Kleine Auszeiten…

Um in München abzuschalten, muss man nicht raus aus der Stadt

Wir leben in einer grandiosen Stadt! Gerade für Naturliebhaber und Frischluftsüchtige ist München der perfekte Standort. Die nahen Berge, die vielen Seen in der Umgebung…

Um abzuschalten, muss man aber nicht zwingend raus aus der Stadt. Auch mitten in der Metropole kann man sich draußen vergnügen und zur Ruhe kommen. tz-Autorin Johanna Stöckl hat sich vergangene Woche aufs Rad geschwungen und die (kleine) Flucht ergriffen. Manchmal reicht die freie Zeit nicht aus, um aufs Land zu fahren, zu wandern oder – wie jetzt noch vielerorts möglich – einen Tag auf Ski zu stehen. Dennoch will man raus, sich zerstreuen, bewegen, Frischluft tanken. Wenn ich ehrlich bin, steht bei mir das sportliche Element nicht zwingend an erster Stelle. Wieso ich das Urbane trotzdem regelmäßig verlasse? Weil ich von Zeit zu Zeit den Himmel richtig sehen und in die Ferne schauen möchte. Dann suche ich sprichwörtlich das Weite.

Vorteil Isar

Der Georgenstein ist 8,4 Meter lang, vier Meter breit, befindet sich bei Flusskilometer 163,2 und ragt fünf Meter aus der Isar.

Fällt mir die Decke auf den Kopf, schnappe ich mein Fahrrad und radle regelmäßig an der Isar. Planung braucht es dafür keine. Orientiert man sich am Fluss, gibt es ohnehin nur zwei Möglichkeiten. An der Wittelsbacher Brücke angekommen, frage ich mich, daher: Soll es nordwärts Richtung Freising oder in den Süden nach Wolfratshausen gehen? Ich entscheide mich für den Süden und radle flussaufwärts vorerst am Ostufer entlang. Um den Hinterbrühler See mitzunehmen, wechsle ich am Tierpark die Uferseite und passiere den Golfplatz Thalkirchen, wo bei frühlingshaften Temperaturen schon einiges los ist. Wenig später unterquere ich die Großhesseloher Brücke.

Ruhe und Wildnis

Wochentags hat man spätestens ab hier seine heilige Ruhe. An der Grünwalder Brücke kehre ich kurz auf einen stärkenden Espresso beim Brückenwirt ein. Etwas später passiere ich den Klettergarten am Buchenhain, wo sich vier Boulderer in der Vertikalen austoben. Den Georgenstein erreiche ich nach weiteren 15 Minuten. Der große Felsblock erhebt sich auf Höhe von Baierbrunn aus dem Flussbett der Isar und war früher nicht nur der Schrecken aller Flößer, sondern vor allem ein wichtiger Meilenstein für die ehemalige Römerstraße Via Julia. Herrlich: Ich bin erst eine gute Stunde unterwegs und bereits in einer anderen Welt! Auf dem weiteren Weg Richtung Kloster Schäftlarn verfranse ich mich, weil’s so schön ist und komme vom Schotterradweg ab. Auf den schmalen Isar-Trails gerate ich im tiefen Matsch fahrtechnisch an mein Limit. In besonders steilen Passagen muss ich sogar schieben, was mich wertvolle Zeit kostet.

Bayerischer Jakobsweg

Andererseits lerne ich so drei Damen aus Augsburg kennen, die gerade auf dem Bayerischen Jakobsweg ab München über Bad Tölz nach Bregenz wandern. Ich erfreue mich am Anblick erster Frühlingsblumen. Mitten im Wald: gelbe Huflattiche hier, ganze Wiesen voller lila Krokusse und Leberblümchen dort. Im Biergarten des Klosters Schäftlarn lege ich eine ausgiebige Mittags- (Schnitzel)pause ein. Ab dem Gasthaus Bruckenfischer radle ich später am Isarkanal entlang. An der Fischzucht Aumühle weist mir ein Schild den Weg nach Wolfratshausen. Nur noch sieben Kilometer? Bin ich schon so weit geradelt? Durch beeindruckende Kiefernwälder strample ich mich durch das Landschaftsschutzgebiet der Pupplinger Au.

Floßlände Wolfratshausen

Ob beim Picknick im Englischen Garten oder dem Schnitzel im Biergarten des Klosterbräu Schäftlarn – München und Umgebung bieten viele Orte der Entspannung.

