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Herrlicher Kontrast: Grimmig zeigt sich im Hintergrund der Aggenstein (1985 m), während im Vordergrund der „Puderzucker“ fliegt.

Ein Berg für alle Fälle

Von den Tannheimer Bergen kennt man vor allem die markanten Felsmassive Rote Flüh (2108 m), Gimpel (2176 m) oder Kellenspitze (2238 m) – ein Revier der Kletterer.

Doch sobald die ersten kräftigen Schneefälle dem Gebirge eine flauschige weiße Decke überstülpen, wird es ruhig in den Felswänden. Dann kommt die Zeit der Wintersportler.

Besonders facettenreich und mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern erweist sich ein westlicher Ausläufer der Tannheimer Berge, nämlich der Breitenberg. Die Nordseite ist fest in der Hand der Skifahrer und Snowboarder. Schon am Fuße des Breitenbergs erwarten einen die familienfreundlichen Pisten des Skizentrums Pfronten-Steinach. Schwebt man mit der Kabinenbahn und dem Lift hinauf zur Hochalpe, so kann man auf 1677 Meter in alpiner Szenerie auf überwiegend mittelschweren Pisten wedeln und carven, was das Zeug hält.

Vorsicht bei der Abfahrtssause

Auch Winterwanderer mit oder ohne Schlitten schaukeln gerne per Lift eine Etage höher. Die Ehrgeizigen unter ihnen steigen ab der Bergstation noch eine halbe Stunde auf einem präparierten Wanderweg empor, um dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zuerst geht’s zum Gipfelkreuz und auf gleicher Höhe zur gastlichen Ostlerhütte. Kaum zu übertreffen ist hier die prächtige Aussicht auf die Allgäuer Berge bis in die Schweiz hinein. Und die Sonnenterrasse gilt als Freiluft-Kino allererster Güte. Die Rodler unter den Gipfelstürmern könnten jetzt ab der Ostlerhütte südwärts über die gewalzte Ostler- Forststraße 6,5 km ins Engetal hinabschlitteln und von dort mit dem Bus zurück zur Talstation Breitenbergbahn gelangen.

Während der Abwärtssause ist etwas Vorsicht angebracht, denn möglicherweise kreuzen aufsteigende Skitourengeher den Weg. Ausgangspunkt für diese leichte Genuss-Skitour ist das romantische Engetal auf der Südseite des Breitenbergs. Zum Aufwärmen geht’s zunächst auf der bereits erwähnten Ostler-Forststraße im Bergwald aufwärts. Als Begleitmusik plätschert tief drunten ein eisiger Bach. Später im offenen Gelände bei einer Jägerhütte bietet sich dann ein grandioses Panorama. Überzuckert, aber grimmig zeigt sich der Aggenstein (1985 m). Gegenüber zieht der winterliche Einstein (1866 m) die Blicke auf sich. Und dahinter reihen sich unzählige blütenweiße Bergketten. Man folgt dem Verlauf der breiten Lichtung bergauf und überquert die Forststraße. Dann spurt man schräg unterhalb eines Waldgürtels zu einer weiteren, etwas schmäleren Schneise hin. Neben verschneiten Bäumen wie aus der Zuckerbäckerei steigt man die letzten Höhenmeter hinauf zur Ostlerhütte, die wie ein Schwalbennest auf dem Breitenberg thront.

Auf der Nordseite der exponierten Hütte quert man hinüber zum Gipfelkreuz und trifft hier auch Wintersportkollegen, die aus dem Skigebiet heraufgekommen sind. Nach genossener Aussicht und Brotzeit wird’s Zeit für die Abfahrt. Je nach Können und Schneesituation hält man sich jetzt entweder ganz an die gewalzte Forststraße oder man staubt über die einladenden Schneisen im Pulverschnee hinab bis zur Jagdhütte. Das letzte Drittel geht’s dann gemütlich auf der breiten Forststraße mit großzügigen Schwüngen bis zum Parkplatz zurück.

von Doris Neumayr

BREITENBERG (1838 M)

ANFAHRT – Bahn: Bhf. Pfronten-Steinach (Ab München mit einmaligem Umsteigen in Buchloe rd. 2.20 Std.), Ortsbus Linie 711/712 bis Station „Grenze/eh. Zollhaus“. Auto: A 96 München – Lindau bis Ausfahrt Jengen/Kaufbeuren. Weiterfahrt auf B 12 bis Marktoberdorf. Dort auf St 2008 über Eisenberg nach Pfronten. In Pfronten weiter Richtung Tannheimertal. 200 m nach der Grenze/ehem. Zollhaus rechts auf den geräumten Parkplatz.

TOURDATEN / CHARAKTER – Ausgangshöhe: 1035 m. Höhenmeter: 800 m, Streckenlänge: 4,2 km, Aufstiegszeit: ca. 2,5 Stunden, Hangrichtung: Süd; Leichte Skitour (oder Schneeschuhtour), Forststraße und mäßig geneigte Hänge, im Allgemeinen geringe Lawinengefahr, Orientierung einfach, lawinenkundliches Beurteilungsvermögen und komplette Lawinensicherheitsausrüstung nötig.

Auss.: Kompass 4, Füssen-Ausserfern. Lizenz: 17-0906-LVB.

Aufstieg: Vom Parkplatz aus die Straße überqueren und auf einer Forststraße (Schild: Breitenberg, Ostlerhütte) mäßig steil im Wald bergan. An Forststraßenverzweigung (1195 m) nach rechts und der unbeschilderten Forststraße geradeaus folgen. Auf dieser fast eben ostwärts im Wald dahin. Dann über mehrere steilere Kehren empor. Man mündet in eine Schneise und erreicht eine freistehende Jagdhütte (ca. 1460 m). Jetzt geradeaus über die Schneise bergan. Über den folgenden Hang leicht rechtshaltend aufwärts. Man überquert die gewalzte Forststraße und spurt dann schräg links über kupiertes Gelände Richtung Waldrand empor. Man gelangt zu einer licht bewachsenen schmalen Schneise. Über diese zieht man leicht rechts haltend höher und erreicht die Ostlerhütte und den Gipfel.

Abfahrt: wie Aufstieg (oder ab Ostlerhütte über die gewalzte Forststraße).

EINKEHR – Berggasthaus Ostlerhütte (1838 m), 60 Schlafplätze, Tel.: 0 83 63 / 424. Kein Ruhetag, Betriebsferien wie Breitenbergbahn. Lawinenlagebericht: www. lawinenwarndienst-bayern.de; Tel.: 089 / 92 14 12 10.

SKIGEBIET BREITENBERG – Winter-Liftbetrieb bis Ostern (je nach Schneelage); Tel.: 0 83 63 / 58 20; www.breitenbergbahn.de. Und Tel.: 0 83 63 / 88 49; www.skizentrum-pfronten.de; Leihschlitten (7 Euro) an der Talstation der Breitenbergbahn. Nach der Rodelabfahrt über den Ostler-Forstweg zurück mit Bus Linie 711/712 (Stundentakt, Busfahrt mit Leihschlitten kostenlos).

INFO – Pfronten Tourismus, Vilstalstr. 2, 87459 Pfronten. Tel.: 0 83 63 / 69 888; www.pfronten.de

KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen-Ausserfern.

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