Beate Uhse stellt Insolvenzantrag

Beate Uhse stellt Insolvenzantrag
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Einen höllischen Spaß macht die Fahrt von der Sunnalm ins Tal mit dem Monster-Roller. Wer will, saust an einem Tag gleich mehrfach den Berg hinunter.

Das Monster reiten

Sie sind nur schwer auszuhalten: Die neidischen Blicke all jener Kinder, die von ihren Eltern zum Wochenend- oder Ferienwanderausflug genötigt wurden und nun talwärts schlurfen.

Der Neid-Faktor ist riesig, vor allem wenn auch noch Erwachsene – mindestens so alt wie die eigenen Eltern – den Monster-Roller zu Tale reiten! So heißen die modernen Tretroller mit den fetten Reifen und den prima Bremsen, die den Downhill- Spaß perfekt machen. Da man beim Fahren in die Knie gehen soll und auch der Rücken wie die Arme beteiligt sind, kann man dem Roller schon den Status eines Sportgefährts zusprechen. Nur die Mountainbiker, die bergauf schnaufen, schauen etwas vergrätzt, auch wenn man ihnen ja erzählen könnte, dass man zuvor selbst hochgetreten ist. Aber dazu müsste man die Fahrt unterbrechen und das breite Grinsen aus dem Gesicht nehmen!

Also für Traditionalisten: Die Biketour auf die Sunnalm bei Biberwier in Tirol ist nirgends besonders schwer, fordert aber durch die permanente Steigung, die Länge und den schottrigen Untergrund. Die herrliche Alm mit Sonnenterrasse, urigen Stuben und Rutsche zum Klo (!) kommt mehr als rechtzeitig.

Für die Puristen ist das nix: Heroben tummeln sich all jene, die in Bergbahnen kein Teufelszeug sehen, sondern einen Zubringer, um Höhenmeter zu sparen und schneller in Wanderung bzw. Kultur und Geschichte einzusteigen. Denn hier liegen die Moderne (mit Cube-Hotel, Funsportgeräten und Sommerrodelbahn) neben einer hochspannenden Bergwerksgeschichte. Und Familien mit den unterschiedlichsten Interessen finden im Gebiet der Sunnalm den idealen Tummelplatz.

Silber für Münzen, Blei für Kugeln

Auss.: Kompass 4, Füssen, Außerfern. Lizenz: 17-0906- LVB.

Wissenschaftler sind ja gerne eher sachlich und würden, zu den Anfängen des Bergbaus in der Region befragt, natürlich sagen, dass Fachleute schon im 16. Jh. an Gestein und Bewuchs ablesen konnten, dass hier Erze lagern. Romantischer ist die Geschichte, dass Biberwierer Hirtenbuben glänzende, von Ziegen losgetretene Steine gefunden haben – dort wo später die Bleierze entdeckt und 1524 der erste Stollen in den Berggetrieben worden war. Biberwier hat den bedeutendsten Bergbau im Außerfern, vom 16. Jh. bis 1921/22 werden hier Silber, Blei und Zink abgebaut. Bis 1880 gehört der Bergbau wohlhabenden Tiroler Familien wie den Grafen zu Lodron, dann kaufen sich deutsche Bankiers und Industrielle ein. Bis zu 150 Bergknappen sind an der Silberleithen tätig. Zuerst bauen sie Silber – für Münzen – und Blei – für Gewehrkugeln – ab! Erst später wird das Zinkerz Galmei entdeckt. Es dient zur Messingherstellung und ist von so guter Qualität, dass man es bis nach Belgien und Schlesien zur Verhüttung gebracht hat.

Heute steigen keine Knappen mehr, dafür jede Menge Rindviecher über die Hänge. Und die haben durchaus großes Interesse an Monster-Roller- Fahrern und deren salzig schmeckenden Handschuhen.

Die Kühe scheinen sich ihrer Schönheit voll bewusst zu sein, posieren sie doch geduldig für die Fotografen. Und wahrscheinlich unterhalten sie sich am Abend darüber, warum es die Menschen dauernd mit seltsamen Geräten bergauf und bergab drängt. Antwort, liebes Rindviech: Weil’s einfach ungeheuren Spaß macht!

NICOLA FÖRG

BIBERWIER – SUNNALM

ANFAHRT – Bahn: Regelmäßige Verbindung München – GAP. Weiter mit der Außerfernbahn nach Ehrwald. Auto: A 95 München – GAP bis Autobahnende. Weiter B 2 Richtung GAP, dann B 23 Richtung Fernpass und über Ehrwald nach Biberwier, links zur Talstation.

ROLLERVERLEIH – An der Talstation (Tel.: 0043/ 664/73241451). 2 Stunden mit Liftkarte kosten für Erw. 20 Euro, für Kids 14 Euro, man kann 2 bis 3 Mal fahren, je nach Technik und Speed. Clevere planen die letzte Fahrt so, dass es grad noch reicht und kehren dann auf der Sunnalm ein (Sunnalm, tägl. geöffnet, Tel. 0043/5673/2363).

TOUR 1 – BIKE – Über den Forstweg am Hotel Cube vorbei, weiter Richtung Waldhaus Talblick (nicht Richtung Fernpass Seen!) den weiten Serpentinen bergauf folgen; zunächst moderate Steigung; Forstweg quert mehrfach die Lifttrasse, dann steigt die Strecke gleichmäßig bis Sunnalm; wer’s noch wissen will: steiles Stück bis zum Marienbergjoch, durchgehend Schotter, 8 km, 600 Höhenmeter.

TOUR 2 – HIKE & ROLL – Über Forstweg, Barbarasteig (Steig kürzt Kurven der Forststraße ab) bis Sunnalm, ca. 1,5 Std., 600 Höhenmeter, retour mit Spaßroller!

TOUR 3 – MONTANWANDERWEG – Mit dem Lift zwei Sektionen hinauf und dann beginnt oberhalb der Sunnalm der Montan-Wanderweg und zieht sich weit über die Hangschulter hinüber unter den Marienberg-Spitzen über den Schachtkopf und hinunter zur Schmölz. Wer bergab geht, hat 700 Höhenmeter vor sich und sollte 3 bis 4 Stunden einplanen, wenn er die Schilder und Bergbauüberbleibsel studieren will. Man kann auch vom Parkplatz der Bahn aufwärts gehen, ebenfalls 700 Höhenmeter, 4 bis 5 Stunden einplanen! Stöcke ratsam, in Teilen schlüpfrig!

TOUR 4 – HIKE & ROLL – Mit dem Lift zwei Sektionen, damit das Ganze nicht zur totalen Faulenzertour entartet: hinauf zum Marienbergjoch und hinunter zur urigen Marienberg-Alm, retour zur Sunnalm und dann abwärts auf dem Roller; ca. 1,5 Std. Marienbergalm hin und retour.

KARTE– Kompass-Karte 4, Füssen, Außerfern.

 

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