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Winterzauber auf dem Weg zum Lahnenkopf: an der Oberen Krainsberger Alm (1131 Meter).

Ein rassiges Gipfelchen

Lahnenkopf? Nie gehört? Diese Erhebung in den Schlierseer Bergen ist nicht einmal 1500 Meter hoch und hat deshalb auch wenig Chance, je berühmt zu werden.

Gut so, denn Kenner der Bayerischen Voralpen wissen schon lange: Wenn im Hochwinter der Schnee noch bis in die Tallagen reicht, dann wird’s Zeit für eine kleine, aber lohnende Skitour. An einem Schönwetter-Wochenende herrscht auf dem Parkplatz im Breitenbachtal meist Hochbetrieb. Das ist kein Wunder, denn hier laufen die Wanderwege sternförmig in alle Himmelsrichtungen auseinander: So trifft man viele Schneeschuhgeher, die Richtung Gindelalm ausschwärmen oder Familien mit Schlitten auf dem Weg zum Bodenschneidhaus. Und einige Skitourengeher sind auch unterwegs. Die verlassen aber bald die Forststraße, um in ruhigeren Gefilden die Winterlandschaft zu genießen.

Abfahrtspaß bei 35 Grad Hangneigung

Auss.: Kompass-Karte 8, Tegernsee; Lizenz: 17-0906-LVB.

Der Waldvorhang öffnet sich, sobald man die silbrigweißen Wiesen vor der Oberen Krainsberger Alm erreicht. Und hier zeigt sich das kleine Sahnehäubchen der Tour: ein weitläufiger Wiesenhang mit einzelnen Bäumen, die aber skitechnisch kein Hindernis bedeuten. Kann sein, dass so mancher Tourenneuling bei diesem Anblick erst mal schluckt. Etwa in der Mitte des Hanges liegt das Herzstück mit etwa 35 Grad Steilheit. Selbsterklärend, dass die Lawinensituation jetzt passen muss. Wer sich die kurze rassige Passage nicht zutraut, kann elegant rechts oder links davon vorbeikurven. Aber zunächst heißt es noch ein bisschen Schwitzen im Aufstieg. Man erreicht den Waldrand und folgt einen Ziehweg hinauf zum Jagdhaus Krainsberger Hütte. Wie ein Hexenhäuschen liegt die Hütte tief verschneit mitten im Gehölz. Danach taucht man ein in weglosen Wald und spurt am Hang entlang südwärts. Stille breitet sich aus im winterlichen Hochwald. Einziges Geräusch ist das gleichmäßige Klacken der Skitourenbindung. Nachdem man durch das gestufte Waldgelände bergauf gestiegen ist, gelangt man auf einen freien Sattel. Hier fällt der Blick zu den Bergen überm Tegernseer Tal und streift auch einen nahen Waldmugl, hinter dem sich der Gipfel der Baumgartenschneid (1448 m) verbirgt.

Vom Sattel aus spurt man ostwärts über einen sanften, waldigen Rücken bis zum höchsten Punkt des Lahnenkopfs empor. Auf der freien Wiesenkuppe lässt sich dann der Rucksack ideal platzieren für eine bequeme Brotzeit im Sitzen. Schaut man sich um, entdeckt man auf der anderen Talseite die Schliersberg-Alm. Rechts davon spitzt der kecke Breitenstein (1622 m) hervor. Spektakulär ist die Aussicht zwar nicht, doch wegen der Aussicht ist man nicht heraufgestiegen. Der Lahnenkopf hat ein anderes Lockmittel parat: Nämlich gleich 300 Höhenmeter Abfahrtsspaß über den tief verschneiten Gipfelhang.

So richtig vergnüglich wird’s natürlich nur, wenn sich die Materie Schnee in der begehrten Pulverform präsentiert. Und wenn nicht? Na ja, auch Bruchharsch gehört zum Skitourenleben. Außerdem zählt bekanntlich das Gesamterlebnis am Berg. Wie dem auch sei, am Schluss geht’s immer über die gutmütige Forststraße talwärts, die breit genug für Schwünge ist. Das sanfte Gefälle sorgt für ein beständiges Gleiten und schont die Armmuskulatur vor zu viel Stockeinsatz.

DORIS NEUMAYR

SKITOUR LAHNENKOPF (1415 M)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Weiter Richtung Miesbach. In Miesbach Richtung Schliersee. Kurz nach dem Ortseingangsschild Schliersee rechts über die Bahngleise. Auf der Breitenbachstraße/ Hennererstraße zum Wanderparkplatz unmittelbar vor dem Hennererhof (ab hier Weiterfahrverbot für öffentl. Verkehr). BOB: Bhf. Schliersee.

TOUR – Charakter: Mittelschwere Skitour. Höhenmeter: 600 Hm. Streckenlänge einfach: 4,2 km. Aufstiegszeit: ca. 2 Stunden. Hangrichtung: Nord bis Nordwest.

Ausgangshöhe: 850 m. Gelände: Forststraße, mäßig geneigtes Almgelände, wegloser Wald, Abfahrt über steilen (kurz sehr steilen) lichtbewaldeten Wiesenhang; Lawinenkundliches Beurteilungsvermögen, komplette Lawinensicherheitsausrüstung, Karte und Orientierungssinn erforderlich.

Aufstieg: Vom Parkplatz zur Forststraßengabelung vor dem Hennererhof. Hier links (Schild: Lahner Höhenweg W17, Kreuzberg). Auf Forststraße in den Wald. An der 2. Forststraßenabbiegung (Schild: Lahner Höhenweg ) links empor. An unbeschilderter Verzweigung (ca. 1070 m) rechts auf Ziehweg bergauf. Sobald freies Almgelände auftaucht, rechts über die flachen Wiesen zur Oberen Krainsberger Alm (1131 m). Von dort am rechten Wiesenhang entlang mit wenig Höhengewinn nach Südwesten. Am Waldrand trifft man wieder auf den Ziehweg und folgt diesem in den Wald hinein zum Jagdhaus Krainsberger Hütte (ca. 1200 m). Nach der Hütte am Waldhang entlang und im weglosen gestuften Wald Richtung Süden. Auf einem flachen licht bewaldeten Sattel (1320 m) nach links (Osten). Über einen waldigen mäßig steilen Rücken zum Wiesengipfel hinauf.

Abfahrt: Je nach Verhältnissen über den steilen Nordwest- Hang hinab und mit kleinem Gegenanstieg wieder zur Krainsberger Alm (1131 m). Von dort auf bekannter Route ins Tal. Lawinenlagebericht: www.lawinenwarndienst-bayern.de bzw. Tel. 089 / 92 14 12 10.

WINTERWANDERUNG – Gindelalm (1271 m; mit oder ohne Schneeschuhe); im Winter unbewirtschaftet. Auf Forstweg Nr. W9; Zum Bodenschneidhaus (1353 m) mit dem Schlitten, Forstweg Nr. W11, SB5; Telefon: 0 80 26/ 46 92; www.bodenschneidhaus.de (Ausgangspunkt wie Skitour)

EINKEHR – Am Ausgangspunkt: Bauernhof-Cafe Hennererhof, Sa/So 12 – 20 Uhr; Tel.: 0 80 26 / 92 29 964.

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee – Schliersee.

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