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Radeln bei Wind & Wetter

München - Nicht das Wetter ist wichtig, sondern die Kleidung. Entsprechend gut ausgerüstet steht dem Fahrradvergnügen im Herbst nichts im Weg. Genießen Sie die letzten sonnigwarmen Tage.

Mit den Temperaturen sinkt bei den meistenMenschen die Lust aufs Fahrradfahren. Doch es gibt gute Gründe, auch in Herbst und Winter in die Pedale zu treten: Mit der richtigen Ausrüstung macht Radeln bei Wind und Wetter keineswegs krank, sondern fördert sogar die Gesundheit. Und über buntes Laub zu rollen bereitet eine Freude.

Radfahren auch in den kalten Jahreszeiten

„Ich sehe auch in der kalten Jahreszeit in U-Bahn und Auto keine Alternative zum Radfahren“, sagt der Sportarzt Dr. Dirk Lümkemann dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Der Hamburger radelt selbst bei jedem Wetter und weist darauf hin, dass schon 30 Minuten Radfahren täglich – zum Beispiel in die Arbeit und zurück – das empfohlene wöchentliche Bewegungspensum erfüllen. Allerdings müssen Radler in Herbst und Winter einiges beachten: Nässe, Laub oder sogar Schnee machen die Wege rutschig. Mit der falschen Kleidung kann der Fahrtwind den Körper auskühlen. Und weil die Tage kürzer werden, steigt die Gefahr, von Autofahrern übersehen zu werden.

Die richtige Kleidung macht viel aus:

■ Für die Bekleidung auf ausgedehnten Fahrradtouren empfiehlt sich das Zwiebelprinzip, also mehrere atmungsaktive (!) Schichten übereinander zu tragen. „Die dünnen Luftschächte zwischen den Kleidungsstücken wirken wie eine Isolierung“, erklärt Siegfried Neuberger vom Zweirad Industrie-Verband. Außerdem hat das Zwiebelprinzip den Vorteil, dass Radler sich schnell auf Temperaturwechsel einstellen können, indem sie eine Schicht aus- oder drüberziehen.

■ Für kürzere Radstrecken zum Beispiel in der Stadt genügt eine Außenschicht, die möglichst am ganzen Körper Wind und Wasser abhält und schnell abzulegen ist. Die tz zeigt hier ein Outfit für bequeme Fahrten in der kalten Jahreszeit – und erklärt, worauf Sie beim Fahrrad selbst achten sollten.

Die richtige Ausrüstung ist das A und O

1. Ein Helmüberzug (ca. 10 €) hält Regen und Wind ab. Eine Helmmütze aus Fleece oder Windstopper (20 €) zum Drunterziehen würde Kopf und Ohren zusätzlich warm halten.

2. Die Jacke (hier die Wintry ZO von Vaude, 120 €) muss vor allem winddicht sein. Wasserabweisende Jacken halten einen Regenschauer vom Leibe, für Dauerregen braucht es ein wasserdichtes Modell. Wichtig auch: eine auffällige Farbe.

3. Eine alltagstaugliche Regenhose muss man schnell an- und ausziehen können. Wie dieses Modell (Vaude Fluid, 65 €) mit durchgängigem Seitenreißverschluss.

4. Die Finger kühlen im Fahrtwind schnell aus. Gefütterte und winddichte Radhandschuhe (50 €) verhindern das.

5. Auch die Zehen gehören zu den besonders kälteempfindlichen Extremitäten. Mit Überschuhen (40 €) kommt man trockenen Fußes ans Ziel, sei es in Stiefeln oder Büroschuhen.

6. Eine leistungsstarke Beleuchtung ist in derdunklenJahreszeitwichtigerdenn je. Ein Nabendynamo liefert die nötige Energie bei geringem Reibungswiderstand.

7. Ohne einen guten Spritzschutz wird Herbstradeln zur Schlammschlacht. Optimal: angeschraubte, weit nach unten gezogene Schutzbleche.

8. Reifen mit tiefem Profil bieten viel Haftung auf jedem Untergrund. Breite Reifen kann man mit weniger Luftdruck fahren, was den Halt zusätzlich erhöht. Für Winterradler: Spikereifen (ab 50 €). 

9.  Bei Felgenbremsenkannmanweichere Allwetter-Gummis (10 €) montieren. Die zuverlässigsten Stopper bei Nässe oder Schnee sind jedoch Scheibenbremsen.

10. Die Fahrradkette verlangt bei Nässe und Schmutz besonders viel Zuwendung in Form eines Lappens und frischen Öls. Außer man hat wie bei diesem Modell eine Nabenschaltung mitsamt Kettenkasten – ein fast wartungsfreier Antrieb.

Ärzte erklären: Darum ist Herbstradeln gesund

Man kann sich in öffentlichen Verkehrsmitteln dem Bazillen-Bschuss aussetzen - oder beim Radfahren an der frischen Herbstluft seiner Gesundheit etwas Gutes tun. „Radfaherer haben ein besseres Immunsystem als Menschen, die sich nicht bewegen,“ sagt der Sportarzt Dr. Dirk Lümkemann. „Sie haben eine bessere Infarktabwehr, sind resistenter und daher auch seltener erkältet.“ Allerdings ist die kalte Jahreszeit nicht für intensives ausdauertraining geeignet. „Die Intensität sollte hoch genug sein, damit auch die Hände und Füße warm werden und niedrig genug, um locker sprechen zu können,“ erklärt Dr. Achim Schmidt, Sportmediziner aus Köln und Gesundheitsexperte der Zeitschrift Trekkingbike. Kalte Luft sei an sich nicht schädlich für die Atemwege. Dennoch sollte man lieber durch die Nase einatmen, damit die Luft angewärt in die Bronchen gelangt. Auch gegen die Novemberdepression ist Sport an der frischen Luft ein wirksames Mitte, wie Dr. Schmidt erklärt: „Denn der Körper produziert dabei stimmungsaufhellende Hormone.“

Ingo Wilhelm

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