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Für die Tour rund um Huglfing braucht man stramme Wadln – und Stehvermögen beim Einkehren. 

Fünf auf einen Streich

Radltour rund um Huglfing – mit Einkehr

1874 gründete der Murnauer Reichstagsabgeordnete Emeran Kottmüller ein Eisenbahnkomitee, um eine Vizinalbahn von Weilheim nach Murnau zu bauen.

Eine Vizinalbahn war in Bayern eine Eisenbahn zur Erschließung des ländlichen Raums, quasi Orte, die etwas „AdW“ lagen. Kottmüllers Plan kam im Herbst 1875 vor den Bayerischen Landtag. Aber erst am 15. Mai 1879 ging es los. 1989 fuhr die Bahn schon eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Ein Bahnhof war und ist in Huglfing. Er war lange ein Schandfleck, aber seit 2011 ist er allein schon die Anreise wert. Wegen des liebenswerten Cafes „Hey Schaffner“. Das heißt so wegen eines Liedes des Kultmusikers Williams Wetsox – und mit dem Namen gibt es hier natürlich Livemusik und wechselnde Kunst-Ausstellungen, leckere Kuchen und Kleinigkeiten aus wertigen, regionalen, fair gehandelten und biologischen Produkten. Bevor es losgeht, ist das Café schon mal Pflicht! 

Aber dann: Gleich hinter der Moosmühle – man könnte einen Frühschoppen nehmen – geht’s bergauf zur Rameck, wo der ehemalige Hof in Wohnungen umfunktioniert wurde. Eigentlich schade, der Landwirt war ein Unikum, sein Pony hieß Pamela, weil er ein glühender Fan von Pamela Anderson war. Die Route steigt weiter hinauf nach Berg, aussichtsreicher Sonnenbalkon-Ortsteil von Oberhausen und von da an geht’s bergab. Und wie: Der Hohlweg Richtung Etting ist wirklich ein Schattentunnel und sehr steil! 

Sanft geht es hingegen bis Polling dahin, wo der Agilolfinger Tassilo einst eine Hirschkuh jagte, die drei Kreuze frei scharrte, eines davon wundertätig. Das Fichtenkreuz, das tatsächlich aus dem 8. Jahrhundert stammt, ziert heute den Hochaltar in der Stiftskirche – von Johann Schmuzer mit Bedacht barock umgestaltet. 

Biergarten

Die Klosterwirtschaft blickt stoisch auf all das Kommen und Gehen, seit über 500 Jahren empfängt sie Gäste: König Ludwig, Carl Spitzweg, Franz Duveneck sowie die Familie Mann kehrten hier ein. In der Neuzeit war sie eher wegen eines „Bauer sucht Frau“- Kandidatens im Bild – einfach „optimal“ möchte man sagen. Der Biergarten ist natürlich ein Muss, immerhin kann man ja nun schon auf eine Radlstecke zurückblicken und auch gleich vorwärts auf die nächste Etappe. 

Die schraubt sich wieder hinauf zum Berghof und hinunter zu den stolzen Höfen von Fichtl, einer davon der Süßbauer. Am Wegesrain steht der Reiselsberger Sandstein. Der Findling soll an die historische Dimension des Hofes erinnern: Diesen Hof hat kein Geringerer als „der Ganghofer“, der Erbauer der Frauenkirche in München, 1460 als Lehen erhalten. 

Wieder im Talgrund der Ammer angelangt, durchradelt man den Ortteils Wörth des Bergbaustädtchens Peißenberg und quert die Ammer. Der Kreilhof ist ein lohnendes Ziel, im Staudengarten kann man spazieren, Anregungen holen und Pflanzen kaufen. Die hofeigene Metzgerei offeriert Wildprodukte. Und weil das erneute Einkehren ja verdient sein will: Nach St. Nikolaus führen ein paar zackige Serpentinen. 

