Kranzbergrunde“ folgend weiter bergab. Über Wiesen am Schloss Elmau (1000 m) vorbei bis an Kreuzung (Mautstraße).

Hier rechts Ww: „Klais“. Auf Fahrstraße im Auf und Ab vorbei am Schloss Kranzbach zur Mautstelle. Kurz nach der Mautstelle rechts über Brücke Ww: „Mittenwald“. Auf hügeligem Wirtschaftsweg über Wiesen (Am Quicken) an Straße. Diese überqueren und einige Meter hinaufschieben zum Schilderbaum vor den Bahngleisen. Bahngleise überqueren (Vorsicht!) und weiter Richtung „Mittenwald, Goas-Alm“.

Auf Wirtschaftsweg nordostwärts über Buckelwiesen zum nächsten Schilderbaum vor Heustadel. Jetzt rechts Ww: „Mittenwald“ bergauf zur Goas-Alm (990 m). Vorbei an der Alm über Wiesen bergab Ww: „Mittenwald ü. Schmalensee“. Nach dem Schmalensee kreuzt man eine Straße. Auf dieser Straße hinab nach Mittenwald und der Ausschilderung: „Bahnhofsparkplatz P1 Zentrum“ folgen.

EINKEHR – Gasthaus Ferchensee; Goas-Alm.

TIPPS – Themenführung Lüftlmalerei: Alles über die Mittenwalder Häuser. Termin: 25. Aug. von 10 bis 11.30 Uhr, Auskünfte: Touristinformation Mittenwald, Dammkarstraße 3, Tel.: 0 88 23 / 33 981; Internet: www. mittenwald.de

KARTE – ADFC-Regionalkarte Bayerische Seen; 1:75 000. Kompass-Karte 5 Wetterstein, 1: 50 000.

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