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Frühjahrskur für Augen und Seele: Die Wanderung bei Öbersöchering bietet Natur satt und reizvolle Plätze für ein Picknick wie hier beim Badeweiher.

Picknick mit Moorblick

Ein perfekter Frühlingsspaziergang im Pfaffenwinkel

Erdgeschichtlich ist das noch nicht lange her: Vor rund 10 000 Jahren prägte die letzte Eiszeit den Voralpenraum und im Pfaffenwinkel hat sie sich besondere Mühe mit einer einzigartigen Landschaftsskulptur gegeben: Hügel, kleine Täler, Seen, Weiher, Tümpel, Toteislöcher, Moore und Wälder.

Der Mensch rodete, siedelte, alte Handelswege durchzogen das Gebiet, die Römerstraßen belebten den Handel und bäuerliche Siedlungen entstanden. So wie „Secheringen“, das heutige Obersöchering, überragt von der Kirche Mariä Himmelfahrt, die im Kern eine romanische Chorturmkirche ist. Um 1200 wurde das Langhaus gotisch umgestaltet und 1768 vergrößert und barockisiert. Der Ort liegt anmutig inmitten einer weiten Moor- und Wiesenlandschaft. Die Hochmoore mit den nährstoffarmen nassen Flächen freuen viele gefährdete Pflanzen wie Wollgras, Sumpfhaarstrang oder den fleischfressenden Sonnentau. Aber auch Tiere wie Kreuzottern und Libellen. Viele dieser Moore wurden einst entwässert, um Strah/Streu zu mähen und Torf zu stechen. Das Breitfilz weiter nordwestlich in Richtung Tradlenz ist eines von 155 ausgewählten bayerischen Mooren, die renaturiert werden – das Ganze bewegt sich aber in einer Dimension von etwa 30 Jahren. Denn im Jahr wächst die Vegetation rund einen Millimeter. Das lohnt sich, denn ein intaktes Moor bindet mehr Kohlendioxid als der Wald, und Moore als Wasserspeicher sind als natürlicher Hochwasserschutz von unschätzbarem Wert.

Hier wechseln sich Moore und Wiesen ab, an den besonnten Rändern der Birkenwälder zeigen sich Anemonen und erste Orchideen, die Einzigartigkeit der Landschaft ist nur gegeben, weil die Bauern eben aufwändig das Strah mähen, denn sonst würde schnell alles verkrauten und verbuschen und es nicht diesen fürs Auge so gefälligen Rhythmus in der Landschaft ergeben. Wichtige Zutaten zum perfekten Bild sind immer auch Bauwerke und ganz südlichheiter präsentiert sich die kleine Marienkapelle am Wolfbichl. Der Bichl ist wirklich nur eine minimale Erhöhung mitten in einem Hain, ein guter Platz um zu rasten. Das dachten sich wohl auch die Söcheringer Vereine, die das kleine Kapellchen im Jahr 2000 in Eigenleistung und vielen ehrenamtlichen Stunden erbauten. Weiter geht es durch diese ruhige Landschaft, bis der Pollinger Weiher aus dem Wald auftaucht: Moorig, die Bäume spiegeln sich, ein anmutiges Fischgewässer und schon wieder ein guter Platz für ein Picknick. Und auch der kleine Weiler Egenried hat seine Dorfkapelle. St. Anna ist ein neuromanischer Saalbau mit einem kleinen Fassadenturm mit Spitzhelm. Im Dorf stehen einige schöne alte denkmalgeschützte Bauernhäuser wie der „Tyroler“, bevor es südwärts geht, die Alpenkette im Blicke.

Auf dem Weg retour passiert man den Badeweiher von Söchering – genau, noch ein exzellenter Picknickplatz! Ja diese Gegend ist so unspektakulär wie lebenswert und wohl der Grund, weswegen der Traumschiffkäptn Siegfried Rauch hier so gerne lebt, genau wie Biathlet Matthias Bischl. Und dann wären da noch die Taffertshofer Buam, wo Emanuel beim Drittligisten Würzburger Kickers unter Vertrag steht und der Bruder Ulrich bei Unterhaching. Drum macht es eben auch Sinn diese Tour an einem Fußballplatz zu beginnen und dort auch enden zu lassen!

Von Nicola Förg

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