Razzia gegen Islamisten in Berlin

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Klar im Trend beim Wintersport liegen schon seit einigen Jahren Skitouren und das Freeriden im Tiefschnee. Doch Vorsicht, gerade in diesem Winter lauert nach dem schneearmen Beginn mit unter Neuschnee eingelagerten Schwachschichten ein kontinuierlich erhöhtes Lawinenrisiko.

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Der Winter – kein Selbstläufer

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Ein kleiner Bub, ein kleines Mädchen, Hand in Hand. Darunter zu lesen der Slogan: „Meine erste Liebe“. Die beiden Kinder fahren Schlepplift – es geht um Wintersport: Mit diesem Bild...

...startete auf der Sportartikelmesse ISPO in München eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion.

„Der Winter“, verriet der frühere Skirennrennläufer Markus Wasmeier aus Schliersee, „hält mich jung.“ Mit 51 ist der zweimalige Olympiasieger immer noch – oder wieder – flott unterwegs. „Was kaum jemand weiß: Ich habe zwei neue, künstliche Hüften. Jetzt tut nix mehr weh, es gibt keine Hemmschwelle, ich kann wieder Vollgas geben.“ Doch nicht bloß der medizinische Eingriff beflügelt Wasmeier, sondern der Winter an sich: „Es ist für mich die Zeit, in der Ruhe einkehrt. Wenn Tiefschnee die Landschaft in eine Art Zauberwelt verwandelt, das ist phantastisch!“ Diese Atmosphäre zu erleben und aufzusaugen, am liebsten mit den Kindern, sei „einfach einzigartig“.

Kinder und Jugendliche für den Wintersport begeistern

Man spürt es mit jedem Wort: Markus Wasmeier lebt volle Leidenschaft für den Wintersport. Wie jeder der Teilnehmer an dem von BR-Redakteur Axel Müller moderierten Symposium, initiiert von der Initiative „Dein Winter. Dein Sport“. Trotz aller Begeisterung auf dem ISPO-Podium sowie in Deutschland an sich mit 7,4 Millionen aktiven Alpinskifahrern, 2,36 Millionen Langläufern und 1,98 Millionen Snowboardern: Ein reiner Selbstläufer ist der Wintersport nicht (mehr).

„Ich habe zwei neue, künstliche Hüften. Jetzt tut nix mehr weh, ich kann wieder Vollgas geben.“ MARKUS WASMEIER

Miriam Vogt, die Vizepräsidentin des Deutschen Skiverbands, spannte den Bogen von der aktuell in Vail und Beaver Creek stattfindenden Ski-WM hin zur Jugendförderung in Deutschland. „Beim DSV haben wir lange geglaubt, Talente seien wie ein stets nachwachsender Rohstoff.“ Doch auf einen Automatismus zu setzen genüge heutzutage eben nicht mehr: „Um Kinder und Familien müssen wir uns fürsorglich kümmern. Jeder, der die Leidenschaft weiterträgt, ist ein Gewinn für den Wintersport.“ Denn alle, die aktuell bei der WM eine Medaille gewinnen, hätten einmal mit der eingangs beschriebenen „ersten Liebe“ begonnen.

Skifahren eine Leidenschaft

Anders als bei den Skifahrern, die ihren Leistungssport-Nachwuchs primär über die Vereine rekrutieren, geht der Bundesverband „Snowboard Germany“ auch unkonventionelle Wege. Präsident Hanns-Michael Hölz glaubt: „Man muss die Talente am Hang abholen. Gerade die ISPO zeigt, wie viele Snowboarder es gibt, die nicht organisiert sind und trotzdem herausragende sportliche Leistungen bringen.“ Beim Aufspüren dieser Bewegungstalente gebe es in Deutschland Nachholbedarf. Hölz plädiert dafür, den Wintersport zur Ganzjahresaktivität zu machen, beispielsweise mit Schnitzelgruben wie beim TSV Unterhaching, wo Snowboarder auch im Sommer an ihren Kunststücken feilen können.

Doch es dreht sich ja nicht alles bloß um Leistungssport. Nur eine große Breite bringe auch eine gute Spitze hervor: Diese These vertritt Verena Bentele. Die ehemalige Paralympics-Biathletin sowie Behindertenbeauftragte der Bundesregierung sieht im Wintersport „eine ganz praktische Seite: Es wird einem warm“. Damit löst sie herzhaftes Lachen im vollbesetzten ICM-Saal der Messe München aus, doch Bentele verfolgt einen Hintergedanken: „Wintersport bietet es so vielseitige Möglichkeiten: Man kann Geschwindigkeit erleben, wenn man den Berg runterfährt. Man kann sich anstrengen, wenn man beim Langlaufen den Berg hochläuft. Deswegen finde ich es so wichtig, dass Kinder die Chance bekommen, es zumindest einmal auszuprobieren. Nur so können sie herauszufinden, ob es ihnen Freude bereitet.“ Nun schmunzelt niemand mehr.

