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Wunderbarer Badeweiher: Der Schmuttersee bei Lechbruck lädt zum Schwimmen, Faulenzen und Ausschau halten.

Kleiner Grenzverkehr

Allgäuer Berge und jede Menge Badeweiher - das Auerbergland bleibt, wie es ist: bucklig und bäuerlich, ruhig und romantisch. Man entdeckt es am besten bei einer ausgiebigen Radltour.

Wiegald Boning und Doris Dörrie wissen schon, warum sie in Bernbeuren leben: „Weil’s schee isch!“ Wohlgemerkt „isch“, denn kerniges Oberbayerisch redet hier keiner mehr und so mancher Weilheimer Bürger wird sich wundern, dass „Bärabeira“ noch zum Landkreis Weilheim- Schongau gehört; für Leute aus Seeshaupt ist das schon „terra incognita“. Gut, ganz so schlecht „isch“ das gar nicht, denn das Auerbergland bleibt, wie es ist: bucklig und bäuerlich, ruhig und romantisch. Da der 1055 Meter hohe Auerberg, den schon die Römer besiedelt hatten, dort der grünliche Lech und dazwischen jede Menge Badeweiher. Und südlich davon die Allgäuer Berge – eine perfekte Urlaubslandschaft.

Schon wer Lechbruck verlässt und in Helmenstein auf einer der vielen Lech-Staustufen steht, wird angesichts der Aussicht begeistert sein. Dahinter heißt’s erst mal schnaufen, es geht bergauf und zum Schmuttersee über eine teils holprige Route. Doch dann kommt der See in seiner anmutigen Lage. Wer hier faulenzen will, dem sei verziehen!

ADFC-Regionalkarte Bayerische Seen, 1:75.000 [ Vollansicht der Karte ansehen]

Wer weiter radelt, darf ab Sameister die meiste Zeit moderat bergauf strampeln, vorbei am Waldort Kinsegg, dem Gestüt Nachsee, hinauf bis Langegg – der Blick zurück eröffnet einmal mehr dieses Traumpanorama. Behäbige Bauernhäuser liegen in den Feldern. Hier im Grünland kann man sich kaum vorstellen, dass das Allgäu mal blau gewesen ist. Also die Felder, nicht der Allgäuer selbst. Man baute Flachs an, aber im 19. und 20. Jahrhundert verändert sich die Landwirtschaft radikaler als je zuvor: Der Getreide- und Flachsanbau ist wegen der billigen Baumwolle aus Übersee nicht mehr rentabel, Kühe werden angeschafft, das Allgäu wird zur Käsküche Deutschlands. Diese Geschichte dokumentiert das Auerbergland-Museum. Das Kiebelehaus ist ein Allgäuer Ständerbohlenbau aus dem frühen 18. Jh. und war wie die meisten Häuser in Bernbeuren ein Handwerkerhaus mit kleiner Landwirtschaft, in dem Fall war es der Schäffler (Kiebler) gewesen. Auch die Dorfgeschichte wird lebendig – das Museum ist sehenswert. Ebenso wie das zweite Museum im Ort, das Molkereimuseum. Zur Veredelung und Vermarktung des neuen Produktes wird 1889 die Molkerei-Genossenschaft II in Bernbeuren gegründet und 1890 für 5655 Mark die Untere Käsküche gebaut. Bis 1968 werden täglich 5000 Liter Milch zu Käse und Butter verarbeitet; die Milchsammelstelle besteht bis 1985. Dankenswerterweise renoviert von 1986 bis 1991 die Familie Bauer das Gebäude und nun erzählt es vom ganzen Prozess der Milchverarbeitung von der Kuh über die Milchanlieferung, Laborprüfung, Verarbeitung, Reifung bis zur verkaufsfertigen Packungen.

Nach so viel geballtem Wissen verschafft der Haslacher See Abkühlung. Die braucht es auch dringend, denn nun heißt es hinauf zum Golfplatz Stenz. Die Aussicht ist einmal mehr sagenhaft. Und von hier an geht’s bergab! Hinunter an den Lech und weiter bis zur Staustufe bei Urspring. Dem schmucken Dorf sollte man einen Besuch gönnen, der Kirche St. Maria Magdalena auch, die in Teilen noch romanisch ist. Die letzte Etappe führt durch das kleine hübsche Steingädele. Ein Ast des Jakobswegs führt hier durch die Moorlandschaft, vorbei am Ponyhof, wo man mit einem aufmunternden Wiehern begrüßt wird. Retour geht’s zum Lech, diesmal noch auf der oberbayerischen Seite – hier flirtet Oberbayern mit dem Ostallgäu aufs Heftigste und es isch so schee!

Von Nicola Förg

RADLTOUR UM BERNBEUREN

ANFAHRT – A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg. Über Landsberg, Schongau, Steingaden bis Lechbruck. Alternativ: Starnberg, B 2 Weilheim, Peißenberg, Peiting, Steingaden bis Lechbruck. Parkplatz gleich hinter der Lechbrücke auf der Lechbrucker Seite.

TOUREN – 1. Kleine Schmuttersee-Runde (rot): Am „Lädele“ am Lech entlang südwärts nach Helmenstein, weiter bis zum Weiler Gogerisch, bei einem Feldkreuz und Picknicktisch rechts weg in den Feldweg (grüne MTB-Beschilderung) bis zum Schmuttersee; nach dem See auf den ehemaligen Bahndamm Richtung Lechbruck, herrliche drei Kilometer leicht bergab; Insgesamt rund 11 Kilometer. 2. Große Seen-Runde (blau): Start wie bei Tour eins, dann ab Schmuttersee in Sameister über die Straße, nach Kinsegg, Nachsee, Langegg, Loxhub. Nach 6,5 km (ab Sameister) links Radlschildern Bernbeuren/Stötten folgen; hinauf nach Bürstenstiel, runter nach Bernbeuren, rechts, durch den Ort, am Auerbergmuseum vorbei; die Straße macht eine Rechts-Links-Kombination (Schilder Schongau) bis zum Haslacher Weiher; gegenüber Richtung Golfplatz Stenz, dann bergab. Links zum Lech; rechts am Lech entlang bis zur Staustufe. Hinüber nach Urspring; Hauptstraße queren und hinüber nach Steingädele, dort rechts Moorweg Richtung Gründl und retour. Insgesamt 29 Kilometer.

AM WEGESRAND

1. Baden: Schmuttersee, mit Gastronomie; Haslacher See, mit Gastronomie.

2. Auerbergmuseum im Kiebelehaus, Mühlenstr. 9, 86975 Bernbeuren. Tel.: 0 88 60 / 210 (Tourist-Information), Infos: www.auerbergmuseum.de; bis Oktober: Sa. 15-17 Uhr, So./Fei. 14-17 Uhr; sowie nach telef. Vereinbarung.

3. Molkereimuseum, Füssener Str. 24, 86975 Bernbeuren. Besuch in der Regel mit Führung n. Voranmeldung unter Telefon 0 88 60 / 8480 oder 0 88 41 / 62 70 91.

4. Waldort Gut Kinsegg, Christa Rodenkirchen, 86975 Bernbeuren. Tel.: 0 83 67 / 352; www.waldort.de

5. Ponyhof Prem, Karlsebene 2, 86984 Prem-Helmau. Tel.: 0 88 62 / 93 23 51; www.ponyhof-prem.de

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