+
Schöner rasten: Blick auf die Litzauer Schleife, einem unverbauten Abschnitt des Lech.

Wo der Fluss die Berge küsst

Erlebnisreiche Radtour südlich von Schongau

Der Lech hat Jahrhunderte das Schicksal so vieler Familien regiert. Seit der Römerzeit diente der Fluss als Transportweg für die Holztrift aus den Alpen bis nach Augsburg.

Die Flößer mussten nicht bloß kühn sein in den Stromschnellen und den gefährlichen Sandbänken, sondern auch gut zu Fuß. Denn wenn sie mit ihrer schwimmenden Holzfuhre in Augsburg angekommen waren, blieb das Floß bzw. die Stämme dort zum Verkauf zurück. Die Floßknechte – sie waren Tagelöhner im Dienste des Floßmeisters – nahmen nur Eisenteile mit und begaben sich auf den langen Weg zurück. Und weil Marschieren durstig macht, tranken sie gerne mal das eine oder andere geistliche Getränk. Und je länger der Rückweg – Flößer aus der Region gelangten bis Budapest! –, desto schlechter standen die Chancen für Frau und Kinder daheim, dass Geld bei ihnen ankam. Oftmals wurden sie dem Vater entgegen geschickt, damit noch ein bisschen Geld in die Hände der Hausfrau gelangte und nicht alles als Lebenswasser in den Schlund des Ehemanns. Den Höhepunkt hatte die Flößerei Mitte des 19. Jahrhunderts. 4000 Flöße im Jahr, an 150 Werktagen fuhren 20 Flöße pro Tag, sie mussten immer eine halbe Stunde Abstand halten, zu gefährlich war der Fluss!

Mit dem Bau der Staustufen wurde der Lech zum Energiefluss. 30 Kraftwerke und 24 Stauseen für Laufwasser- und Speicherkraftwerke nutzen seine Gewalt nun. Die Staustufen sind längst Naherholungsgebiet, Nummer sechs ist die bei Schongau. Bevor man am Lido los radelt, bekommt man erste Einblicke in die Flößerei. Rund acht Kilometer später könnte man in Kreuth eine erste Rast einlegen, der Archehof versteht sich auch als Radlrast und ist eine eigene Welt mit bedrohten Haustierrassen wie das Schwäbisch-Hällische Schwein, Bergschafe, das Murnau-Werdenfelser-Rind, die Thüringer Waldziege, die Bayerische Landgans, das Augsburger Huhn und den Mittelspitz. Gestärkt geht es über einen kurzen Anstieg hinein in eine stille Landschaft, Wiesen und Waldstücke wechseln sich ab, bis Riesen mit seiner schönen Kapelle ins Bild kommt. Riesen hat eine „riesige“ Straßenkreuzung, rechts geht es nach Hirschau und gemächlich weiter, bis ein schottiger Stich steil zum Lech und einer weiteren Staustufe hinunter führt.

Hier gibt es eine Installation des neu eröffneten Lecherlebnisweges, der in der Gesamtheit 85 Kilometer zwischen Landsberg und Füssen hat. Hier wurde das Kiesel-Lithophon errichtet, ähnlich einem Xylophon. Träge fließt er nun, der Lech. Weiden hängen über die Ufer, Kühe grasen an den Gestaden. Man passiert Gut Dessau. Burggen kommt ins Bild, das schmucke Dorf, das sich an Pferden begeistern kann. Es folgt der Höhepunkt der Tour: die Litzauer Schleife. Ein unverbauter Lechabschnitt, der den Urzustand zeigt. Flusshänge waren oft schütter bewachsen, weil die Hänge durch die Erosion bei Hochwässern untergraben wurden und nachrutschten. Mit dem Bau der Staustufen wurden die Steilhänge ihrer natürlichen Erosion beraubt – hier aber gibt es noch den Offenwaldcharakter.

Über Rossau geht es weiter durch ruhige Waldlandschaften, bis die B 17 die Idylle klanglich trübt. Ein kurzes Stück parallel zur Straße dokumentiert, wie laut Autos sind. Gut, dass man dann zurück nach Schongau radeln kann und den Tag baden gehen lassen: Am Bootshaus Lido dümpeln die Boote. Sonnenanbeter belegen die Wiese, zwei Schäferhunde spielen See-Hund. Im Bootshaus sitzt man einfach grandios in der Abendsonne. Danke Lech!

Von Nicola Förg

Fahrradtour am Lech

ANFAHRT – Bahn: Von München nach Schongau halbstündlich (www.bahn.de); Auto: A 96 München – Lindau bis Ausfahrt Landsberg / West, B 17 bis Schongau.

TOUR – Vom Bhf. westseitig des Lechs Richtung Plantsch und Eisstadion, weiter nach Dornau und zum Lido; über den Naturlehrpfad bis zur Station „Fichte“. Eine Brücke überquert die B 17, dem Schild Lechtalbrücke folgen. Man gelangt nordseitig auf den Radlweg über die Brücke (vom Verkehr getrennt) und überquert dann wieder mit einer Brücke die B 17; geradeaus (Beschilderung Steingaden) geht es bis Kreuth; Anstieg aus dem Weiler hinaus, am Schild „Radweg Romantische Straße“ rechts halten, man gelangt direkt nach Riesen. In Riesen rechts abbiegen bis Hirschau, durch den Weiler und weiter; rechts weg führt ein schottriger Weg runter zur Staustufe 4; wieder rechts nach Dessau und weiter bis Burggen; in Burggen von der Dessauer Straße in Angerweg, dann Schwarzkreuzstraße. Dann rechts zur Litzauer Schleife. Am Aussichtspunkt auf Feldweg weiterfahren, der macht einen Linksknick, bis zur Teerstraße; rechts Richtung Rossau und dann immer Beschilderung Schongauer Lechsee folgen; man kommt wieder an die B 17 Brücke und radelt retour zum Lido. Länge: Ca. 36 km, Asphalt-/Feldwege; für MTB und Trekkingräder.

LECHERLEBNISWEG – Mehr Infos: www.lebensraumlechtal.de; Tourismusverband Pfaffenwinkel: www. pfaffen-winkel.de (dort Flyer bestellbar bzw. Download).

TIPPS – 1. Jedes Wochenende im August und September: Erlebnis Lechflößerei – mit dem historischen Fernhandelsfloß auf Fahrt. Info: Tourist Information Schongau, Tel.: 08861 / 214 181. 2. „Schongaus Stadt- und Lechgeschichten“; Stadtführung mit Renate Zöpf; Anmeldung: Tourist Information. 3. Am 14. August, 14 Uhr: Mit dem Lech-Ranger zur Schongauer Alm; Treffen am Schongauer Lido. Anmeldung: Johannes Karrer; 0177 / 23 47 667.

IN SCHONGAU – 1. Museum in der eh. Spitalskirche: Münzen, Stadtgeschichte, auch zu einem unrühmlichen Kapitel: den Hexenprozessen, die stattfanden, weil man Schuldige für anhaltend verhagelte Ernten brauchte. 2. Plantsch, Erlebnisbad am Lechuferweg, Tel.: 0 88 61/ 21 44 44. 3. Märchenwald jenseits des Lechs, www.schon gauer-maerchenwald.de. 4. Blumenschule, eine Raritätengärtnerei für Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen; Cafe, Seminare, Garten der Stille, www.blumenschule.de.

Auch interessant

Kommentare