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Steingaden ist ideal für ausgedehnte Radltouren.

Reizvolle Runde im Rahmen der Blütentage in Steingaden

Der Westen blüht auf

2008 war es eine Premiere, 2009 ist es eine begeisterte Neuauflage: Die Steingadener Blütentage. Nun gibt es ja viele nett gemeinte Veranstaltungen dieser Art, wo dann auch nette Menschen nette Bilder ausstellen und Blümchen kaufen.

In Steingaden geht’s zwar auch sehr nett zu, aber zugleich hochprofessionell. Denn die Initiatoren vom Obst- und Gartenbauverein geben hier selbst eingefleischten Gartenkennern noch jede Menge Anregungen mit auf den Weg. Zehn Floristen der Umgebung zeigen kreative, überraschende, opulente Arrangements, und das Rahmenprogramm offenbart die Seele des Ortes: Steingaden ist ein aktives Kultur- und Künstlerdorf. Mittendrin: die in Oberammergau geborene Holzbildhauerin Marion Werner seit 1975 als freiberufliche Bildhauerin in Steingaden wohnend und arbeitend. Ihre (dicklichen) Figuren sind inzwischen Kult, sie leben, zwinkern mit den Augen, blicken leicht süffisant auf die Welt. Marion Werner und ihr Mann sind sozusagen die Gastgeber für weitere Fotografen und Bildhauer.

Steingaden ist auch Klosterdorf und Klöster waren immer Stätten der Gartenkultur: Garten ist Heilung, Ernährung, christliche Spiritualität und Muße. Dieser Devise folgend wird der im Herzen Steingadens liegende Pfarrgarten in einer beispielhaften Gemeinschaftsaktion in einen Lehr- und Meditationsgarten umgestaltet, der während der Blütentage in voller Pracht steht. Doch weil’s eben nicht bloß in Steingaden, dem Ort mit dem Allgäuer Zungenschlag im Westen Oberbayerns, „so schee isch“, sondern „au weiter dussa“, bietet sich eine Radltour an: Durch sanft gewelltes Bauernland geht es – Badespaß inklusive – zum Bismarckweiher (s. Foto) und Deutensee. Vorbei an großen Einzelhöfen und Kapellen. Das Kircherl in Riesen ist die Hofkapelle des ehemaligen Klosterjägerhofs. Sie hat eine schöne Kassettendecke im Innern. Die Radlroute wendet sich nach Südwesten, und damit ist der grandiose Blick ständiger Wegbegleiter. Der markante Aggenstein kratzt an den Wolken, der Breitenberg liegt wie ein Dinosaurierrücken davor. Runter geht’s zum Lechstausee, wo der einst etwas marode Campingplatz wieder echter See-Treffpunkt geworden ist.

Heute ist es nur schwer vorstellbar, wie gefährlich der Lech einmal war: wild, unberechenbar, jeden Tag neue Sandbänke und Strudel. Jetzt ist der Fluss gezähmt durch seine vielen Staustufen, und 1966 kam das Stauwehr bei Urspring dazu. Der See aber ist schon am Ende der letzten Eiszeit entstanden, als ein Molasse-Felsriegel dem Lech den Lauf versperrt hat. Bis 1914 war Lechbruck komplett von der Lechflößerei bestimmt. Davon erzählt das Flößermuseum im Zentrum. „Das Floß war der Öllaster der Urzeit“, ist die Devise und das Museum beschäftigt sich auch mit dem harten Leben der Flößerfrauen, die bitterarm waren und die Kinder oft abends mit dem Satz ins Bett schickten: „Nimm a Weihwasser und geh ins Bett“.

Von Nicola Förg

Radltour Steingaden:

Anfahrt:

B 2 Starnberg, Weilheim, dann B 472 Peiting und weiter nach Steingaden. Parken am Fohlenhof.

Radltour:

(27 km; 80% Asphalt-, 20% Forstwege); der Hauptstraße nordwärts folgen, nach dem Gasthof Graf links weg (Radlweg Peiting); am Bismarckweiher vorbei, an der nächsten Kreuzung rechts halten (nicht Illach, nicht Maderbichl!); dem Weg lange folgen bis zur großen Kreuzung Riesen; Abstecher nach rechts zum Deutensee; retour bis zur Kreuzung und geradeaus weiter in weitem Bogen den Lech entlang bis Illach; über die Staustufe; durch Lechbruck; über die Lechbrücke; sofort rechts weg Richtung Prem; nächste Möglichkeit links (Premer Filz, Steingädele); Abstecher zum Moorlehrpfad (beschildert!); von Steingädele über den Wirtschaftsweg nach Steingaden; durch Gewerbe- und Wohngebiet zurück (Radlbeschilderung).

Spaziergang:

Hinterm Fohlenhof ortsauswärts, auf die Anhöhe mit Traumblick; weiter nach Urspring; Wanderweg zum Lechstausee; nach Illach; den Stich hinauf nach Jagdberg; Forstweg rechts weg an der Illach entlang; an der Kreuzung rechts und zurück nach Steingaden.

Blütentage:

  • Freitag, 12. Juni 2009 von 12- 20 Uhr; ab 19.30 Uhr „Zimmerstadlfest“
  • Samstag, 13. Juni 2009 von 10-20 Uhr; ab 19.30 Uhr „Zimmerstadlfest“ mit der „Band Rock Selig Erben“
  • Sonntag, 14. Juni 2009 von 9-18 Uhr.
  • Eintrittspreise – Erw. 5 Euro für drei Tage (!), Kinder frei
  • Umfangreiches Kinderprogramm mit Klettern, Ponyreiten, Basteln, Filzen, Schnitzen, Streichelzoo, Zirkusschule.
  • Im legendären „Steingadener Zimmerstadl“ gibt’s kulinarische Schmankerl!
  • Infos: www.steingaden.de, www.steingadener-bluetentage.de, www.lechbruck.de

Museum:

Flößermuseum Lechbruck, Weidach 8, 86983 Lechbruck am See; www.floesser-lechbruck.de; Öffnungszeiten: Do 17-19 Uhr, So 16-19 Uhr; Führungen auf Anfrage bei Tourist-Information, Tel: 0 88 62 / 98 78 30.

Karte:

Kompass-Karte 179, Pfaffenwinkel.

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