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Kurz vor dem höchsten Punkt der Tour auf rund 1200 Meter zeigt sich der Breitenstein im Hintergrund.

Genuss unterm Blätterdach

Mountainbike-Runde im Schatten des Breitenstein

 Im Mangfallgebirge liegen bekanntlich die beliebtesten Münchner Hausberge. Auch für Mountainbiker. Die interessanten Touren für „Bergradler“ verlaufen weder in der Gipfelregion noch im Tal.

Das heißt, es geht meist über Almwiesen und durch Bergwald. Wenn dann noch die Himmelsrichtung passt, genug Wasserläufe und Einkehrmöglichkeiten vorhanden sind, ist die Tour perfekt geeignet auch für heiße Sommertage. Als guter Ausgangspunkt erweist sich das Obstbaum-Paradies Bad Feilnbach. Mehr als 30.000 Obstbäume schmücken die fotogenen Bauernhäuser. Dank des milden Klimas gedeihen Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen ganz vortrefflich.

Radlermaß für müde Radler

Kurz nach dem Start nimmt einen das kühle Jenbachtal auf. Die ersten Höhenmeter hinauf zu den Grasmatten der oberhalb gelegenen Wirtsalm verlaufen auf Asphalt und sind ideal, um den eigenen Rhythmus zu finden. Nach den weiten Bergwiesen mit Blick auf Wildalpjoch, Breitenstein und Wendelstein zieht die Route wieder in den Wald hinein. Unweit der Forststraße plätschert der Jenbach und man könnte nun einen Abstecher ans Wasser machen. Um den Jenbach spannt sich ein Naturgarten mit felsigen Kaskaden, smaragdgrünen kleinen Stauseen und sandigen Uferbänken. Plötzlich schwingt sich die Forststraße auf. Jetzt rückt man dem Breitenstein auf die Pelle. Dunkel und geheimnisvoll zeigt sich seine Nordostseite, die felsige Schwarzwand. Doch schon einige Kehren höher ändert sich der Blickwinkel. Der Breitenstein bleibt zurück und man erspäht auf einem Sattel einen Brotzeittisch mit Panorama.

Ein lauschiges Blätterdach kühlt die Mountainbiker immer auf angenehme Temperaturen herunter.

Auf dem höchsten Punkt der Tour (ca. 1200 m) hält man sich nach einer Pause in Richtung Tregler Alm und rollt zunächst bergab. Unter schützendem Blätterdach strampelt man im Auf und Ab dahin und bestaunt die Ansicht auf die Berge des Spitzinggebietes. Sobald man auf Wanderer trifft, ist es nicht mehr weit bis zur bewirtschafteten Tregler Alm. So mancher löscht den Durst gern mit einer „Radlermaß“. Wie der Begriff entstanden ist, da gibt es mehrere Theorien. Eine verbreitete Geschichte geht auf ein heißes Sommerwochenende im Jahre 1922 zurück. Franz Xaver Kugler, Wirt der Ausflugsgaststätte zwischen Oberhaching und Grünwald, hatte zu wenig Bier im Keller, was einer Katastrophe glich. Der rührige Wirt mischte Zitronenlimonade, die noch reichlich vorhanden war, mit Bier und erfand aus Not die „Radlermaß“… Während man es sich auf der Terrasse gemütlich macht, darf der Blick davonfliegen, über Moore und Dörfer bis Rosenheim und den Chiemgauer Alpen. Die letzte Etappe zieht nur noch bergab. Bis zum Wanderparkplatz Deisenried fährt man vorsichtig wegen der Fußgänger. Nach den Weilern Weißenbach und Thanhäusl leitet ein steiler Forstweg durch ein lauschiges Flusstal bis zu den ersten Häusern von Bad Feilnbach. An einem Hang entlang fahrend, genießt man am Schluss die schöne Sicht über den Ort.

Von Doris Neumayr

WIENER-NEUSTÄDTER-HÜTTE (2209 M)

ANFAHRT – A 95 München – GAP bis Autobahnende. Weiter auf der B 2 nach Garmisch-Partenkirchen und Richtung Fernpass nach Ehrwald. Am Ortsbeginn gegenüber der Tankstelle links hinauf bis zum Parkplatz der Tiroler Zugspitzbahn.

TOUR – Gehzeit: 5,5 bis 6 Stunden. Höhenunterschied: gut 1000 Meter. Anstrengende Bergtour für Trittsichere und Schwindelfreie. Etwas Klettersteigerfahrung ratsam sowie gutes Schuhwerk, da steiles Geröll! Verlauf: Vom Parkplatz den gelben Wegweisern folgend an der Talstation vorbei Richtung Berg. Bald links (Wegweiser Eibsee/Thörle) und auf Teerstraße aufwärts. Bei Holzstößen rechts ab auf Forstweg (Wegweiser Wiener-Neustädter- Hütte/Zugspitze). Bald links ab auf schmäleren Weg (Wegweiser Eibseeblick/Schützensteig). Auf diesem nun immer aufwärts, zweimal eine Forststraße querend. Zwischendurch etwas bergab, dann am Bildstock rechts ab auf Steig (Wegweiser zur Hütte). Bald eine Schuttreiße rechts bergauf, dann in steilere Felsen (teilweise drahtseilgesichert). Markierungen leiten rechts die Kante hinauf, dann an einem Rücken unter der Seilbahn bergauf bis zur Wiener-Neustädter- Hütte.

Hinter der rechten Hütte leitet ein unmarkierter Steig (teils Steinmandln) Richtung Ehrwalder Kopf: Erst rechts an der Kante, dann links die Schotterflanke querend und auf dem Grat von rechts auf die Anhöhe über der Hütte. Abstieg zunächst wie Aufstieg: Zurück zur Hütte und an dem Rücken unter der Seilbahn bergab. Dann bei dem Wiesensporn nicht rechts Richtung Eibsee, sondern links (Wegweiser Georg-Jäger-Steig, Ehrwald). Durch das Kar im Schutt bergab, unten auf den rechten Steig durch Grasgelände. Wo der Wald beginnt, gabelt sich der Steig. Hier rechts, nochmal kurz durch Schutt, dann auf einem grasigen Forstweg bergab. Schließlich entlang einer Skiabfahrtsschneise im Rechtsbogen hinab und auf einer Forststraße abwärts zur Talstation und zum Parkplatz.

EINKEHR – Wiener-Neustädter-Hütte, Tel.: 0043/ 676/730 44 05; wiener-neustaedter.com.

KARTE – Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge.

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