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Die Strecke bis zur Zirler Kristenalm hat einen großen Vorteil: Ebene Passagen wechseln sich immer mit Auf- und Abfahrten (am Hin- und Rückweg) ab.

Spektakulär abseits

Mountainbike-Tour durch den Alpenpark Karwendel

Das Karwendel: wilde Kare, anthrazitfarbene Berge, ein spektakulärer und rauer Geselle. Der Name stammt von einem Germanen namens Kérwentil, der im Raum Scharnitz einen Hof besaß und das Gebiet hieß deshalb Kerwéndelau.

Die vom Hof aus befahrbare Alpe erhielt in Folge einer Lautverschiebung den Namen Karwéndl. Das bezog sich zwar nur auf das Karwendeltal bei Scharnitz, aber die Menschen damals nannten das gesamte Gebirge zwischen Seefeld und Achensee Karwéndel. Mit der Kartierung im Jahre 1774 wurde es zum offiziellen Namen. Das Karwendel war immer schon ein Siedlungsraum, in dem Menschen lebten, ihre Tiere fütterten und dem Boden Edelsteine abrangen. Schon vor 3000 Jahren siedelten hier Menschen, im 11. Jahrhundert wagten sich die ersten Menschen in die schroffe Welt der Kare. Um 1230 begann der Salzabbau in Hall, der einen gewaltigen Holzbedarf mit sich zog. Um 1400 wurden Erze entdeckt, es wurde gerodet, zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde damit begonnen, Holz zu triften.

Die spektakuläre Gleirschklamm, an der diese Mountainbike-Tour entlangführt, wurde für die Holztrift genutzt. Im März und April trieben die Forstarbeiter das geschlagene Holz des Vorjahres mit dem Schmelzwasser die Isar hinab – die einfachste Methode, um den Rohstoff aus dem Karwendel zu befördern. Und noch eines, das prägte: Als Folge des Dreißigjährigen Krieges zogen die Bauern aus dem Inntal immer weiter ins Gebirge hinein, um sich und das Vieh vor Plünderungen zu schützen.

So sehr der Mensch hier eingriff, so sehr und auch früh wurde ihm bewusst, dass es etwas zu schützen gibt. Schon 1928 wurde die Kernzone des Karwendel als „Banngebiet“ ausgewiesen und einer strengen Verordnung unterstellt. Aber auch die Alpwirtschaft wurde wichtiger, es gab um 1930 einen Trend zu Alpförderung. Auf der Kristenalm steht ein eindrucksvoller Zeuge dafür: ein Stall, der über 50 Melkplätze hat. Man muss sich vorstellen, dass die Beschicker der Alp kleine und kleinste Bauern waren, die eine, zwei oder maximal wenige Kühe zuhause im Stall hatten, der ans Haus angebaut war. Und auf 1348 Metern steht so ein Bauwerk! Mit den Augen der Moderne mag das nicht auffallen, ein Stall eben, in Wirklichkeit ist das aber sehr ungewöhnlich. Der Blick der Moderne, der sich ja immer auf Täler und Straßen richtet, vergisst auch völlig, dass die alten Wege über das Gebirge führten. Das Vieh kam aus dem Raum Zirl über den Erlsattel, deshalb auch der Name Zirler Kristenalm – die Alp liegt auch auf Zirler Gemeindegebiet.

Margit und Martin Sailer haben 80 Rindviecher auf der Alm, zwölf davon Melkkühe, ansonsten Jungvieh und Mutterkühe. Dazu kommen Ziegen, Hasen, Hunde – und die Stille. Die Kristenalm liegt abseits der „Hauptrennstrecken“ im Karwendel. Eine davon ist die Tour zum Isarursprung und der Kastenalm, auch die Möslalm ist noch bekannter. Auch weil die „Salz-Ambt-Laden-Säge“ am Almgebiet lag, wie der Name sagt, eine Säge des Salzamts in Hall. Der ungeheure Holzreichtum des Gleirschtales und seiner Nebentäler musste den gewaltigen Holzbedarf decken. Von der Säge sind nur noch ein paar Steinreste übrig. Die Pleisenhütte ist ein legendäres Ziel, wo Toni Gaugg, besser bekannt als „Pleisen-Toni“, wirkte. Der Mann, der am 28. Oktober 1951 in der Vorderkarhöhle ein Elchskelett entdeckte und mit all seinen G’schichterln zum Karwendel Original wurde. Er starb am 1. Februar 2007, seine Erlebnisse leben weiter. So eine Hüttenwirtin mit Alleinunterhalterqualitäten ist Margit Sailer nicht. Will sie auch gar nicht sein. Sie will auch nicht an einer touristischen Hauptroute liegen. Die Frage „Was macht ihr denn dann im Winter?“ kommentiert sie meist mit: „Ja, da leben wir mit Strom und können eine Heizung bedienen.“ Margit Sailer ist eine sehr fokussierte, klare Frau, die einen Magister in Mathematik hat und im Winter Matura-Vorbereitungskurse gibt – so viel zum Klischee von Hüttenwirten…

Nicola Förg

Entlang der Gleischklamm

ANFAHRT– Mit dem Pkw über GAP und Mittenwald nach Scharnitz, an der Hauptstraße auf das Schild P Karwendeltäler achten, dort links abbiegen, bis zu zwei Großparklätzen, Tageskarte 6 Euro. Mit dem Zug von München- Hauptbahnhof sind es 2 Stunden Fahrzeit nach Scharnitz.

TOUR – Vom Parkplatz der Beschilderung Isarradweg folgen, bis zum Wiesenhof ansteigend auf Asphalt; nach dem Aussichtspunkt auf die Gleirschklamm rechts weg (Möslalm, Kristenalm), Abfahrt zur Isar und Gegenanstieg, an der Klamm entlang dem Hauptweg folgen, am Abzweig Oberbrunnalm weiter geradeaus halten (Kristenalm), relativ eben am Gleirschbach entlang, Abzweig rechts zur Kristenalm, ab dort etwas mehr Schotter und Anstieg. Sehr gute, feste Forstwege, nur der letzte Abschnitt etwas schottriger, befahrbar für MTB, e-MTB, Trekkingräder. 14 km ab Parkplatz, Schwierigkeit: leicht. Der Vorteil: Es ist keine Tour, bei der man am Hinweg immer bergauf fährt und am Rückweg bergab: Hier wechseln sich ebene Passagen mit Auf- und Abfahrten (am Hin- und Rückweg) ab.

INFO – Infostelle Karwendel Scharnitz, Innsbrucker Straße 282, A-6108 Scharnitz Tel.: 0043/5088040, www.karwendel.org

EINKEHR – Kristenalm, Fam. Sailer, Kirchfeldstr. 5, A-6170 Zirl, Tel.: 0043/5238/54516, 1340 Meter, Getränke und Jausen, Käse von der Alm.

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