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Immer wieder magisch angezogen werden die Wanderer auf der Tour zum 2122 Meter hohen Gipfel des Kotalmjochs von dem smaragdgrün leuchtenden Achensee.

Im Rausch der Tiefe

Traumhafte und einsame Bergwanderung am Achensee

„rov-aneu-monte“ bedeutet Berg mit Muren. Diese Bezeichnung stammt von der rätoromanischen Urbevölkerung. Besser bekannt ist die markante Berggruppe heutzutage unter dem Namen Rofangebirge.

Hoch über dem Achensee bilden die Felsburgen eine erhabene Kulisse. Gleich von mehreren Seiten her führen Seilbahnen ins Herz dieses Gebirgsstocks. Von Kramsach im Osten bringt einen die Sonnwendjochbahn auf 1783 Meter. Und von Maurach aus gondelt man bis vor die Türe der Erfurter Hütte (1830 m). Wem die Bahn zu langweilig ist, hängt sich am Gschöllkopf (2040 m) in den Vogelähnlichen „Airrofan Skyglider“ und saust mit Tempo 80 ganze 200 Höhenmeter herunter. Stille Genießer und Naturliebhaber starten ihre Wanderung am ehemaligen Achenseehof und erklimmen aus eigener Kraft das Kotalmjoch. Nur ganz kurz streift man am Anfang der Tour das Gelände eines Hochseilgartens, doch dann wird’s ruhig. Ein Wanderweg führt über eine Brücke in einen schrofigen Felsenkessel hinein und an einem Wildbach entlang.

Ein rauschender Wasserfall

Absolut lohnend ist ein Abstecher zu einem rauschenden Wasserfall, der Wanderern feine Tröpfchen entgegenschleudert. Danach erklimmt man mit Leichtigkeit eine schütter bewaldete Rippe, während das leuchtende Türkis des Achensees immer wieder durch die Bäume blitzt. Erste weitreichende Karwendeleindrücke genießt man auf den Weideflächen beim Kotalm-Niederleger. Über steinige Wiesen, über Wurzeln und durch Baumgruppen windet sich der Weg die Hänge hinauf und bringt einen auf die grasige Hochfläche des Kotalm-Mitterleger.

Ausblick bis weit in die Zentralalpen

Im grünen Mantel mit felsigen Kragen grüßt linkerhand das Kotalmjoch. Doch die Blicke verfangen sich in den dramatischen Felswänden des Klobenjochs und den formschönen Karwendel-Gipfeln im Sonnjochkamm über dem Falzthurntal. Der Weiterweg führt über Bergwiesen, gesäumt von Latschen und Zirben. Nach einem steileren Aufschwung kommt man zur Ruine J.H. Hochleger. Und ab hier, genaugenommen ab der Viehtränke, geht’s ins weglose Gelände. Zunächst orientiert man sich am Verlauf einer Wasserleitung. Sobald man eine breite offene Grasmulde erreicht hat, findet man mit etwas Gespür eine eigene Aufstiegslinie zum schon sichtbaren Wiesenkamm hinauf. Karstige Grashänge wechseln sich ab mit kurzen Latschenzonen. Wer dann oben steht auf diesem wenig besuchten Gipfel wird begeistert sein. Der Ausblick reicht weit in die Zentralalpen. Hier zieht ein Adler majestätisch seine Kreise über dem langen Kamm und genießt ebenfalls den sagenhaften Tiefblick auf den Achensee, in dem weiße Schifferl schaukeln. Kaum zu glauben, dass zu Kaiser Maximilians Zeiten Rennschiffe, nach italienischen Mustern angefertigt, durch den See jagten. Hier oben könnte man ewig sitzen, aber irgendwann gibt man sich einen Ruck und macht sich an den Abstieg, immer dem smaragdgrünen See entgegen.

Von Doris Neumayr

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über Tegernsee zum Achenpass. B 181 über Achenkirch Richtung Maurach. Ca. 2 km südlich vom Ortsteil Achensee befindet sich links ein Parkplatz „Abenteuerpark Achensee“ auf 940 Metern Höhe (Gebühr 5 Euro).

Bahn / Bus: Bhf. Tegernsee (www.bahn.de), weiter mit Bus 9550, Halt „Achenkirch Achenseehof“ (www.rvo-bus.de).

TOUR – 1140 Höhenmeter, Gehzeit: Aufstieg ca. 3 bis 3,5 Stunden, Abstieg ca. 2,5 Stunden, Gehstrecke insges. 10,1 km; leichte Tour, schmale Bergwege, der Gipfelanstieg führt über wegloses Grasgelände (Orientierungssinn nötig, bei Nebel nicht empfehlenswert).

Aufstieg: Vom Parkplatz folgt man kurz der Forststraße bis zum Schilderbaum vor dem Hochseilgarten. Dort geht’s nach rechts (Ww. Kotalm-Niederleger, Steinernes Tor). Nach dem Gelände des Hochseilgartens zieht eine Brücke nach rechts in einen felsigen Kessel hinein. Hier führt ein schmaler Wanderweg nach links entlang eines Baches (ein Abstecher zum nahen Wasserfall ist ausgeschildert). Bald leitet der Weg zügig eine lichte Waldrippe empor. Kurz vor den Bergwiesen der Kotalm-Niederleger (1260 m) mündet er in die Forststraße. Vis-à-vis der Hüttengebäude zieht der Wanderweg nach links hinauf über baumbestandene Almwiesen (Ww. Kotalm Mitterleger, Steinernes Tor). In der Folge kreuzt man mehrmals die Forststraße oder folgt ihr ein kurzes Stück (rotweiße Markierungen). Man erreicht die weiten Almwiesen der Kotalm-Mitterleger (1608 m) und erblickt linkerhand den Gipfel Kotalmjoch.

Hinter den Hütten steuert der beschilderte Weg in ein ursprüngliches Tal (Richtung Steinernes Tor). Latschen und steinige Wiesen säumen den Weg, der sich bald über einen Geländeaufschwung hinaufwindet. Wieder in flacherem Gelände passiert man die Alm-Ruine J. H. Hochleger (ca. 1810 m) und entdeckt links des Weges Vieh-Wasserwannen mit einer Wasserleitung, die nach oben (Osten) führt. Zunächst orientiert man sich am Verlauf dieser Wasserleitung und steigt weglos in einer Latschengasse aufwärts.

Sobald man eine breite, nach oben hin offene Grasmulde erreicht, steigt man in Kehren höher und hält sich tendenziell mehr links (der Kamm ist bereits gut einsehbar). Etwas mühsam erreicht man den freien Wiesenkamm mit dem aussichtsreichen Kotalmjoch (letzter kodierter Gipfel am nordwestseitigen Ende des langen Kammes).

Abstieg: Auf gleichem Weg zurück oder ab Kotalm-Mitterleger über die Forststraße ins Tal.

EINKEHR – Kotalm Mitterleger (1608 m) In der Almsaison sind auf Anfrage Getränke und evtl. kleine Brotzeiten.

KARTE – AV-Karte Rofan, Nr. 6, 1:25 000.

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