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Die Winter sind warm, der Wettbewerb hart. Da hilft nur, neue Zielgruppen anzusprechen. Der bayerische Skihersteller Völkl hat Senioren ins Visier genommen. Doch Senioren-Ski dürfen die neuen Bretter nicht heißen.

Völkl

Neue Bretter für ältere Skifahrer

Produkte für Senioren sind in der Kundenansprache heikel. Völkl versucht es nun mit kniegelenksschonenden Skiern, die nicht Senioren-Ski heißen dürfen.

Straubing – „Es läuft wie in den letzten Jahren, schleppend und zäh“, sagt Werner Haizmann. Der Präsident des Verbands deutscher Sportfachhandel spricht über Wintersportware. Der europaweit dritte warme Winter in Folge sorgt dafür, dass Skier oder Snowboards nicht gerade reißenden Absatz finden. Wenn diese Saison bundesweit wieder 300 000 Paar Skier verkauft werden, wären Händler und Hersteller froh. Es war einmal das Dreifache. Aber diese Zeiten sind vorbei. Die Bretter werden seltener gekauft und öfter geliehen, seit Carving gibt es keine neuen Megatrends mehr und das Altern der Gesellschaft macht sich auch auf Skihängen negativ bemerkbar.

„Wie halten wir sie länger auf Schnee?“, hat sich deshalb Christoph Bronder mit Blick auf ältere Skifahrer gefragt. Dann hatte der Chef des letzten deutschen Skiherstellers Völkl eine Idee. 60-Jährige haben oft Knieprobleme und Angst, sich zu verletzen, weiß Bronder. Er hat mit Orthopäden gesprochen und seinem Produktionsteam in Straubing. Am Ende stand ein neuer Ski, der eineinhalb Kilo und damit rund ein Fünftel leichter ist als ein normales Paar und auf Schnee mit weniger Kraftaufwand dreht. Skilänge und Gewicht sind ein wichtiger Faktor für das Verletzungsrisiko, sagt Orthopäde und Skilehrer Peter Brucker. Insofern seien die neuen Skier ideal für ältere Fahrer und solche mit Vorschädigung. Orthopädie-Schuhmachermeister Stephan Riedl sagt, die Bretter seien perfekt für sportliche Skifahrer mit Knie- oder Hüftproblemen oder auch sportliche Rentner.

Am liebsten hätte Bronder aggressiv wie der Autovermieter Sixt geworben und die neuen Skier für Alte „Silver Surfer“ genannt. Das haben ihm seine Marketingexperten aber schnell ausgeredet. Auch ein Mobiltelefon für Ältere dürfe man schließlich nicht Senioren-Handy nennen. Die Skier wurden schließlich „Efficiency“ getauft und auf den Werbeplakaten sieht man einen etwas betagten Skifahrer in einer Gondel mit seinem Enkel um die Wette strahlen.

Die Zielgruppe für das knieschonende Fahren ist eindeutig. Man wolle in der Kommunikation Senioren schon bewusst ansprechen, betont Bronder. Noch habe Völkl in Europa keine großen Efficiency-Stückzahlen auf den Markt geworfen. „Aber es ist ein Beginn“, sagt er und ist zuversichtlich. „Es ist mutig, einen Senioren-Ski zu propagieren“, findet Haizmann. Alt zu sein, wolle niemand hören.

Vor einiger Zeit hätten es die Skihersteller schon mal mit Frauen-Ski versucht, aber Skifahrerinnen bräuchten keine Blümchenmuster oder pinkfarbene Bretter und Skier für Senioren sei ein noch problematischeres Thema. „Die Leute wollen gute Ski für einen guten Preis“, stellt der Sportfachhandelspräsident klar. Bretter mit weniger Gewicht und mehr Drehfreudigkeit seien für eine breite Zielgruppe vorteilhaft, kontert Bronder. Jeder minimiere gern Verletzungsrisiken. Dahin gehe allgemein der Trend, bestätigt Orthopäde Brucker.

Um fast 60 Prozent seien Skiunfälle, die mit schweren Verletzungen im Krankenhaus geendet haben, in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten zurückgegangen. Heute müssten hierzulande nur noch rund 600 Skifahrer nach Stürzen stationär in eine Klinik.

Bronder will in Europa nicht mehr auf Schnee warten, der immer seltener kommt. Plus 17 Grad wurden gerade in 1000 Metern Höhe gemessen. Um 5,5 Grad ist dieser Dezember bislang wärmer als im langjährigen Schnitt, sagen Meteorologen. Eine grün-braune Weihnacht gilt als sicher. In den USA und Asien läuft das Geschäft für den globalen Anbieter Völkl zwar aktuell gut, weil es dort in den Skigebieten schneit. Aber in Europa ist es nur mittelprächtig, wie der Völkl-Chef sich ausdrückt. Wachsen könne man hier nur noch, wenn man Konkurrenten Marktanteile abjagt oder eine neue Zielgruppe dazukommt, respektive eine altersbedingt verlorene zurückerobert wird. Letzteres sei auf alle Fälle einen Versuch wert. „Es wäre schön, mal Rückenwind zu haben“, meint Bronder über den europäischen Markt. Den wollen sich die Straubinger nun mit den Brettern für Senioren selbst machen, auch wenn die Kundenansprache eine Herausforderung ist.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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