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Ministerin Ulrike Scharf.

Wintersport ohne Risiko

Aktuelle Lawinenwarnungen auf dem Handy

Das Warten hat ein Ende. Der erste Schnee ist endlich auch in tieferen Lagen da. Doch wenn er dann liegt, vergessen viele die Gefahr.

Statistisch besehen gibt es in Bayern drei bis vier Lawinentote im Jahr. „Wir bauen den Lawinenschutz weiter aus“, verspricht Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) im Interview.

Bei aller Freude ist Vorsicht geboten. Wie steht es um die Lawinengefahr?

Ich glaube, wir alle freuen uns über den ersten Schnee in diesem Winter. Aber derzeit ist die Gefahr tatsächlich schon vereinzelt erhöht, beispielsweise über der Waldgrenze. Das kann sich über Nacht weiter ändern. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Auch unter einer dünnen Schneedecke von nur wenigen Zentimetern können Erdrutsche und Steinschläge passieren. Generell gehen wir davon aus, dass wir im Zuge der Klimaveränderung vermehrt mit Niederschlägen im Winterhalbjahr rechnen müssen. Das erhöht die Gefahr von Erdrutschen. Dazu kommt, dass aufgrund der Klimaveränderung der Permafrost in den Alpen zurückgeht. Das heißt, der Eis-Kit fehlt, und die Gefahr von Steinschlägen steigt.

Der Lawinenschutz in Bayern wird ausgebaut?

Der Lawinenschutz ist wie eine Lebensversicherung, deshalb arbeiten wir ohnehin ständig daran. Allein im kommenden Jahr nehmen wir beispielsweise eine Million Euro in die Hand, um im Berchtesgadener Land weitere Lawinenzäune zu errichten. In den nächsten Jahren werden rund acht Kilometer neue Zäune hinzukommen. Insgesamt verfügt Bayern schon über Schutzzäune von gut 40 Kilometern. Sie sind unsere Prellböcke gegen Lawinen. Neben diesem technischen Schutz, zu dem auch die Lawinensprengungen in elf bayerischen Skigebieten gehören, forcieren wir aber auch das Informationsangebot. Denn: Je besser man informiert ist, desto weniger begibt man sich in Gefahr.

Und der Lawinenwarndienst ist im Einsatz?

Ja, die Mitarbeiter, und dazu gehören auch 400 Ehrenamtliche, standen schon an Weihnachte in den Startlöchern. Aufgrund der kräftigen Schneefälle haben sie am Samstag den ersten Lawinenlagebericht veröffentlicht. Seitdem gibt es jeden Tag eine aktuelle Einschätzung der Situation. Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt übrigens die Statistik. In den vergangenen 45 Jahren gab es in den überwachten Gebieten keinen einzigen Lawinentoten.

Welche Gebiete werden in Bayern überwacht?

Das überwachte Gebiet umfasst alle Skigebiete und die dortigen Pisten. Wer die gesicherten Pisten verlässt, ist auf eigenes Risiko unterwegs.

Nun wird das Tourengehen gerade im freien Gelände aber immer beliebter. Wie kann der staatliche Lawinenschutz hier schützen?

Tourengeher sind meistens sehr vorsichtig. Ich kenne keinen einzigen, der nicht mit seiner persönlichen Lawinenschutzausrüstung unterwegs wäre. Zum anderen haben wir die täglich aktuellen Lageberichte. Diese Berichte sind Pflichtlektüre für alle Wintersportler. Und dann gilt natürlich die Selbstverantwortung. Ab Lawinenwarnstufe drei sollte man unbedingt auf den Pisten bleiben.

Mehr Information verspricht auch eine neue Naturgefahren-App, die im ersten Halbjahr 2015 vorgestellt werden soll. Was hat es damit auf sich?

Mit dieser App wollen wir die Menschen noch gezielter vor Umwelt- und Naturgefahren in Bayern warnen und informieren. Dazu gehören Lawinen genauso wie Hochwasser, Sturm, Gewitter, Starkregen oder Georisiken. Die App vereinigt sehr große Datenmengen und Bereiche. Aktuelle Wetterdaten werden genauso eingepflegt wie etwa die Messungen von 770 Pegel-Stationen an unseren Flüssen. Der Clou dabei ist: Ich gebe meinen Wohn- oder Aufenthaltsort ein und werde dann bei Warnmeldungen für meine Region automatisch informiert, wie von einem digitalen Bodyguard.

Wie schaut’s aus, Frau Scharf? Lockt Sie der Schnee jetzt auch auf die Piste?

Ich bin eine leidenschaftliche Skifahrerin. Bei den vielen Terminen, die man als Ministerin hat, bleibt dafür aber leider nur wenig Zeit.

Interview: Beatrice Oßberger

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