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Südafrikanische Erdmännchen schauen putzig drein mit ihren dunklen Knopfaugen. Doch die tagaktiven Schleichkatzen haben scharfe Zähnchen...

Südafrikas einzigartige Tierwelt präsentiert sich im Augsburger Zoo

Possierliche Beißer

„Die Frauen entscheiden, was gemacht wird!“ Nicht, dass uns das verwundert hätte. Bei Erdmännchens sind es nämlich die „Erdfrauchens“, die dominant sind, wie Wilhelm Möller vom Zoo in Augsburg grinsend erklärt.

Nur das Alphaweibchen paart sich mit dem Alphamännchen. Die anderen weiblichen Tiere sind als Tanten für die Nachkommen zuständig. Und die restlichen Jungmänner? Die haben rein gar nichts zu melden. Im Zoo Augsburg lebt eine Gruppe von elf südafrikanischen Erdmännchen – und die haben Starqualitäten. Und scharfe Zähne. Als die Anlage neu war und die Wände rau, kletterten die tagaktiven Schleichkatzen flugs die Wände hoch. Auch wenn diese Knopfaugen so treu schauen: Jene Besucher, die meinten, die possierlichen Tiere streicheln zu müssen, hatten schnell deren spitze Zähnchen in den Fingern.

Mäuse statt Skorpione

Nach der vierten Person, die an der Kasse ein Pflaster verlangte, kam von der netten Dame am Eingang nur noch ein resigniertes: „Erdmännchen- Unfall?“ Was zweierlei lehrt: Erstens geht es im Zoo Augsburg familiär und gemütlich zu. Zweitens sind eben auch Zootiere immer noch Wildtiere, selbst wenn sie so putzig dreinschauen.

Als Kurator Möller leckere Heuschrecken einwirft, geht’s rund. Und die Rangordnung ist klar: Erst fressen die Chefs. Dann kommt ein Ei. Blöd, so da ein rundes Ding mit glatter Schale. Erdmännchens arbeiten hart. Während dann die Weltfußballer ihre Hacken in den Rasen rammen, stoßen Erdmännchens ihre Krallen

in den Sand und verbuddeln das Ei. „In freier Natur lernen die Tiere von den Elterntieren, dass man mit einem Stein solche Schalen knackt, hier fehlt ihnen diese Fertigkeit“, berichtet Möller. Erlernen müssen sie das in Augsburg nicht. Der Tisch ist reich gedeckt: „Die kriegen zwar keine Skorpione, die sie in Afrika gerne essen“, lacht Möller, „aber Eintagsküken, Hackfleisch, Mäuse, Obst und Grünzeug.“ Der Zoo holt ein Stück Afrika vor die Haustüre. Neben den Knopfaugen lebt die Rappenantilope in Bayerisch-Schwaben, sowie vier Nashörner – ein altes Pärchen und zwei junge Damen streifen durch ihr neues Gehege. Demnächst soll noch ein südliches Breitmaulnashorn als Kumpel da

zukommen. Die Löwen Arthos, Erica und Tanya können es sich ebenfalls gut gehen lassen und dann ist da noch ein eigentümlicher Kamerad: der Kaffernhornrabe. Den Laufvogel findet Möller besonders interessant. Unbeeindruckt von den großen Antilopen wandert das Hornrabenpaar zu Fuß durch die weiträumige Anlage. In Afrika legen sie täglich bis zu 10 Kilometer mit maximal Tempo 30 auf der Suche nach Nahrung zurück.

Grinsende Schimpansen

Der Afrikaspezialist Möller hat zwar im Zoo kein Lieblingstier, aber seine große Begeisterung gilt dem Schuhschnabel. Der einzigartige Vogel, den die Ornithologen erst den Schreitvögeln zugeordnet haben, zählt heute zu den Ruderfüßern – ein Tier also zwischen Storch und Pelikan. Möller hat seine Diplomarbeit über ihn geschrieben. Und er war auch sonst häufig in Afrika. Einmal, um mit einem Fernsehteam Schimpansen zu filmen. „Natürlich denken die Tiere nicht analytisch wie wir, sondern mit mehr Instinkt.“ Und sie lachen. „Wenn ich Schimpanse Coco was Leckeres mitbringe, grinst er übers ganze Gesicht. Für einige Menschen sieht das vielleicht aus wie eine Drohung, aber das ist pure Freude.“

Nahe dran wird man im Laufe des Sommers in Augsburg dann an den Kattas sein. Die Anlage der Lemuren ist nahezu fertig, allein der frostige Winter hat den Bau etwas verzögert. Da wird dann der Besucher mitten unter den madagassischen Affen sein. Hunde sind nicht erlaubt. „Und keine offenen Brotbeutel, damit die nicht zu Bettlern werden“, erläutert Möller. Wer da dann wen beobachtet und wer sich über wen amüsiert, dürfte ziemlich ausgeglichen sein...

Zoo Augburg

ANFAHRT – Auto: A 8 München–Stuttgart, Ausfahrt Augsburg-Ost (ausgeschildert). Bahn: Sehr gute Anbindung vom Hbf. Augsburg mit dem Bus Nr. 32 alle 15 Minuten bis zur Endhaltestelle „Zoo/Botanischer Garten“.

ADRESSE – Zoo Augsburg, Brehmplatz 1, 86161 Augsburg; Tel.: 0821 / 56 71 490; Internet: www.zoo-augsburg. de; Öffnungszeiten: 9 bis 18.30 Uhr.

ZAHLEN – 50 Säugetierarten, über 200 Vogelarten, 1500 verschiedene Tiere insgesamt, 22 Hektar groß. 20 verschiedene internationale Zuchtprogramme für besonders bedrohte Tierarten und Projekte, die die Bestände dieser Tiere in der freien Natur schützen und bewahren sollen

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