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Tierische Aussichten: Während sich das Jungvieh eher fürs saftige Gras interessiert, kann sich der Ausflügler bei einer Rast am Zwieselberg am Panorama kaum sattsehen.

Am Forggensee

Könige & Römer: Gemütliche Radtour bei Roßhaupten

Wellen schlagen noch an den Strand, die MS Füssen hat abgedreht. Das Wasser ist fast schon kitschig blau, die dunkel schimmernden Berge flirten mit ein paar Schäfchenwolken.

Würde man eine perfekte Landschaft auf dem Reißbrett entwerfen, sähe sie wohl so aus. Und doch hat der Forggensee noch einen ganz anderen „Job“, als nur Ausflügler zu erfreuen. Der wilde Lech wurde gezähmt, Staustufe Nummer eins ist der See, der bis zu 168 Millionen Kubikmeter Wasser zwischenspeichern kann. 

Eine königliche Landschaft

Neuschwanstein, Hohenschwangau – die Wittelsbacher sind immer präsent. Die Römer aber auch. Die Wissenschaftler puzzeln seit Jahrzehnten mit Hingabe am Gesamtbild der Römer am nördlichen Alpenrand. Ein roter Faden ist die Via Claudia Augusta, die von Oberitalien über den Reschenpass nach Augsburg führte – 15 v. Chr. begonnen, 47 n. Chr. von Claudius als Staatsstraße vollendet. Diese Via Claudia eint all jene Römerorte im Umkreis und führte durch Rieden. Der „Römerbadeplatz“ ist einer der schönsten am See und lehrreich dazu! Eine Infotafel erläutert, dass auf der Handelsroute Bleiplättchen zur Kennzeichnung der Ware verwendet wurden. Sie gaben Name, Artikel, Preisangabe an, man nennt sie die „Riedener Anhänger“. 

Wo man heute so wunderbar baden kann, gab es weiland eine Pferdewechselstelle

Auf der Tafel kann man Längenmaße und Währung der Römer nachlesen und dann sein Eis eventuell in „Fuß“ bestellen und in Sesternen bezahlen. Bevor es aber ein Eis am Faulensee gibt, hat man sich das zu verdienen. An Rosshauptens Kalvarienberg vorbei und weiter hinauf nach Ussenburg muss man strampeln. belohnt wird man allemal mit einer gewaltigen Aussicht über das königliche Land. Wer das Ganze toppen will: Wo der Drachenweg auf die Teerstraße trifft, gibt es gegenüber einen Wanderweg mit der Beschilderung Zwieselberg/Buch: Räder abstellen und 15 Minuten hinauf zu einem großartigen Aussichts- und Picknickplatz – nur von ein paar Schumpen (Allgäuerisch für Jungvieh) beäugt! Und dann geht’s durch eine stille Landschaft und die „Freie Republik Zwieselberg“ bis zum Faulensee, dem idyllischen Moorweiher, der eben nur mit dem Rad oder zu Fuß erreichbar ist. Stille ringsum, ein Bier von Reinis Faulenseehütte im Glas, so muss eine gelassene Sommerfrische sein. Welche direkt am See der „action“ weicht, weswegen man geruhsam zum Festspielhaus radelt. Ist auch besser, denn wer noch ins Musical will, sollte ja nicht völlig echauffiert ankommen. 

Als Abrundung eines königlichen Tages darf es „Ludwig²“ sein. Das Musical ist zurück – wenn auch nur bis 4. September! Die eingängige Musik, die u.a. von Konstantin Wecker stammt, erklingt erneut am Originalschauplatz: ein tolles Bühnenbild, die Marktoberdorfer „Bachelorette“ Anna Hofbauer als Sissi, die gebürtige Australierin Suzan Zeichner wirklich großartig und dazu schöne Sätze des jungen Kinis: „Wenn Erwachsenwerden damit zu tun hat, die Träume der Jugend mit Füßen zu treten, lohnt es sich nicht“. Draußen geht die Sonne unter, über dem Gegenufer thront Neuschwanstein, das Schloss aller Schlösser. Und das letzte Schiff zieht eine schnurgerade Spur – eine königlich schöne Landschaft!

Von Nicola Förg

RADLRUNDE MIT SCHIFFFAHRT AM FORGGENSEE

ANFAHRT – Mit Kreuzfahrt: Bahn nach Füssen-Bhf. Weiter zum Bootshafen und um 10, 12.30 oder 15 Uhr ab Füssen Bootshafen bis Dietringen (7 Euro Einzelfahrt, pro Rad ein Euro; Mitnahme von Rädern ist begrenzt!). Nur Bahn: Von Füssen-Bhf per Radl auf Forggenseeradweg bis Dietringen. Auto: Großer Parkplatz am Badeplatz Dietringen. Achtung! Auf dem Forggenseeradweg gibt es einige Unterführungen und Kreuzungen, die auch Landwirte nutzen: Vorsichtig fahren!

TOUR – Ab Anlegestelle Dietringen am Toteisloch vorbei zum Römerbadeplatz Mansione; auf Forggenseeradweg über die Tiefentalbrücke; nach 1300 Metern durch die Unterführung und gleich danach scharf links weg (Schilderung „Kobus, Kalvarienberg“); dann Beschilderung „Drachenweg leichte Variante“ am Drachenbrünnle vorbei. Steiler Single Trail leicht rechts (Wald, an einer Kuhweide entlang) bis Feldweg; links ab und bis zur Teerstraße (hier ist der Abstecher zum Zwieselberg möglich). Links weiter nach Ussenburg hinauf; dort rechts und weiter bis zum Abzweig Faulseehütte (li.); erst Feldweg dann Teerstraße bis zum Faulensee; weiter hinab durch Rieden; Unterführung nach Osterreinen und auf Forggenseeradweg: Südwärts, wer nach Füssen will; nordwärts, wer nach Dietringen will. Länge: Runde Dietringen 15 km; Runde Füssen 21 km. Anstieg nur zwischen Tiefental und Ussenburg.

INFOS – Römer: www.alpenrand-in-roemerhand.de, www.viaclaudia.org; Faulensee: www.faulenseehuette.de Schiff: www.fuessen.de/wasser/forggenseeschifffahrt. Musical: www.bau-ein-schloss-wie-ein-traum.de

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