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Lichtdurchflutet: der helle Innenraum der Frauenkirche in Osterwarngau weicht in seiner eher gedeckten Farbgebung vom üppigen Barock ab.

Osterwarngau: Frauenkirche und Taubenberg

scheint’s logisch, dass die Oster- Spritztour ausgerechnet nach Osterwarngau führt. Doch auch wenn sich das Wortspiel aufdrängt, der Ortsname hat nichts mit Ostern, vielmehr etwas mit Osten zu tun...

Osterwarngau wird erstmals 1017 urkundlich im urbarium antiquissimum des Klosters Tegernsee genannt. Man nimmt an, dass Osterwarngau etwa so alt wie Oberwarngau (damals Westerwarngau) ist, das bereits 804 urkundlich erwähnt wird. Westerwarngau ist zu dieser Zeit eine der größten Siedlungen in diesem Gebiet und gehört zum Kloster Tegernsee und seinen zahlreichen Besitztümern. Den Freisinger Bischöfen ist das reiche Kloster Tegernsee und folglich Westerwarngau ein Dorn im Auge, und so versuchen sie, mit Osterwarngau einen Gegenpol zu schaffen. Diesem Umstand ist zu verdanken, dass heute in Osterwarngau zwei Kirchen stehen.

Es wird vermutet, dass es an der Stelle der heutigen Frauenkirche bereits um 1100 eine hölzerne Wallfahrtskapelle gibt. Erst im 16. Jahrhundert erbaut man eine Kirche aus Tuffsteinquadern  im gotischen Stil. Im Sunderdorfschen Matrikel von 1524 wird noch eine Kapelle erwähnt, daher hat man mit dem Bau der Kirche wohl danach begonnen. 1639 schließlich müssen die Freisinger Bischöfe ihre beachtlich große und auch reiche Pfarrei Osterwarngau an das wirtschaftlich schwache Kloster Weyarn abgeben.

Vom ursprünglich gotischen Bau aus dem 16. Jahrhundert ist nur noch der Eingangsbereich erhalten, das Kirchenschiff wird im barocken Stil zum Tonnengewölbe mit Stichkappen umgestaltet. Im Schriftband am Chorbogen steht verklausuliert die Zahl 1782 in römischen Ziffern. Diese wurden in der Inschrift durch Großschreibung hervorgehoben: „SIC Me praesVL atqVe osterVVarnga- VIenses DeCorarVnt“.

Zugleich enthält die Inschrift frei übersetzt die Information, dass der Probst des Weyarner Klosters die Kirche zusammen mit den Osterwarngauern umgestaltet hat. Der Kirchturm war ursprünglich viereckig und hatte eine Spitze, die von einem Sturm heruntergerissen wurde. Im Jahr 1822 bekam der Turm im oberen Bereich seine achteckige Form und seine Abdeckung mit einem Helm.

Im Kirchenvorraum hängt ein sehr interessantes Gemälde. Der obere Teil stammt aus dem Jahr 1632. Bei der Restaurierung Anfang des 20. Jahrhunderts wird angestückelt, um den unteren Teil zur Verehrung der Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu verwenden. Die auf der Tafel abgebildete Szenerie zeigt die Madonna mit dem Jesuskind über einem beachtlichen, bewaldeten Hügel. Darunter weiden Pferde und Rinder, im Vordergrund fällt der Blick auf Osterwarngau und die Kirche mit noch spitzem Turm sowie oben rechts auf das ehemalige Warngauer Schlössl. Interessant ist auch die Farbgestaltung des Innenraums der Frauenkirche, da sie von der sonst recht süßlichen Farbpalette des Barock abweicht und herbe, gedeckte Töne wie Rostrot, Ocker, Graugrün aufgreift. Im Kontrast dazu stehen die wunderschönen, gestifteten Glasfenster, die bei Sonnenschein eine unglaubliche Leuchtkraft innehaben.

Es sind verschiedene Szenen aus dem Marienleben und Leben Christi dargestellt. Die Deckengemälde zeigen wichtige Szenen im Leben der Kirchenpatronin, nämlich die Himmelfahrt Mariens (großes Gemälde) sowie im Chor Mariä Aufopferung (Tempelgang). In den Zwickeln zwischen den Fenstern sind acht Szenen aus dem alten Testament abgebildet, deren Frauenfiguren symbolisch als Vorgängerinnen Mariens zu lesen sind. Der Hochaltar von 1618 von Drischperger und Delle wurde bei der Renovierung in den 1880er-Jahren nach München geschickt und farblich neu gefasst.

OSTERWARNGAU / TAUBENBERG

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Richtung Tegernsee, bis ein Wegweiser links nach Oberwarngau leitet. Im Ort dem Wegweiser nach Osterwarngau drei Kilometer weit folgen. Dort ab der Dorfstraße der Holzkirchner Straße nach bis vor die Kirche mit ihrem für Oberbayern ungewöhnlichen Helm. Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der BOB bis Warngau. Allerdings ist die Wegstrecke ab Bahnhof bis Osterwarngau ziemlich weit; kein Problem, wenn man sich auf den Besuch der Kirche beschränkt. Ab Oberwarngau auf der Taubenbergstraße an der Pfarrkirche vorbei und am Sträßchen halb links – östl. – zu Feldweg. Auf ihm nach Osterwarngau.

TOUR – Ab Kirche „Mariä Opferung“ zurück zur Dorfstraße, diese überqueren und geradeaus. Bei Querstraße kurz rechts, dann wieder links aufwärts zum quer verlaufenden Nüchternbrunnweg.

Ihm nach links folgen bis zu seinem Ende und (Wegtafel „Nüchternbrunn“) nach rechts aufwärts in den Wald. Dort erst ganz bequem, später etwas steiler aufwärts bis zu einer breiten Forststraße (gelbe Wegweiser, u.a. Richtung „Weiße Marter“ und Fendtberg). Diese überqueren und kurz abwärts nach Nüchternbrunn. Nun ganz kurz zurück und im spitzen Winkel nördl. wieder hinauf zur quer verlaufenden Forststraße. Ihr nach rechts (im Aufstiegssinn) folgen und etwas absteigend zur „Weißen Marter“ (791 m; Bildstock mit vier Heiligenporträts). Weiter auf der Forststraße bald ein längeres Stück abwärts, dann etwas aufsteigend vor eine Wiese mit Stromleitungsmasten.

Dem linken Weg nach, der über die Wiese zu einem Zaundurchlass führt (überraschender Blick auf Rotwandgruppe und Wendelstein). Hinauf nach Neustadel (794 m; Gehöft mit kleinem Kapellchen). Dort nach links (nördl.) und immer dem Hauptweg folgend hinunter bis zu den ersten Häusern von Oberdarching. Nach dem Kaltenbrunnweg nach links abzweigen und bequem aufwärts zu Wegkreuz mit Ruhebank. Dort den linken Weg nehmen, der nach Schmidham leitet. Jetzt (leider) längs der Fahrstraße zwei Kilometer zurück nach Oberwarngau.

GEHZEITEN – 3 bis 3,5 Std.; Ausrüstung: Geeignetes Schuhwerk (Turn-, ggf. leichte Trekkingschuhe).

KARTE – Kompass-Karte 181; Rosenheim, Bad Aibling.

VON ANGELIKA WITT UND HORST HÖFLER

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