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Schauen und genießen: Am Staffelsee findet sich immer ein schöner Rastplatz. Oder man gleitet gleich per Boot oder SUP übers Wasser...

Im Land legendärer Künstler

Radltour um den Riegsee: Die Magie des Lichts

Es ist einer dieser herrlichen Spätsommertage: Diesig und die Berge im blauen Dunst. Zwischen Staffel-, Rieg- und Kochelsee, hineingefläzt vor die Felsriegel von Karwendel bis Benediktenwand, ist pure Lichtmagie, die manche in Bilder übersetzen konnten, andere in Musik, die dritten in Worte.

Ohne Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Franz Marc, Alexej Jawlensky, August Macke, Marianne von Werefkin und Arnold Schönberg, die diskutierten und stritten und litten an der Welt, hätte es kein „Blaues Land“ gegeben. Kandinsky schrieb: „Je tiefer das Blau wird, desto tiefer ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und Übersinnlichem. Es ist die Farbe des Himmels.“ 

Und der überspannt diese intensive Landschaft, die eine Folge der Eiszeit ist. So wie der Riegsee, ein 188 Hektar großer Toteissee aus der Würmeiszeit, den es zu umrunden gilt. Er ist der größte bayrische See ohne oberirdischen Zu- oder Abfluss – Grundwasser speist und entwässert ihn. Der Radler tritt erst mal in die Pedale, ostwärts nach Hagen, dem schmucken Dorf, das sich trotz „zugroaster“ Kunstszene immer noch bäuerlich präsentiert. Hagen war schon in der Bronzezeit besiedelt, es soll im 12. Jh. eine Burg gegeben haben und ein Rittergeschlecht von Hagen, von dem heute ein Grabstein in der Kirche zeugt. Der stille Friedhof liegt hinter einer Mauer, die die dem heiligen Blasius geweihte Kirche umgibt. Blasius von Sebaste starb als Märtyrer während einer der Christenverfolgungen des römischen Reiches und zählt zu den 14 Nothelfern. 

Hagen und Perlach liegen hoch oben überm Loisachtal, blicken hinüber auf einen gewaltigen Rücken im Osten: die Benediktenwand. Es folgen die Kultberge Herzogstand und Heimgarten. Und erst wenn man sich sattgesehen hat und durch ein Wäldchen hinunterrollt, kommt man in eine moorige Landschaft, mit Strahwiesen, kleinen Waldstückchen, Pferdekoppeln. Wenn man sich dann nach Aidling hinaufgearbeitet hat, ist wieder Weitsicht. Aidling spricht man „Oaling“. Ein hübscher Ort, hinter dem die Aidlinger Höhe liegt, auf deren Rücken ein bronzezeitlicher Fernhandelsweg verlief. Aidling war ein Knotenpunkt. Der Weg von Nordwesten nach Süden über den Kesselberg ging über Aidling, ebenso die Ost-West Route, die die Salzquellen des Salzkammergutes und die Kupfergebiete des Balkans verband. Auch Aidling hat eine stolze Kirche: St. Georg, im Jahre 1749 im Rokokostil errichtet, mit klassizistisch geprägten Altären. 

Hofheim, Spatzenhausen – alles blumengeschmückte Dörfer. Malerisch geht es dann am Hungerbach entlang nach Uffing und dann immer an der Bahn lang, bis man abwärts rollt zum Staffelsee. Und es ist nur richtig, Seehausen die Referenz zu erweisen: Es ist ein entzückendes Dorf und dann gehört noch ein Großteil des Sees samt der Inseln zum Ort. Nur im Norden und Westen hat auch Uffing Anteil am Ufer. Und Murnau, das sich großspurig „Murnau am Staffelsee“ nennt, muss sich mit gerade mal 210 Meter Seeufer zwischen Strandbad und Schiffsanlegestelle begnügen!

Von Nicola förg

Radltour um den Riegsee

ANFAHRT – Bahn: Mit der Regionalbahn von München Hbf. nach Murnau (stündlich; Fahrtzeit ca. eine Stunde; Fahrradmitnahme begrenzt möglich). Info: www.bahn.de Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau. Richtung Murnau und auf einem der vielen Parkplätzen im Ort parken.

TOUR – Vom Bahnhof Murnau über den Kreisel, re. Seehauserstraße. An der großen Kreuzung li. Reschstraße, die nächste Kreuzung überqueren (Weindorferstraße), dann re. Pachmannstraße; der Vorfahrtsstraße folgen (Viehmarktplatz, Schlossbergstraße, Schwaigangerstraße), dann li. Hagenerstraße bis Hagen; weiter nach Perlach; hinter Perlach scharf links (Teersträßchen) und bergab. Dann re. Richtung Höhlmühle; kurz vor Höhlmühle li. Richtung Aidling; durch Aidling, am Riegsee (liegt links) vorbei. B 472 queren und weiter nach Hofheim; in Hofheim re. Richtung Waltersberg; B 2 queren, auf der Westseite ein Radl/Fußweg bis Spatzenhausen; li. durch Spatzenhausen; vor der Kirche li., am Fussballplatz vorbei, dem Feldweg folgen, am Hungerbach entlang bis Ortsrand Untereglfing. Li. bis Ortsrand Uffing; noch vor den Gleisen li. (Beschilderung Fußweg nach Murnau), nach ca 4 km am Bahnübergang re. nach Seehausen; vor der Kirche re. Richtung Strandbad Seehausen; dort li. und weiter zur Anlegestelle. Über Burgweg, Seestraße (re.), Bergstaße (li.) zurück zum Bhf. Murnau. Streckeninformation: Insgesamt ca. 32 Kilometer; keine großen Steigungen, mit allen Rädern außer Rennrädern bequem befahrbar.

TIPPS – 1. Schlossmuseum Murnau: Bis 6. November Vater & Sohn – Künstlerpaare. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Maler Wilhelm und Franz Marc, Edmund und Alexander Kanoldt, Alexej und Andreas Jawlensky, Lyonel und T. Lux Feininger sowie Willi, Rupprecht, Lenz und Florian Geiger. www.schlossmuseum-murnau.de 2. Münter-Haus: Für Gabriel Münter, Tochter aus gutem Hauses, war Wassily Kandinsky Traum und Tragödie zugleich. 1911 kaufte Münter für 10 000 Reichsmark eben jenes Haus an der Kotmüllerallee, das der Volksmund „Russenhaus“ taufte. Kandinsky verließ Münter, sie blieb in dem Haus. Die Murnauer haben Porträts bei ihr malen lassen, hielten aber Distanz. Ein Mann hatte seine Töchter malen lassen und sprach den legendären Satz: „I woas, dass meine Töchter schiach sind, aber so schiach san sie dann doch ned.“ Info: www.muenter-stiftung.de

EINKEHREN – 1. Gasthof Heimgarten, Hagen. Bis Ende Okt., an schönen Tagen Sa ab 14 Uhr, So/Fei ab 10 Uhr; 2. Höhlmühle, Traumplatzl im Wald mit neuen Pächtern (www.forsthaus-hoehlmuehle.de); 3. Alpenblick Uffing, Biergartenklassiker (www.seerestaurant-alpenblick.de); 4. Café-Pizzeria im Strandbad Seehausen, Telefon: 0 88 41/ 48 74 549; 5. Gasthof Stern: urig, regionale Produkte, schöner Biergarten (www.gasthof-stern.de).

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