+
"Das Blaue Land" am Staffelsee

Kulturwanderung

Murnau: Wo der Lindwurm haust...

Sie kennen Murnau? Das Schlossmuseum und Münterhaus? Doch kennen Sie auch den Dünaberg mit dem „Fenster zum Moos“, den Königsweg oder den Pavillon von Ehrenbürger James Loeb?

All diese und noch mehr kulturell interessante Ecken und Winkel durchstreift unser Rundweg im Westen der Marktgemeinde. Zu Beginn steigt man hinunter zum Staffelsee. Bald informiert eine Tafel am neu eingerichteten „Königsweg“ über das „Stahlbad“. Das mondäne Kurhaus und Heilbad mit dem legendären „Eisenwasser“ hatte ab 1879 viele wohlhabende Gäste nach Murnau gelockt. Fast 100 Höhenmeter geht es dann steil bergauf auf den Molasserücken, der Murnau mit Bad Kohlgrub verbindet. Oben angekommen empfängt einen der Pavillon für James Loeb.

Eine der ältesten Glocken Europas

Noch weiß überzuckert zeigt sich Murnau von der Stelle, von der aus Wassily Kandinsky und Gabriele Münter die Stadt gemalt haben.

Der in New York geborene Bankier und Kunstsammler war 1906 nach München und später nach Murnau gekommen. Dort ließ er sich auf seinem Landsitz in Hochried nieder – heute eine Rehaklinik für Kinder. Schon zu Lebzeiten spendete Loeb großzügig für soziale Einrichtungen. Vom Pavillon aus geht es den Molasserücken wieder hinab. In einer Waldschlucht passiert man den Drachenstich. An dem kleinen Wasserfall soll einst der grüne Lindwurm gehaust haben, der noch heute das Murnauer Wappen ziert. Der Weiterweg führt überm Murnauer Moos dahin. Ein Abstecher lockt hinunter zum „Ähndl“. Das St.- Georgs-Kirchlein vor der Kulisse von Moos und Alpen ist ein tolles Fotomotiv. Doch das „Ähndl“ ist angesichts seiner langen Historie auch ein kulturelles Schatzkästchen, seine Glocke soll eine der ältesten in Europa sein. „Ähndl“ heißt auch das direkt benachbarte Gasthaus. Beliebt ist vor allem der herrliche Biergarten – sofern Petrus endlich Gnade walten lässt. Die „Bergtour“ führt nun wieder hinauf auf Murnaus Molasserücken. Die Kottmüllerallee bringt einen direkt zum Münterhaus. Wer zuvor aber noch höher hinauf will, kann der Variante über den Dünaberg folgen. Vor rund 80 Jahren stand dort die Fürst-Alm und der Schriftsteller Ödön von Horváth rühmte den „schönsten Punkt am nördlichen Rande der bayerischen Alpen, den man mit Kraftfahrzeugen erreichen kann“. Das damals beliebte Café ist in den 1960er-Jahren leider verschwunden, dafür steht auf der Anhöhe heute ein Holzfenster mit Informationen übers Murnauer Moos. Wer das Fenster öffnet, genießt einen konzentrierten Blick über das brettebene Moor auf die Alpenkette – im Zentrum Estergebirge, Wetterstein und Ammergebirge. Am Münterhaus trifft die Variante wieder den Hauptweg. Oberhalb der liebevoll hergerichteten Künstlervilla demonstrieren zwei Tafeln ihre kulturelle Bedeutung. Gabriele Münter und Wassily Kandinsky hatten von hier aus 1911 den Murnauer Ort gemalt. Während Kandinsky die Häuser und Kirche in die zunehmende Abstraktion eintauchte – der Beginn der modernen Malerei –, blieb Münter originalgetreu und doch verliebt in die einfachen Flächen und Farben. Am Ende des Kurparks oder in der Murnauer Fußgängerzone warten dann die Eiscafés auf Besucher – hoffentlich bald in wärmender Frühlingssonne...

Von Christian Rauch

DER MURNAUER KÖNIGSWEG

ANFAHRT – Auto: Autobahn A 95 München – GAP, Ausfahrt Sindelsdorf oder Murnau/Kochel. In Murnau zur Parkgarage P 1 beim Kultur- und Tagungszentrum. Bahn: Von München aus gute Zugverbindung Ri. Garmisch/ Innsbruck. Vom Bahnhof Murnau südlich der Beschilderung Richtung Ort, dann rechts Ri. Staffelsee folgen. Nach der Unterführung zum See hinab, links und beim Kiosk „Platzl“ in die Tour einsteigen.

TOUR – Gehzeit je nach Varianten 2 bis 2,5 Stunden. Straßen und Fußwege, einige steile Stücke mit Stufen, u.U. matschige Stellen. Verlauf: Aus der Tiefgarage hinauf in das Kultur- und Tagungszentrum und über den Haupteingang hinaus. An der Straße links und vor der Mauer links (Beschilderung zum Staffelsee). Kurz durch den Kurpark, dann weist das Staffelseeschild rechts und durch zwei Unterführungen. Geradeaus auf Fußweg hinab, bei den nächsten Schildern links (von nun an lenken uns kleine weiße Königsweg-Schilder). Hinab zum Kiosk „Platzl am See“ und auf der Straße links. Beim Schild „Seniorenwohnen BKK“ links hinauf. Auf Fußweg weiter, links und über steile Serpentinen zum Parkplatz am Seniorenheim. Rechts weiter, bergauf und zum James-Loeb-Pavillon. An der Straße den Königsweg verlassen und rechts, danach links zur Staatsstraße. An ihr rechts und beim Drachenstich-Schild (weist in die Gegenrichtung) links über die Straße und bergab. Nach der Bahnlinie links und am Bach immer abwärts. Steil zum Wasserfall hinunter, danach links.

Bei der nächsten Verzweigung rechts Abstecher zum Ähndl mit Gasthaus. Sonst links hinauf und über die Kottmüllerallee zum Münterhaus am Ortsrand – die Dünaberg-Variante zweigt vorher links auf einem Forstweg ab (s. unten). Oberhalb des Münterhauses links und auf Fußweg mit Tafeln zu Kandinsky/Münter weiter. Bergab, nach der Bahnlinie links in den Kurpark. Links hinauf und bis zur Straße (vorher rechts Abstecher zum Horváth- Denkmalhut und evtl. weiter ins Ortszentrum). An der Straße rechts zur Tiefgarage oder den Schildern folgend zum Bahnhof zurück. Variante Dünaberg: Auf dem Forstweg von der Kottmüller- Allee über die Wiese zur Bahnlinie hinauf. Jenseits auf der Straße links, dann rechts bergauf und rechts in die Christoph- Probst-Straße. Links Stufen zum Dünaberg mit Bänken und Tafeln. Wieder zurück zur Straße, diese links weiter und auf Fußweg zur Bahnlinie. Rechts über diese. Dann rechts zum Münterhaus oder links zurück zum Kurpark.

INFORMATION – Münterhaus, geöffnet täglich außer Montag 14-17 Uhr, Telefon: 0 88 41 / 62 88 80.

KARTE – Kompass-Karte 7, Murnau, Kochel.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Skitouren: Lawinenkurse und Training
Die Anmeldung läuft: Die Skitouren-Experten von Ortovox bieten kostenlose Lawinen-Kompaktkurse an. Und ein Online-Fitnesstraining.
Skitouren: Lawinenkurse und Training

Kommentare