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Roman Rohrmoser ist einer der besten Freerider der Welt.

Hinein ins Backcountry

Roman Rohrmoser im Interview

Als gebürtige Zillertaler ist Roman Rohrmoser quasi auf Skiern aufgewachsen. Sein Vater stellte Klein-Roman auf die Bretter, als der gerade zwei Jahre alt war.

Bis zum Alter von 15 Jahren durchlief der Tiroler die klassische österreichische Race-Kaderschmiede. Dann zog es ihn weg von den Slalomstangen hinein ins Backcountry. Heute ist der 30-jährige Familienvater einer der besten Freerider der Welt – und bei vielen großen Skifilm-Produktionen ein gefragter Protagonist. Wir trafen Roman in den ersten Herbsttagen.

Roman, hast Du den Sommer wie immer mit Skifahren in Übersee verbracht?

Nein, das erste Mal seit sechs Jahren war ich zu Hause und nicht in Südamerika. Als frischgebackener Daddy wollte ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen, das habe ich getan. Und ich war natürlich oft beim Biken, Klettern und im Gebirge zur Jagd unterwegs. Vor dem Start in den Winter muss ich aber unbedingt noch mal zum Surfen ans Meer, das geht mir schon sehr ab.

Du hattest Dir 2014 die Kniescheibe gebrochen. Ist wieder alles in Ordnung?

Ja, der erste Drehtag zu „Endless Winter“ im darauffolgenden August war mein erster Skitag nach fünf Monaten Pause. Meine Warm-up-Line war damals alles andere als easy. Aber nach den ersten paar Turns war das Vertrauen in Körper und Material wieder da – Gott sei Dank!

Schränkt Dich die Verletzung noch irgendwie ein?

Eigentlich nicht, nur wenn ich mehrere Stunden die gleiche Belastung habe, beispielsweise beim Tourengehen oder beim Biken, merke ich ein bisschen was. Generell gehe ich noch vor- sichtiger mit den Gefahren im Gelände um – und ich mache mir vor Sharks (aus dem Schnee ragende Felsspitzen, Anm. d. Redaktion) in die Hose (lacht).

Fährst Du mit einer Knieorthese zur Sicherheit?

Nein, ich fahr mit einer Zahnprothese (lacht). Zwei Schneidezähne mussten nämlich bei einem anderen Crash auch dran glauben. Mann, das waren krasse Schmerzen. Und seit letztem Jahr fahre ich mit meinen Bike-Knieschonern Ski. Das hat den Vorteil, immer warme Knie zu haben – und es schützt vor Steinen.

Wie hat sich die Verletzung mental ausgewirkt?

Jeder Unfall und jede Verletzung hinterlässt Spuren. Der Absturz am Glockner, die Lawine in Mayrhofen, die Kniescheibe im Iran, meine Zähne im Stubai... Das zieht einen schon extrem runter, und man fängt wieder ganz weit unten an. Aber man lernt auch viel dazu. Ich erwische mich mittlerweile sehr oft dabei, auf mein Bauchgefühl zu hören und da Nein zu sagen, wo es die Sache einfach nicht Wert ist, ein Risiko einzugehen.

Was hast Du gemacht, um wieder 100-prozentig fit zu werden?

100 Prozent fit? Dann dürfte ich gar keinen Sport mehr machen (lacht). Allerdings würde ich dann bald sehr unfit sein. Kraft trainiere ich nach einem Trainingsplan im Fitnessstudio. Allerdings bin ich lieber in der Natur unterwegs, fahre Rennrad und Mountainbike, gehe Klettern, Surfen, Bergsteigen. Alles Sportarten, bei denen ich natürlich regelmäßig aufs Maul falle und kleine oder größere Verletzungen mitnehme.

Welche Projekte stehen diese Saison an?

Es ist einiges geplant, aber schwierig umzusetzen, da in der Industrie gerade jeder auf einen super Winter hofft, um neue Budgets freigeben zu können. Ein Projekt mache ich gemeinsam mit Fabi Lentsch. Er lässt ein altes Feuerwehrauto zu einer mobilen Skiers Lodge umbauen. Mit dieser rollenden Hütte werden wir Destinationen östlich von Österreich anfahren. Mehr verrate ich nicht, lasst Euch überraschen! Dann habe ich mit Nimbus wieder etwas geplant und eventuell was mit Warren Miller. Mal schauen, wie der Winter wird.

Bist Du diese Saison schon in einem Film zu sehen?

Aktuell läuft „After The Sky Falls“ von nimbusindependent, da war ich ein paar Tage eher per Zufall mit zum Filmen und hab‘ den ein oder anderen Shot bekommen. Ansonsten müssten selbige Aufnahmen auch im neuen Warren-Miller-Streifen zu sehen sein. Und da ist natürlich unser „Characters On Skis“ von Midiafilm, der bei der AlpCon-Tour läuft.

Du bist inzwischen Papa geworden, wie fühlt sich das an?

Mega, die Kleine ist der Hammer. Es gibt nichts Schöneres, als in der Früh neben ihr munter zu werden, und sie lacht über das ganze Gesicht. Sie ist eine kleine Prinzessin, heißt Malou. Das ist die Abkürzung von Maria-Louise. Der Name kommt aus dem Hawaiianischen und bedeutet Friede. Ich habe mit meiner Freundin am Strand von Costa Rica mal ein süßes Mädchen kennen gelernt, die Malou hieß – daher kam die Idee.

Ein Kind zu haben hat das etwas an Deiner Ein- stellung zum Sport beim Freeriden geändert?

Diese Frage habe ich seit Malous Geburt schon mehrmals gestellt bekommen. Meine Antwort: Jein! Ich habe auch vorher das Risiko schon sehr kalkuliert. Aber 100-prozentige Sicherheit gibt‘s nicht bei dem, was wir tun. Ein Restrisiko bleibt. Dessen bin ich mir immer bewusst. Wahrscheinlich werde ich die eine oder andere Entscheidung jetzt doch anders treffen, aber Angst zu haben, ist am Berg auch nicht förderlich.

Die Welt ist nicht immer so schön, wie wir sie gerne hätten. Was macht Dir aktuell Sorgen?

Politiker generell und deren Lügen. Konzerne wie Monsanto, die Genmanipulationen und richtig kranken Mist mit unserer Nahrung und uns Menschen machen. Die Verschmutzung der Meere.

Nenne uns drei geniale Momente!

Wenn mich meine Kleine in der Früh angrinst. Mit Freunden auf einem Berg zu stehen – und 50 Zentimeter frischen Powder unterm Ski. Mit dem Boardshort auf den Malediven surfen.

Danke fürs Interview und Ski-heil!

Interview: Andreas Prielmaier

 

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