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Diese spektakuläre Brücke soll ab Sommer 2014 zwei Talseiten verbinden.

110 Meter hoch

Die längste Hängebrücke der Welt

Landkreis – Immer höher. Immer schneller. Immer weiter. Auf der Jagd nach Superlativen sind die Österreicher höchst aktiv. Reutte will mit einer 403 Meter langen Fußgänger-Hängebrücke ins Guinness-Buch der Rekorde.

Und natürlich viele neue Gäste gewinnen. Nach dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft – und zwar für alle“ begrüßen Touristiker hierzulande das spektakuläre Tiroler Projekt.

Die Brücke soll ab Sommer 2014 zwei Talseiten verbinden. Und dazu zwei Burgen – die Ruine Ehrenberg und das Fort Claudia. Der Reuttener Architekt Armin Walch hat sie geplant. Wer sich auf das nur 1,20 Meter breite Bauwerk wagt, muss garantiert schwindelfrei sein: Durch den Gitterrost schaut der Fußgänger bis zu 110 Meter in die Tiefe. Durch eine LED-Beleuchtung der Handläufe wird die Brücke auch in der Nacht weithin sichtbar sein. Damit sie möglichst spektakulär ins Bild gerückt werden kann, ist in der Nähe ein Aussichtspunkt geplant. Die Baukosten belaufen sich laut Marktgemeinde Reutte insgesamt auf rund 1,8 Millionen Euro. Der Betreiber, ein privater Investor, will eine Gebühr von fünf bis sechs Euro für das Betreten kassieren.

Der Garmisch-Partenkirchner Tourismusdirektor Peter Ries spricht von einer Bereicherung für die Region: „Für den Gast von heute sind Grenzen fast nicht mehr existent, vor allem, wenn es keine Sprachbarrieren gibt.“ Christian Loth, Geschäftsführer des Tourismusverbundes Ammergauer Alpen, findet es grundsätzlich positiv, wenn die Berge im Gespräch sind, ob in Bayern oder Tirol: „Es freut mich, dass ein Investor gefunden wurde.“

So soll die neue Brücke aussehen

Die längste Hängebrücke der Welt

Diese Finanzierungs-Lösung bezeichnet auch der Reuttener Bürgermeister Alois Oberer als optimal: „Wir haben schon vor zehn Jahren über eine Hängebrücke diskutiert und überlegt, ob die Gemeinde die Kosten übernimmt.“ Dagegen sei er immer strikt gewesen. „Wenn es gut angenommen wird, müssen wir uns ja ohnehin um die Infrastruktur kümmern sprich den Parkplatz erweitern.“ Die Gemeinde erhofft sich einen Impuls für den Tourismus: „Bei uns fahren auf der B 179 jährlich 3,7 Millionen Autos nach Deutschland und umgekehrt.“ Nachdem die Brücke von der Straße sichtbar ist, könnte sie ein absoluter Anziehungspunkt werden.“

Davon ist auch der Touristiker Ries überzeugt. Und weiß erfahrungsgemäß, dass von dem neuen Besuchermagnet auch Garmisch-Partenkirchen profitiert: „Wegen einer Hängebrücke allein fährt niemand in eine Urlaubsgebiet. Er wird sich in der Umgebung alle Attraktionen anschauen, wie unseren Alpspix und die Olympia-Skistätten inclusive Skisprungschanzen.“ Hängebrücken hat der Landkreis Garmisch-Partenkirchen übrigens auch zu bieten: Eine überspannt die Sulzeklamm zwischen Mittenwalder und Brunnsteinhütte. Die andere führt am Wank in Garmisch-Partenkirchen über die Faukenschlucht zur Gamshütte.

Was Konkurrenz und das Geschäft angeht, kooperieren die Loisachtaler längst mit der Tiroler Zugspitzbahn. Das Interreg-Projekt wird von der EU gefördert. Der Ammergauer Alpen-Verbund hat sich mit dem Naturpark Tiroler Lech zusammengetan. Loth: Vielleicht wird die Hängebrücke ja Teil unserer Königs-Card.“ Mit der können Gäste zwischen Reutte und Oberammergau 200 Attraktionen kostenlos besichtigen und nutzen. 70 Gastgeber im Ammertal steuern zu diesem Angebot schon einen Obolus bei, insgesamt sind es laut Loth 300. Anfängliche Bedenken, Gäste würden ins Allgäu abwandern, hätten sich zerstreut. „Momentan haben wir ein kleines Übergewicht. Die Allgäuer und Tiroler kommen zu uns.“

Dass der Urlauber die ganze Umgebung nach Sehenswürdigkeiten abgrast, weiß auch der Reuttener Bürgermeister: „Wenn meine Informationen stimmen, kamen zum Baumkronenweg bei Füssen in zweieinhalb Monaten 80 000 Besucher.“

Eva Stöckerl

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