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Ein Traum für Skitourengeher: Der Südwesthang der Brecherspitz folgt einer Ideallinie.

Kurz, aber traumhaft

Pulver im Paradies: Skitour überm Spitzingsee

Zwar ist das „nur“ eine kurze Tour, aber märchenhaft bei den derzeit guten Verhältnissen, gibt es doch in der ganzen Gegend kaum einen schöneren Gipfelhang für Skiwanderer.

Powder über Powder – bei jedem Schwung staubt es bis ins Gesicht, man schwingt und springt in einer watteweichen Wolke! Ja, lange hat sich der Winter geziert. Doch umso größer ist die Freude, da jetzt, Mitte Januar, die Bayerischen Berge wunderbar weiß verpackt sind – und man nun Touren wie zum Beispiel die Brecherspitz rundum genießen kann. 

Der Hang ist ein Geschenk der Natur, aber auch eines der ehemaligen Liftbetreiber, die an der Brecherspitz bereits 1997 den Pistenbetrieb eingestellt haben. Bis 2010 wurden dann auch die Reste des alten Schleppliftes abgetragen. Nun gehört der Traumhang über der Oberen Firstalm allein den Skiwanderern.

Mess-Station statt Gipfelkreuz

Schon bei der Anfahrt entlang des Schliersee fällt der pyramidenförmige Gipfel der Brecherspitz ins Auge. Das muss schon im Mittelalter so gewesen sein, denn der Berg wurde bereits in den Jahren 1078-1080 in einer Grenzbeschreibung des Hochstifts Freising als „Mons Spizzinch“, also als der „Spitzing-Berg“ erwähnt. Dass der Skitourengeher im Winter den markanten Hauptgipfel in der Regel gar nicht erreicht, tut der Schönheit der Tour keinen Abbruch. Die Skiwanderer machen in der Regel am Westgipfel Schluss. Mit Ski kann man bis zum Gipfel gehen. Statt einem Kreuz wartet hier die auffällige Windmessstation des Bayerischen Lawinenwarndienstes und nicht zu vergessen ein herrliches Panorama. Der Hauptgipfel wäre nur über einen ausgesetzten Grat zu erreichen, der im Winter eine echte alpine Herausforderung ist und daher kaum begangen wird. Die Tour hat andere Qualitäten: Der Gipfelhang ist riesig, bietet bei Neuschnee viel Platz für eine eigene Traumspur im Pulverschnee und ist über 200 Höhenmeter lang. Er hat eine ideale Neigung zum Skifahren und ist auch noch gleichmäßig steil. Bei Top-Verhältnissen sieht man Skitourengeher auch zwei oder dreimal aufsteigen, weil der Hang so schön ist. Andere wählen die Variante und fahren nach Nordwesten Richtung Freudenreichalm ab. Freudenreich! Nomen est omen – die sanfte Mulde hinunter zur Alm bietet ebenfalls höchstes Skivergnügen. Da nimmt man dann auch gerne den Wiederaufstieg zur Firstalm in Kauf. Die Hütte ist ein weiterer Höhepunkt, kann man hier doch wunderbar einkehren und in der Sonne sitzen. Ein weiterer Pluspunkt der Skitour ist, dass man daraus durchaus eine Familienunternehmung machen kann. Und das sogar, wenn nicht alle Skiwanderer sind: Zur Firstalm kann man gut zu Fuß aufsteigen – eine traumhafte Winterwanderung. Danach können die Nicht-Skitourengeher mit dem Schlitten – der lässt sich auch ausleihen – über die Rodelbahn abfahren. Ideale Voraussetzungen also für einen „g’schenkten Tag“!

Von Bernhard Ziegler

SKITOUR BRECHERSPITZ

ANFAHRT – Autobahn A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn / Miesbach. B 307 via Miesbach und Schliersee Richtung Bayrischzell. Kurz hinter Neuhaus biegt man rechts ab zum Spitzingsee. Über die Spitzingstraße zum Spitzingsattel. Hier beginnt rechts die für den Verkehr gesperrte Forststraße (Trautweinweg – Rodelbahn) zur Firstalm. Nur wenige Meter danach zweigt der Stümpflingweg ebenfalls nach rechts ab. Der schmalen Bergstraße folgt man bis zum Parkplatz an der Talstation des Kurvenliftes auf 1110 Metern.

SKITOUR – Aufstieg: Am Westende des Parkplatzes schlägt man die beschilderte, präparierte Forststraße zur Unteren Firstalm ein. Nach etwa 15 Minuten (1,2 km) könnte man die Forststraße bereits nach rechts oben verlassen und über eine Waldschneise in nordwestlicher Richtung zur Oberen Firstalm abkürzen. Bei fehlender Spur, bzw. fehlender Ortskenntnis, kann man auch ohne Orientierungsprobleme bis kurz vor die Untere Firstalm weitergehen und hier nach Norden zur Oberen Firstalm ansteigen. Dort dreht man in einem großen Bogen nach Nordosten ein und spurt über eine flache Geländekuppe auf den Südwesthang der Brecherspitz zu. Über diesen hinauf zum höchsten Punkt mit der Wind-Messstation des Bayerischen Lawinenwarndienstes (ca. 1620 m), welche den Westgipfel der Brecherspitz markiert. Der Übergang zum Ostgipfel ist alpin und wird im Winter in der Regel nicht gemacht. Abfahrt: 1. Wie Aufstieg. 2. Man kann auch eine kleine Rundtour machen und zur Unteren Freudenreichalm abfahren. Hierzu vom Gipfel ca. 150 Entfernungsmeter ganz rechts haltend (im Abfahrtssinn) abfahren. Dann kann man aus einer Art Scharte nach Norden in eine wunderschöne Mulde einfahren. Die immer breiter werdende Mulde dreht nach Westen ein und so erreicht man die Untere Freudenreich-Alm (1262 m). Hier wird erneut angefellt und nach Sü- den gespurt. Über eine Schneise geht es hinauf zum Freudenreichsattel. Ein paar Meter weiter und man steht wieder am Fuße des Brecherspitzhanges. Dann schiebt man ein paar Meter etwas mühsam hinüber zur Oberen Firstalm, wo man auf die Anstiegsroute trifft. Tourdaten: 500 Höhenmeter zum Westgipfel, bei der Rundtour kommen noch 120 Hm dazu. Gehzeit: 1¼ bis 1½ Stunden (Aufstieg). Charakter: Mäßig bis mittelsteile freie Hänge. Da der Südwesthang der Brecherspitze sonnenbeschienen ist, ist die Tour bei Neuschnee am schönsten. Die Tour ist auch für Anfänger oder Skitouren-Kinder geeignet. Lawinengefahr: gering.

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee-Schliersee.

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