Oben ein Bilderbuchensemble mit zwei Höfen und dem Kircherl. Dahinter umfängt einen die pure Stille des Forstes, bis Gut Achberg auftaucht. Achberg gehörte dem Kloster Ettal. Heute wird es von den Erben der Bernhardine Stöckl bewirtschaftet. Sie war nach dem Krieg für die Maxlrieder Arbeitgeberin und Gönnerin. Denn der Filzboden bot den 18 Familien, die sich 1804 nach dem Plan von König Max I. hier angesiedelt hatten, kein Auskommen. Die Alteingesessenen bedachten die Landfahrer, also Knechte, Mägde, Dienstboten mit dem Spruch „Maxlried 18 Häuser, 19 Dieb.“ Dabei mussten die Kolonisten einen guten Leumund aufweisen und waren keineswegs Sträflinge. Sie hatten einfach keine Chance, dem Moorboden, der auch noch ständig überschwemmt wurde, etwas abzuringen. Im Peißenberger Bergwerk gab es dann Arbeit und mit der Eisenbahn 1879 kam der Torfhandel in Schwung. 

Und das bescheidene Auskommen reichte dann auch für ein Bierchen in der Werkskantine, die 1927 eine Konzession zur Gastwirtschaft bekam. An gleicher Stelle gibts heute noch einen wunderbaren Biergarten. Und wer heute noch zum „Krenn“ geht oder auch zum „Korntheurer“ ist nicht „up to date“. Die herrliche Torfwirtschaft Cantina ist einer der ungewöhnlichsten bayerischen Biergärten. Hier gibt es wunderbare Tapas zum Bier – oder Wein. Und wer nun geradewegs hineinradelt ins hübsche Oberhausen, kann im schönen Biergarten des Stroblwirts die ganz speziell belegten Brezen schnabulieren oder bis Huglfing weiterstrampeln und den letzten Einkehrschwung in der Moosmühle einnehmen – auch bei feinen Salaten und Vegetarischem. In jedem Fall kann Radeln echt schön sein! 

Von Nicola Förg

RADELN UND EINKEHREN

ANFAHRT – Mit der Bahn nach Huglfing. Vom Bahnhof Richtung Ortsmitte, links hinauf nach Rameck; der Straße folgen, kurz vor Beginn der Bebauung kleiner Weg links Richtung Berg, dann weiter auf der Straße mit leichtem Anstieg nach Berg; am Ortsschild rechts auf das kleinere Sträßchen und rechts weg, steil bergab (Vorsicht!) Richtung Etting; links Richtung Polling, durch das Klosterdorf bis zum Kloster und Wirt; der Straße Richtung Oberhausen folgen, beim der T-Kreuzung zur 472 kurz rechts, über die Ammer, dann sofort links hinauf zum Berghof; über Berghof, Fichtl Richtung Peißenberg; erneute T-Kreuzung scharf links, durch Wörth, auf die Wörther Straße und die Ammer queren; bis zum Kreilhof und weiter bis zum Schild St. Nikolaus; rechts hinauf, an den Höfen vorbei auf den Forstweg; im Wald links (Beschilderung Achberg/Oberhausen) bis nach Achberg und weiter bis Maxlried hinunter; am Ortsschild links kleiner Pfad hinüber zur Schlossbergstraße und zur Torfwirtschaft; bis zur Hauptstraße rechts nach Oberhausen und über die Dorfstraße zum Stroblwirt. 

CHARAKTER

Asphalt und Forstwege; ca 30 Kilometer; wer abkürzen will, spart ohne den Schlenker nach St. Nikolaus etwa 7 Kilometer. 

LINKS

  • www.cafe-heyschaffner.de 
  • www.alte-klosterwirtschaft.de 
  • www.kreilhof.staudenspatz.de 
  • www.torfwirtschaft-cantina.de 
  • www.zur-moosmuehle.de 
  • www.stroblwirt.de

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