„Viele Tourengeher sollten mehr in Ausbildung statt in Ausrüstung investieren.“ WOLFGANG POHL

Was Kummer bereitet: Den terminlich kalkulieren Winter gibt es schon lange nicht mehr, manche der „Saison-Openings“ finden Anfang Dezember (sofern nicht in Gletscherregionen) auf der grünen Wiese statt. Professor Ralf-Dieter Roth, Leiter des Instituts für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule Köln, hat das „Klima als Schlüsselressource für das Gut Schnee“ über Jahrzehnte hinweg anhand von Statistiken analysiert. „Die Verlagerung ist nicht wegzudiskutieren, der Winter kommt etwas später“, verweist er darauf, dass die höchsten gemessenen Schneehöhen sich eben nicht – wie vor langer Zeit – Ende Dezember einstellen, sondern inzwischen oft Anfang März.

Skitouren im Trend

Diese Verschiebung führt zu Problemen, gerade auch beim Trendthema schlechthin im Wintersport: dem seit etwa 15 Jahren immer mehr boomenden Skitouren-Sektor. Wolfgang Pohl, Präsident des Deutschen Skilehrerverbandes und zugleich staatlich geprüfter Bergführer, blickt mit Schrecken auf die Unfallzahlen dieses Winters, als es allein am vorvergangenen Wochenende zwölf Lawinentote in den Alpen gab. Die Situation heuer: Nach extrem wenig Schnee im Dezember und jetzt unter viel Neuschnee eingelagerten Schwachschichten lauere mancherorts die Lawinengefahr bis ins Frühjahr hinein. Eine tickende Zeitbombe, die aber leider oft ignoriert werde. „Ja, die Leute gehen eindeutig ein zu hohes Risiko – Lawinenwarnstufe drei wird heute von vielen nicht mehr als kritisch empfunden“, bemängelt Pohl. Sein Rat: „Die Tourengeher sollten mehr in Ausbildung statt in Ausrüstung investieren.“

Eine Warnung, die keinen Verzicht bedeuten soll, sondern mit der Pohl sensibilisieren will für Gefahren abseits der Piste. Gerade Skitouren seien als Gesundheits- und Fitnesssport ideal, hinzu komme durch Gruppenerlebnis und Tourengeherabende eine hohe soziale Komponente. „Schneesport ist ein hervorragender Lifetime-Sport, den man sein ganzes Leben lang ausüben kann.“

Das bestätigen zum Abschluss der Podiumsdiskussion drei ehemalige Spitzenathleten: Uschi Disl (Biathlon), Anni Friesinger-Postma (Eisschnelllauf) und Peter Schlickenrieder (Langlauf). Für Schlickenrieder, dessen persönlicher Winter „meist von Ende September bis Anfang Juni dauert“, ist Wintersport „ein Lebensgefühl“. Geschwindigkeit, Geschicklichkeit, dazu die „Faszination des weißen Goldes“: Der Schlierseer empfindet Leidenschaft pur.

Ähnlich geht es Uschi Disl. „Man muss den Kindern vorleben, wie wunderschön es da draußen in der Natur ist“, schwärmt die einstige Mooshamerin von ihrem neuen Leben in Schweden, wo sie inzwischen eine neue Sportart entdeckt hat: „Fast jeden Tag ziehe ich die Schlittschuhe an und drehe eine 30-Kilometer-Runde auf de See.“ Das Rasen auf Kufen war einst die Domäne von Anni Friesinger-Postma – die dreimalige Olympiasiegerin stellte ebenfalls die soziale Komponente in den Mittelpunkt: „Sport war die erste große Liebe meines Lebens.“ Das ziehe sich durch die ganze Familiengeschichte. Die vielen Reisen, das Kennenlernen anderer Kulturen: „Meine Mama ist für Polen Eis gelaufen, mein Papa für Deutschland. Da hat es das erste Mal neben der Eisbahn gefunkt. Und auch ich habe meinen niederländischen Mann beim Sport kennengelernt. Sport verbindet.“

Die große Liebe eben – und die wollen alle Paten der Initiative weitertragen, um mit positiven Emotionen die Zukunft des sich wandelnden Wintersports gemeinsam zu gestalten: So lautete die Kernbotschaft beim Symposium.

Von Martin Becker

Drei Verbände ziehen mit der Initiative „Dein Winter. Dein Sport.“ an einem Strang

Zusammen haben im vergangenen Herbst der Deutsche Skiverband, der Deutsche Skilehrerverband und der Snowboard Verband Deutschland (der sich jetzt „Snowboard Germany“ nennt) die Initiative „Dein Winter. Dein Sport.“ ins Leben gerufen.

Ziel ist es, Know-how und Kräfte zu bündeln, positive Botschaften zu senden sowie mehr Menschen für den Wintersport zu begeistern. Unter der gemeinsamen Dachmarke entsteht ein Netzwerk mit aktuell mehr als 40 Unterstützern aus der Wintersport-Branche, um dem Wintersport eine gesellschaftliche Lobby zu geben.

Zudem werden zehn Prozent aller in die Initiative eingebrachter Finanzmittel werden an einen gleichnamigen Verein weitergeleitet. Dieser Verein bietet sozial, körperlich oder geistig benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, Wintersport zu erleben. Schon im laufenden Winter können rund 100 Kinder und Jugendliche mittels dieser Unterstützung ein Wochenende im Schnee verbringen.

Weitere Infos www.deinwinterdeinsport.de

mbe

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