+
Und es fliegen die Blätter! Auf dem Weg zum geheimnisvollen Schwarzlaichmoor hat man immer wieder einen schönen Blick auf den Hohen Peißenberg samt Kirche und Observatorium.

Wo die Moorleiche spukt

Herbstliche Wanderungen am Hohen Peißenberg

Worüber redet man im Herbst am liebsten? Natürlich: Über das Wetter! Wie es wird und aktuell ist, das wissen die Forscher im Observatorium Hohenpeißenberg, das seit 1952 eines von zwei Forschungsobservatorien des Deutschen Wetterdienstes ist.

Und mehr noch: Die meteorologischen Messungen der ältesten Bergwetterwarte der Welt begannen bereits im Jahr 1781. Als einzige deutsche Globalstation (mit der Dependence am Schneefernerhaus) im Rahmen des weltweiten Klimaüberwachungsprogramms „Global Atmosphere Watch“ misst das Observatorium seit 1995 zahlreiche Spurengase, Aerosole und Regeninhaltsstoffe. Solche GAW-Stationen stehen auf den Kapverden, in Feuerland, Samoa oder am Südpol – Hohenpeißenberg ist da in guter Gesellschaft! 

Alle Wetter! Ein sehr informativer Weg am Hohen Peißenberg klärt über Wetterphänome und Klimabesonderheiten auf.

Vom Parkplatz bis hinauf zum Observatorum erstreckt sich ein Wetterlehrpfad mit elf Stationen und man erfährt gleich mal den Unterschied zwischen Wetter und Klima. Letzteres ist nämlich der mittlere Zustand des Wetters über mindestens 30 Jahre. Und bei den „Feinheiten“ des Wetters am Alpenrand wird die Frage gestellt: Welches Haarpflegegerät heißt wie eine Wettererscheinung in den Alpen? Klar, der Föhn, wobei der Wetterföhn ein „h“ besitzt. H wie Hoher Peißenberg oder wie Hetten, das zu Füßen des Berges liegt, wo eine feine Herbstwanderung beginnt. Denn selbst wenn der Föhn mit „h“ mal versagt: Gerade Moore sind ja bei Nebel besonders stimmungsvoll. Im Schwarzlaichmoor wurde wie in so vielen der bayerischen Moore Torf gestochen, 2006 begann man zu renaturieren, nicht zuletzt wegen der Zwergbirke (Rote Liste Art in Bayern), die noch ein Relikt aus der Eiszeit ist und hier in so großer Zahl vorkommt, dass das sogar einzigartig in Mitteleuropa ist. Entlang des Moores gibt es immer wieder schöne Blicke zurück auf den Berg mit Kirche und Observatorium und ebenfalls interessante Erklärungstafeln – sei es über die Strah-, Sträh- oder Streuwiesen, deren Erhalt eben nur durch Menschenhand zu bewerkstelligen ist. Wo man eben auch händisch oder maximal mit dem Balkenmäher arbeiten kann. Gebirgspflanzen wie der Enzian oder die Mehlprimel haben hier eine neue Heimat gefunden, sie kommen gut mit der Sauerstoffarmut und der Kälte der Böden zurecht. 

Passend zur mystischen Stimmung ist auch eine Tafel über Rosalinde angebracht. Die „Frau von Peiting“ wurde 1957 beim Torfabbau im Moor zwischen den Gemeinden Peiting und Hohenpeißenberg in einem Holzsarg gefunden. Wie das gerne so ist mit Mumien, gab es Gezerre darum, wer die Moorleiche denn nun haben darf. Erst wurde sie Peiting zugeschrieben, aber genau genommen ist sie auf Hohenpeißenberger Flur gefunden worden. Rosalinde dürfte aus dem 14./15. Jh. stammen und ist eine der wenigen erhaltenen Moorleichen aus Bayern. Eben weil sie von einem Sarg geschützt war, blieb sie so gut erhalten. Sie trug ein langes, feines Wollkleid und kniehohe Lederstiefel. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sie wohl wenig körperlich arbeiten und im Wachsen keine Mangelernährung erleiden musste, dass sie sogar gut genährt war. Zahnweh wird sie wohl gehabt haben und ein markantes Kinn. Um die 25 ist sie geworden. Woran sie verstarb, ist Spekulation – vielleicht hatte sie etwas Giftiges gegessen? Sämtliche Deutungsversuche sind ein Moorkrimi: Es gibt die Ansicht, sie hätte ein uneheliches Kind geboren und wäre aufgrund dieser Verfehlung nicht in gesegneter Erde bestattet worden. Im krassen Gegensatz zu den sehr aufwendig gearbeiteten Stiefeln steht ihre einfache Bekleidung. Eine andere Spur deutet darauf hin, dass sie eine Durchreisende gewesen ist, die man immerhin pietätvoll bestatten wollte. Es bleibt ein Geheimnis. Genug gegruselt und flugs weitergewandert. Es wird schnell dunkel dieser Tage und vielleicht spukt Rosalinde ja noch herum...

Von Nicola Förg

Rund um Hohenpeissenberg

ANFAHRT – Bahn: Von München mit der Regionalbahn (DB) und der Bayerischen Regiobahn (Umstieg in Weilheim) zum Bhf. Hohenpeißenberg; bis Ausgangspunkt am Hetten drei Kilometer. Auto: A 95 München – GAP bis A.-Dr. Starnberg. Über Starnberg B 2 Weilheim, B 472 Peißenberg bis H’peißenberg. Parken Gasthof Hetten, Wanderparkplatz.

MOORRUNDWEG – Vom Gasthof Hetten Richtung Forst; links in den Weiler Buchschorn; dann links Richtung Hohenbrand, dem Feldweg folgen bis zum Stadl/Erklärungstafel/ Bankerl; dort links, durch das Waldstück bis zur Kreuzung; an der Wegkreuzung links (Symbol des Moorwanderwegs) bis Hohenbrand; in Hohenbrand li. Richtung Hetten und ein zweites Mal links (Feldweg bis Ortsende von H’peißenberg); kurzes Stück am Geh-/Radlweg bis Hetten. Länge / Gehzeit: Rund 6 km, 1,5 gemütliche Stunden.

HOHER PEISSENBERG – Sportliche Gemüter können direkt ab Gasthof Hetten aufsteigen bis zum Observatorium (1,7 km), weniger Ambitionierte fahren mit dem Auto hinauf. Der Wetterweg dauert etwa 15 Minuten.

Auch interessant

Kommentare