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Schöner geht’s nimmer: Inmitten freier Wiesen präsentiert sich vor einer wunderbaren Bergkulisse die Kirche St. Johannisrain im gleichnamigen Weiler.

Schauen und Staunen

Reizvoller Spaziergang durchs Land der "Blauen Reiter"

So manches schöne Fleckerl im Voralpenland harrt noch der Entdeckung: So wie jenes im Dreieck der Orte Sindelsdorf, Penzberg und Bichl, das vielen Geschmäckern gerecht wird.

Spaziergänger, Radfahrer, Kunstsinnige und Geschichtsinteressierte kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten. Und verhungern muss keiner, weil gleich zwei Gasthöfe am Weg liegen.

Wer von der Autobahn kommend auf der B 472 über Sindelsdorf Richtung Tölz unterwegs ist, passiert ein Gräberfeld aus der Zeit der Bajuwaren. 331 Gräber von Männern, Frauen und Kindern zusammen mit vielen Werkzeugen und Schmuckstücken wurden rein zufällig bei Straßenbauarbeiten entdeckt. Die Funde sind heute in der Archäologischen Staatssammlung in München untergebracht. Eine Bajuwarensiedlung, gegründet um 550 n. Chr., dürfte geschichtlichen Nachforschungen zufolge der Ursprung des späteren „Sindolvesdorf“ gewesen sein.

Östlich von Sindelsdorf im Weiler Urthal gestartet, erreicht man schon bald den verträumten Riederer Weiher. In seinem dunklen Gewässer tummeln sich viele Fischarten. Dann streift man durch Wiesen und Wäldchen, bis ein Zwiebelturm auftaucht: die kleine Kirche St. Johannisrain liegt glanzvoll inmitten freier Wiesen hoch über einem romantischen Moorgebiet. Am Horizont stehen die Voralpen bis hinüber zum Wetterstein Spalier und warten auf Bewunderer. Die Kirche wurde 1392 erstmals erwähnt, gern feiert man Hochzeiten und Taufen in diesem charmanten Ambiente.

Wer mag, beendet hier den Spaziergang und bummelt hernach auf der gleichen Strecke zurück. Stramme Geher packen aber die ganze Runde und marschieren weiter durch eine reizende Bauernlandschaft bis nach Schönmühl. Dort wandert man dann längs der Loisach, wo es nach Regenfällen auch mal morastig werden kann. Bald verschmälert sich der Weg, und Radlfahrer manövrieren jetzt geschickt am Ufer entlang. Mit der Herbstsonne im Gesicht spaziert man über weiche Böden und genießt reizende Aussichten ins Loisach- und Erlfilz.

Zurück in Urthal versteht man nun, warum sich einst der Expressionist Franz Marc und seine Künstlerkollegen, Heinrich Campendonk, Jean Bloé Niestlé und Bernhard Stange, in dieser Gegend niederließen. Hingerissen und inspiriert vom Reiz der anmutigen Landschaft gründeten sie in einer Gartenlaube in Sindelsdorf die Künstlervereinigung des Blauen Reiters. Wer noch Zeit hat für einen Abstecher, fährt zur Kirche in Sindelsdorf und folgt von dort aus dem „Malerweg“. Detaillierte Tafeln begleiten zu den Stätten, wo die Künstler ihre Motive fanden und berühmte Werke schufen.

FILZWANDERUNG BEI BICHL

ANFAHRT

Auto:
A 95 München – GAP bis Ausfahrt Sindelsdorf. Richtung Benediktbeuern auf der B 472. Im Weiler Urthal rechts auf großen Parkplatz beim „Gasthof Urthalerhof“ (alternativ Parkplatz: ca. 600 m westl. von Urthal an B 472).

Bahn:
Bhf. Penzberg;
Information: www.bahn.de

CHARAKTER

Streckenlänge 10,5 km, Gehzeit ganze Runde ca. 3 Std., mit Rad ca. 1,5 Std., Spaziergang oder kleine Radtour (MTB empfehlenswert). Forst- und Nebenstraßen führen über Wiesen und durch Wälder, vorbei an Weilern. Schmale Wege an der Loisach im Moor (nicht nach starken Regenfällen). Sonnige, aussichtsreiche Tour

TOUR

Vom Parkplatz beim Gasthof zurück zur B 472 und links auf dem Kiesweg 150 m zurück Richtung Sindelsdorf. Dann Straße überqueren und auf gepflastertem Fahrweg Richtung Norden über freie Felder bis vor Riederer Weiher. Hier rechts einem Sträßchen (wird zur Forststraße) folgen. Am Heustadl (bunte Schilder) nach links und auf guter Forststraße durch Waldung, über Wiesen nach Sankt Johannisrain. Oberhalb der gleichnamigen Kirche auf dem Sträßchen über Wiesen ostwärts zum Weiler Edenhof und weiter bis an die Hauptstraße St 2063. Rechts auf geteertem Rad/Fußweg 500 m entlang der Straße in Richtung Bad Tölz, Bichl. Bei der Zufahrt „Gasthaus Schönmühl“ rechts bergab. Vor dem Sägewerk rechts und auf Weg (Südweg 14) zur Loisach. Nun immer entlang an der Loisach bis zu beschildertem Rechtsabzweig mit großer Infotafel. Hier rechts (Südweg 14) und westwärts auf Forststraße, bis man gepflasterten Fahrweg kreuzt. Jetzt links und auf schon bekannter Strecke zurück zum Ausgangspunkt.

TIPPS

1. Kirchweihmarkt in Penzberg: So., 17. Okt. von 10 – 17 Uhr in der Nördlichen Bahnhofstraße.

2. Malerweg Sindelsdorf, Länge ca. 4,8 km; www.sindelsdorf.de

3. Kirche St. Johannisrain, Termine für Taufe oder Hochzeit beim Pfarramt Habach, Tel.: 0 88 47 / 219; Messtermine im Aushang vor der Kirche.

KARTE

Kompass-Karte 182, Isarwinkel.

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