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Lohnender Abstecher für Radler, die den Weitblick lieben: Nahezu sämtliche oberbayerische Alpengipfel bauen sich vor der Ludwigshöhe bei Kleindingharting auf.

Tour im Münchner Süden

In den Frühling radeln

Vor den Toren Münchens wartet ein Radler-Paradies. Das weitläufige Wegenetz führt im Auf und Ab über Blumenwiesen, durch luftige Wälder, entlang an Flüssen und über herrliche Aussichtspunkte.

Geschichtlich interessante Plätze und lauschige Biergarten liegen an der Strecke. Die heutige Route nimmt ihren Anfang im Grünwalder Forst und eignet sich optimal, um wintermüde Wadl und verstaubte Radl aufs Frühjahr einzustimmen. Wie mit dem Lineal gezogen führt das breite Asphaltband durch den frischen Wald. Nach 1 km zieht dann ein Forstweg sanft bergan und bringt einen zum Schloss Laufzorn inmitten von Weideland und Pferdekoppeln.

Als „Laufzoro“ wurde der Weiler um 800 erstmals urkundlich erwähnt. Die ausgedehnten Wald- und Wiesenflächen werden für Viehwirtschaft genutzt, als im 15. Jh. die Wittelsbacher Laufzorn erwerben.

200 Jahre später entsteht ein elegantes Jagdschloss, dessen Grundformen noch heute erhalten sind. Im Laufe der Zeit wurde die Anlage vielseitig verwendet. Neben der Landwirtschaft betrieb man eine Branntweinbrennerei, ein Bräuhaus und eine Ziegelei.

Weiter geht’s über frühlingsgrünen Rasen bis zur „Römerstraße“, die Richtung Straßlach führt. Die Strecke zieht vorbei an weiß gesprenkelten Hecken und moosigen Böden. Im sachten Bergabrollen sollte man am Ende des Waldes eine tagsüber offene Krötenschranke nicht übersehen. Denn gleich danach leitet ein Forstweg durch ein einsames Waldstück.

Plötzlich weichen die Bäume und der Blick erfasst hinter blühenden Kirschen weites Grasland. In der Ferne zeigen sich die Berge und davor liegt der beschauliche Ort Großdingharting. 1492 wurde die Dorfkirche erbaut. Sie ist mit zwei sog. „Asylkreuzen“ versehen, die einst eine makabre Bedeutung hatten. So konnte ein zu Tode Verurteilter versuchen, vom Galgenberg zur Kirche zu rennen und ein Kreuz zu berühren, dann war er frei. Konnten ihn jedoch zuvor seine Verfolger einholen, wurde das Urteil vollstreckt. Hinter dem Dorfweiher folgt man dem Sträßchen nach Kleindingharting und sollte unbedingt den Abstecher auf die Ludwigshöhe einplanen. Hier wartet ein fulminanter Aussichtspunkt.

Von den Chiemgauer Alpen bis zu den Allgäuer Alpen stehen die Gipfel Spalier. Hernach geht’s hinüber Richtung Beigarten, Und von dort aus folgt eine lange, genussvolle Abfahrt zum Isarkanal. Im glitzernden Wasser schaukeln Enten, Schilfrohr wiegt sich im Wind.

Ein Teersträßchen leitet ins Mühltal – immer am Isarkanal entlang bis zum Wasserkraftwerk. Ab 1. Mai wird es wieder turbulenter zugehen, denn dann beginnt die Floßsaison. Die größte Attraktion dabei ist die Floßrutsche im Mühltal. Mit einer Gesamtlänge von 345 Metern und einem Höhenunterschied von 18 Metern ist sie die größte Europas. Den Radlern steht noch eine Fleißaufgabe bevor, wenn sich die Straße jäh aufschwingt. Doch sobald man in den Radweg biegt, legt sich die Steigung. Bald erreicht man Straßlach durchs Hintertürl und hat erneut Zeit, in einem Biergarten den Durst zu stillen, bevor man die Tour auf der „Römerstraße“ gemütlich ausklingen lässt.

Dori Neumayr

ANFAHRT – Auto: A 995 München-Giesing – Salzburg, Ausfahrt Oberhaching. Richtung Grünwald. 2 km vor Grünwald links auf Wanderparkplatz (gegenüber Abzweig Wörnbrunn). Bahn: Bhf. Deisenhofen (S3, MERIDIAN); Informationen: www.mvv-muenchen.de

TOUR – 27,2 km, ca. 250 Höhenmeter, 2,5 bis 3 Std.; meist feste Forststraßen, geteerte Fahrwege, Nebenstraßen, Orientierungssinn nötig, Karte/GPS zu empfehlen. Verlauf: Vom Parkplatz auf dem Teerweg geradeaus durch den Grünwalder Forst (gelber Ww. Laufzorn). Nach 1 km links (Holzschild: Laufzorner-Geräumt). An T-Kreuzung nach dem Schloss Laufzorn rechts über Wiesen bis zur nächsten Kreuzung (Römerstraße). Hier rechts auf Teerstraße durch Wald und Lichtungen 2,8 km Richtung Straßlach (kein Wegweiser). Kurz bevor der Wald endet, passiert man eine auffällige Krötenschranke. Gleich danach links auf einen breiten Forstweg (zunächst südwärts). Man ignoriert im Wald alle kleinen Abzweiger. Nach 1,2 km an eine große Kreuzung (Kreiselform).

Nun rechts, bald vorbei an einem Einödhof und über Wiesen nach Großdingharting. Links in den Ort, vorbei an der Kirche. Zwischen Dorfweiher und Maibaum links (Ww. Kleindingharting). Über hügelige Wiesen nach Kleindingharting an eine Kreuzung mit St.-Anna- Kapelle. Jetzt rechts (Ww. Beigarten). Oder kleiner Abstecher zum Aussichtspunkt Ludwigshöhe: geradeaus und kurz steil bergauf. Nach Abstecher zurück zur St.-Anna-Kapelle und weiter Richtung Beigarten – Schäftlarn.

An der T-Kreuzung nach rechts kurz an der St 2072 entlang. Dann gleich links Richtung Beigarten. Am Ortseingang vorbei und auf Teerstraße bergab bis zur Brücke vor Isarkanal. Hier rechts auf Teerstraße entlang am Kanal (Ww. Mühltal). Kurz vor Wasserkraftwerk rechts (Ww. Isarradweg – Straßlach). Nach kurzem steilem Aufschwung geht’s links auf Forstweg (Ww. Isarradweg – Grünwald). Zunächst im leichten Auf und Ab durch Wald, dann hinauf zum flachen Hochuferweg. Hier links (Ww. Isarradweg). Am Waldrand links (Ww. Grünwald).

Nach 100 m rechts über Wiesen (Ww. Straßlach 1,5 km). Am Wiesenrand rechts an den ersten Häusern Straßlachs vorbei. Links (Mühlstraße) in den Ort. Links (Kurzstraße) bis Gasthof zum Wildpark. Am Dorfweiher vorbei zur St 2072 und überqueren. Links 100 m entlang an der St 2072, dann rechts in die ruhige Nebenstraße (Laufzorner Weg). Man mündet in die „Römerstraße“ und fährt auf bekannter Route zurück zum Ausgangspunkt.

BIERGÄRTEN

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