Vor der bayerischen Wirtschaft Zum Aujäger ergötzen sich Kinder an einem Esel und ein paar Ziegen auf der Weide. Über 30 Kilometer habe ich bereits in den Beinen, als ich die Floßlände in Wolfratshausen erreiche. Bald (ab Mai) wird hier wieder buntes Treiben herrschen. Eine Floßfahrt ab hier nach München dauert ganze sechs Stunden, lese ich. So gesehen war ich mit drei Stunden inklusive Pausen richtig schnell. Natürlich könnte ich in Wolfratshausen samt Radl in die S-Bahn steigen (zwischen 16.00 und 18.00 Uhr ist die Mitnahme von Fahrrädern untersagt) und es gut sein lassen. Allerdings: zurück geht’s tendenziell bergab und damit deutlich flotter. Also los! Ehe ich nach insgesamt fünf Stunden wieder München erreiche, erlebe ich in den Isarauen einen zauberhaften Sonnenuntergang.

Entspannung mitten in der Stadt

Lustwandeln im Schlosspark Nymphenburg

Der Schlosspark Nymphenburg ist eines der bedeutendsten Gartenkunstwerke Deutschlands und als solches zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert: Was einen dort erwartet? Unter anderem Wasserspiele, Seen, verschlungene Pfade, uralte Baumbestände, diverse Schlösschen und sogar eine Klause am Wegesrand. Auf insgesamt 180 Hektar Grünfläche (Vergleich: der Englische Garten hat 375 Hektar) kann man als stressgeplagter Städter vor allem eines: flanieren und dabei runterkommen.

Sonnenuntergang genießen

Freilich kann man den Sonnenuntergang in München vielerorts genießen. Z. B. am 56 Meter hohen Olympiaberg oder im Idealfall sogar auf der Aussichtsplattform des 291 Meter hohen Olympiaturms stehend. Mindestens genau so schön: im richtigen Moment auf dem Industriedenkmal Hackerbrücke die letzten Sonnenstrahlen genießen, ehe die Sonne am Horizont versinkt und die Gleise im Abendlicht leuchten lässt.

Im Hofgarten Tango tanzen

Im Dianatempel finden nicht nur gelegentlich Konzerte statt, bald trifft sich dort auch wieder die Münchner Swing-Tanz-Szene. Mittwoch und Freitag, jeweils abends wird im zwölfeckigen Pavillon Tango bzw. Swing getanzt. Diese Treffen sind zwar inoffiziell, werden aber von der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung geduldet, solange niemand gestört und kein Schaden angerichtet wird. Der Hofgarten ist außerdem ein beliebter Treffpunkt für Boulespieler aller Leistungsklassen.

Über den Dächern Münchens schwimmen

Im Bayerischen Hof hat man mit dem Blue Spa auf 1300 Quadratmetern und vier Etagen ein einzigartiges Wellness-Refugium geschaffen. Bei schönem Wetter wird das schützende Glasdach über dem 6,50 mal 14,50 Meter großen Pool geöffnet. Heißt: Man schwimmt in der sechsten Etage unter freiem Himmel! Zudem kann man diverse Saunen besuchen und auf Münchens schönster Sonnenterrasse einen atemberaubenden Ausblick über die Altstadt nebst Drink genießen. Der exklusive Spaß hat natürlich seinen Preis, steht aber jedem offen. Tageskarte: 7.00 bis 22.30 Uhr € 40,50 (Wochenende € 45,50).

Picknick im Englischen Garten

Unser Englischer Garten ist als grüne Lunge der Stadt nicht nur ein Paradies für Freizeitsportler, sondern natürlich auch derideale Ort für ein Picknick im Grünen – mitten in der Stadt. Wer es „besonders“ mag, ordert ein „Picknickwagerl“ in der Sankt Emmeramsmühle. Der kulinarische Bollerwagen enthält: einen voll ausgestatteten Picknickkorb, Decke, Kissen, Plan des Englischen Garten, die vorab ausgewählten Speisen und Getränke und auf Wunsch einen Sonnenschirm. Kosten: ab € 19,90/Person exkl. Getränke.

Auf dem Rad zur Münchner Dreiseenplatte

Im Münchner Norden bilden die Baggerseen Lerchenauer See, Fasanerie See und Feldmochinger See eine „Dreiseenplatte“ mitten in der Stadt, die sich an einem Nachmittag locker per Fahrrad erkunden lässt. Vom Olympiapark aus ist der Lerchenauer See in nur wenigen Minuten zu erreichen. Tüchtige Radler können die Tour bis zur Regattastrecke in Oberschleißheim ausbauen. Eingekehrt wird zum Beispiel im gemütlichen See-Biergarten Lerchenau.

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