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Wir erklären den neuen Skitrend

Nach Carving nun Rocker

Die bislang letzte Revolution im Skisport wurde in den 90er- Jahren ausgerufen. Damals haben die stärker taillierten Carvingski die ewiglangen „Zaunlatten“ abgelöst.

Sehr zum Vorteil der Skiindustrie, die einen Boom erlebte. Aber auch zur Freude der meisten Skifahrer, weil Carvingski drehfreudiger sind und mit dem Kurvenfahren auf der Kante („Carven“) einen neuen Skispaß brachten.

Nun sprechen manche Skiexperten wieder von Revolution – oder zumindest von einem bedeutenden Evolutionsschritt. Das neue Zauberwort heißt „Rocker“. Diese vom Wasserski und aus dem Snowboardbereich stammende Technologie ersetzt die Carvingski nicht, sie ergänzt sie. Denn auch Rockerski sind mehr oder weniger stark tailliert.

Der Unterschied zu traditionellen Carvern wird offensichtlich, wenn man die Ski flach hinlegt und von der Seite betrachtet. Herkömmliche Ski liegen sehr weit vorne und hinten auf, der Bereich dazwischen wölbt sich nach oben – eine Folge der sogenannten Vorspannung. Bei Rockerski ist der vordere Auflagepunkt etwas zur Skimitte hin verlagert. Der Ski ist also schon vor der eigentlichenSchaufelleicht nach oben gebogen („gerockt“). Manche Modelle – vor allem für den Tiefschnee – sind vorne und hinten aufgebogen. Man nennt sie „Full-Rocker“ im Gegensatz zu den nur vorne erhöhten „Semi- Rockern“.

Technikexperten wie Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV) führen eine ganze Reihe von Vorteilen der Rocker ins Feld:

  • Die Verlagerung des Kontaktpunkts sorgt im Pisteneinsatz für eine schnellere und einfachere Kurveneinleitung. Das verleiht Rockern das Gefühl einer Servolenkung und spart Kraft.
  • Bei langsamer Kurvenfahrt ist die Kontaktlänge der Kante kürzer als bei herkömmlichen Modellen. Das erhöht die Wendigkeit des Ski und unterstützt den Fahrer beim Aufkanten.
  • Bei schnellerer Kurvenfahrt wird der Ski in der Mitte durchgedrückt, sodass die gesamte Kantenlänge mit dem Schnee in Kontakt kommen kann. Dadurch bieten auch Rockerski sicheren Kantengriff beispielsweise auf eisiger Piste und ermöglichen das Carven auf der Kante.
  • Rockerski verringern die Gefahr des unfreiwilligen Verkantens, reduzieren so das Sturzrisiko durch Fahrfehler. 
  • Der aufgebogene Schaufelbereich verbessert im Tiefschnee den Auftrieb, der Ski ist im Gelände leichter zu fahren.

Wie Andreas König berichtet, lautet das häufigste Resümee von Testfahrern: „ein entspannteres, gutmütigeres und fehlerverzeihendes Fahrgefühl.“ Diese Eigenschaften kommen wohl rund 80 Prozent der Skifahrer entgegen. Besonders Anfänger, fortgeschrittene Genussfahrer und Freerider sind die Nutznießer. Außerdem die wachsende Zahl der Allmountain-Piloten, die den perfekten Kompromiss zwischen Fahrspaß im freien Gelände und Pistentauglichkeit suchen.

Bleibt die eher kleine Gruppe der sehr sportlichen Pistenflitzer. Sie bemängeln die wenigen Nachteile von Rockerski:

  • Die reduzierte Laufruhe; bei hoher Geschwindigkeit auf harter Piste neigen Rocker zum Flattern.
  • Der Schwungverlauf ist nicht ganz so stabil wie bei traditionellen Sportcarvern. Rennfahrer vermissen zudem am Ende der Kurve den von stark vorgespannten Ski gewohnten Rückstoßeffekt („Rebound“), der den dynamischen Schwungwechsel unterstützt.
  • In diesem Winter werden voraussichtlich schon ein Viertel der verkauften Ski Rocker sein. Andreas König möchte trotzdem noch nicht von einer Revolution sprechen: „Man muss die Entwicklung abwarten. Zumal es zig Möglichkeiten gibt, eine traditionelle Vorspannung mit einem Rockerprofil zu kombinieren.“

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