+
Florian Weindl mit Langlauf- und tz-Reporter Ingo Wilhelm (r.) mit Tourenski

Reit im Winkl: Langlaufski gegen Tourenski

"Heit gema om umi.“ In Reit im Winkl weiß jeder, was mit „obenrüber“ gemeint ist: eine Höhenwanderung über einen aussichtsreichen Bergrücken. Das Besondere daran: Gerade im März gehen die Einheimischen diese Tour gerne mit Langlaufski.

Derlei Skiwandern kennt man von norwegischen Hochplateaus, aber in den bayerischen Alpen?

GPS-Track der Tour zum Gratis-Download:
Hier klicken OM UMI GPS- Track

Also war ich skeptisch, als mich Florian Weindl (45) dazu einlud, mit ihm om umi zu gehen. Er, der Tourismuschef von Reit im Winkl, ist mit Skatingski und Langlaufstiefeln am Startpunkt erschienen. Ich, der tz-Reporter (38), mit der Tourenskiausrüstung. Schließlich steht uns ein Aufstieg von 700 Höhenmetern bevor und eine abschließende Abfahrt durchs Pistengebiet. Da werden wir ja sehen, mit welchen Ski man om umi besser zurechtkommt…

Auf der Loipe schlurfen wir über die Hemmersuppenalm, wo der markierte Weg zum Fellhorn beginnt. Florian hat wie ich Felle unter seine Ski montiert, um bergauf nicht nehmen auch Schuppenoder Wachsski“, erklärt er. „Hängt auch von den Schneeverhältnissenab.“ Heute ist der Schnee hart. Trotzdem findet Florian ebenso guten Halt wie ich mit den viel breiteren Tourenski. Sein Vorteil: Floris Skatingausrüstung wiegt etwa drei Kilo, während mir das Dreifache an den Haxen hängt. Daher der Zwischenstand nach der Aufstiegswertung: 1:0 für Florians Langlaufski!

Kaiser-Blick am Fellhorn.

Führt der Anstieg zunächst durch lichten Wald, weitet sich an der Eggenalm der Blick zu einem grandiosen Panorama. Leider ist das Straubinger Haus im Winter geschlossen, und so verlegen wir die Brotzeit auf den Gipfel des Fellhorns – eine Aussichtskanzel erster Güte: Wilder Kaiser, die Tauern, Loferer Steinberge, die bucklige Silhouette des Watzmanns …

Die Abfahrt vom Fellhorn ist zu kurz,als dass es sich lohnte, die Felle abzuziehen. Schon beginnt die sechs Kilometer lange Querung über den Bergrücken, auf dem kaum ein Baum die Aussicht verstellt. Die Geländestufen verlangen sicheres Abfahren auf Fellen. Bei dem ständigen Auf und Ab beginnt mein Skistiefel zu drücken. Florian hingegen genießt jeden Schritt in seinen Skatingpantoffeln. Zwischenstand nach der Skiwander-Wertung: 2:0 für Floris Langlaufski.

Nach Apfelkuchen in der Stallenalm folgt der letzte Anstieg am Pistenrand, ehe wir endlich die Klebefelle abziehen. Das „Ratsch“ ist das Startsignal für die acht Kilometerlange Abfahrt zum Seegatterl– meine Chance, den Flori auf seinen Stahlkanten- losen Ski endlich mal abzuhängen. Prompt bringt ihn auf halber Strecke eine Eisplatte zu Fall – der Punkt geht an mich. Doch in der Gesamtwertung siegen Florians Skater mit 2:1. Nächstes Mal gehe auch ich mit Langlaufski om umi …

INFOS ZUR TOUR

STARTPUNKT: Von Reit im Winkl mit dem Pendelbus (5,50 €) zur Hindenburghütte (1260 m), Infotelefon 086 40/84 25, www.hindenburghuette.de.

WEGVERLAUF: Auf der Hemmersuppenalm über die Loipe zum Wanderweg in Richtung Straubinger Haus/Fellhorn; bitte die Hinweistafeln zum umweltfreundlichen Skibergsteigen (Foto rechts außen) beachten!
An der Eggenalm (1558 m) geradeaus weiter zum Gipfel des Fellhorns (1764 m) und wieder zurück. Nun den Eggenalmkogel nördlich (!) auf dem „Schiweg“ umgehen.
Über den Rücken zur Durchkaseralm (1474 m). Über Parkplatz Steinplatte (1376 m) und Stallenalm (1422 m) ins Skigebiet Steinplatte/Winklmoosalm. Über die Pisten nach Seegatterl und mit dem Skibus wieder nach Reit im Winkl.

ORIENTIERUNG: Oft findet man eine Skispur. Trotzdem sollte man die Tour nur bei guter Sicht angehen; bei Nebel kann man sich verlaufen.

GEFAHREN: Solange man den südlich vom Eggenalmkogel verlaufenden Sommerweg meidet, geht die Lawinengefahr gegen null. Wechten am Gipfelrücken des Fellhorns!

DATEN: 750 Höhenmeter, 23,4 Kilometer. Zeit: gut 5 Stunden plus Pausen.

GPS-TRACK: Tour zum Gratis-Download - hier klicken OM UMI GPS Track

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare