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Schweißtreibend: Das Trainingsprogramm von „Urban Fitness“ beinhaltet pro Einheit etwa 15 Stationen. Von Liegestützen ...

Urban Fitness

Die Stadt als Trainingscamp

München - Bei „Urban Fitness“ lassen sich Bürohengste von Soldaten durch den Englischen Garten hetzen.

Wenn Soldaten Zivilisten trainieren, fließt der Schweiß. Im Laufschritt geht’s vom Chinesischen Turm zu einem Spielplatz - die Kinderschaukel dort wird zum Trainingsgerät. Dass das Holzgerüst noch feucht ist vom Regen, gilt nicht als Ausrede. Im Wechsel hängen sich die drei „Sport-Rekruten“ im Unterarmgriff an den Querbalken und machen Klimmzüge. „Military-Fitness-Instructor“ Benjamin Krebs (25) steht daneben und fordert: „Nochmal beißen, Bastian!“

Krebs ist Sportausbilder bei der Bundeswehr - und nebenbei Ausbilder für Zivilisten, die sich dem „Urban Fitness“-Training unterziehen. Unter dem Motto „Die Stadt ist Dein Bootcamp“ können sich Bürohengste und andere Großstadtpflanzen von aktiven und ehemaligen Soldaten dazu antreiben lassen, den eigenen Körper zu stählen.

... über Bauchmuskel-Training ...

An diesem Abend stehen 15 Stationen auf dem einstündigen Programm. „Keine Trainingseinheit ist wie die andere“, verspricht Trainer Krebs, der an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg studiert. Dann lässt er einen seiner Schützlinge einen Trainigspartner schultern und 200 Meter weit durch den Englischen Garten tragen.

Die beiden, die sich da gegenseitig schleppen, sind Bastian Pforte und Jean-Marc Nadal. Sie sind an diesem Abend zum ersten Mal aufeinandergetroffen, doch später werden sie sich wie alte Freunde verabschieden. Die Huckepack-Übung, sagt Pforte, „schweißt zusammen“. Der 27-Jährige absolviert heute ein kostenloses Probetraining, Nadal hat bereits sechs von sieben Kurs-Staffeln absolviert.

... bis zur Schubkarre für harte Jungs.

„Ich will einfach den Bürohengst galoppieren lassen“, sagt der 32-Jährige über seine Motivation. Dabei war er alles andere als fit - bis ihm seine Kumpels zum Geburtstag einen Gutschein für einen „Urban Fitness“-Kurs geschenkt haben. „Die haben sich totgelacht, als ich am nächsten Tag Muskelkater hatte“, erinnert sich Nadal an seine erste Trainingseinheit. Seitdem kommt der Angestellte regelmäßig in den Englischen Garten, fährt täglich mehrere Kilometer mit dem Rad zur Arbeit und hat einen „sportlichen Ehrgeiz“ entwickelt.

„Die Leute quälen sich freiwillig“, berichtet Trainer Krebs. Lautstarke Kommandos gibt er den überwiegend männlichen Teilnehmern nicht: „Man braucht nicht unbedingt zu schreien, um die Leistungsgrenze auszuloten.“

Gegründet wurde „Urban Fitness“ von Boris Beuke, der für die Bundeswehr in Afghanistan war, und seiner Frau Tanja. In speziellen Military-Fitness-Kursen scheucht der 28-jährige Sportwissenschaftler Beuke die Teilnehmer schon mal quer durch den Eisbach. „Gewässerquerung“ nennen sie die Übung in Anlehnung an den militärischen Begriff. Der einzige Unterschied, so Trainer Krebs: „Bei der Bundeswehr kann das Gepäck nicht abgegeben werden.“

Nora Reim

Weitere Informationen: unter www.urban-fitness.de.

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