+
Der Tegernsee liegt dem Wanderer auf dem 1293 Meter hohen Gipfel der Ringspitz zu Füßen. Auf einer provisorischen Sitzbank kannn man das Panorama in Ruhe genießen.

Ein auffällig Unauffälliger

Ringspitz: Abenteuerliche Wanderung auf einen Tegernseer Berg

Einen wenig begangenen Gipfel am Tegernsee – gibt es den überhaupt? Bei den üblichen Zielen muss man schon sehr früh aufstehen, will man die Ruhe am Berg genießen. Doch wer das Unbekannte sucht, findet es auch: Die Ringspitz ist so ein Fall.

Nicht, dass sich der bewaldete, kegelförmige Gipfel verstecken würde. Nein, er steht sogar in der ersten Reihe, ist also von Bad Wiessee aus gut zu erkennen. Dennoch erhält die Ringspitz für Tegernseer Verhältnisse wenig Besuch. Was wohl auch daran liegt, dass der eher unscheinbare Berg nicht ganz den Idealvorstellungen der Wanderer entspricht: Die Ringspitz ist nicht ausgeschildert, es gibt keine Markierungen. Ein Minimum an Eigenverantwortung und Orientierungssinn ist vonnöten, um zum Gipfel zu kommen. Außerdem ist absolute Trittsicherheit gefordert, denn der Schlussanstieg ist „sausteil“. Entwarnung ist nur bei der Kondition angesagt: 500 Höhenmeter sind bei dieser ansonsten anspruchsvollen Tour wohl eher leicht zu schaffen.

Und so wird es herrlich ruhig im Verlauf dieser Tour. Man beginnt sie mit einem lockeren Spaziergang an den wunderschönen Bauernwiesen vorbei, wo auch die Gleitschirmflieger ihre Startübungen machen. Schon jetzt hat man einen wunderbaren Blick auf den Tegernsee und könnte beinahe der Versuchung erliegen, an einem der Bankerl zu rasten, um die wunderbare Aussicht ein wenig länger zu genießen.

„Sausteil“ sind die letzten Meter zum Gipfel der Ringspitz.

Nach einer Rechtskurve des breiten Weges heißt es aufpassen. Hier muss man einfach wissen, wohin man will, denn es gibt keinen Hinweis auf die richtige Route. Da gibt es nur ein paar Schlepperspuren, die Richtung Wald führen, wo man rechts auf einen kleinen Pfad abbiegt. Jetzt ist es von der Orientierung her nicht mehr so tragisch, denn im Großen und Ganzen kann man immer einen Pfad oder zumindest Trittspuren erkennen. Einmal – bei einem Hütterl – gibt es dann sogar ein kleines Holzschild als Hinweis zur Ringspitz. Der Abzweig zum Gipfelanstieg allerdings ist wieder leicht zu übersehen. Hat man die schmale Waldschneise aber erst einmal gefunden, führen wieder Pfadspuren hinauf bis zum Gipfel. Dabei geht es durch eine wilde Zone, durch lichten Wald, hohes Gras und auch einmal über ein paar Felsen empor. Für einen trittsicheren, abenteuerlustigen Wanderer also genau das Richtige! Bald ist das erstaunlich große Holzkreuz erreicht. Der Gipfel ist rundum bewaldet und hat somit nichts Spektakuläres. Doch Richtung Tegernsee ist der Blick frei und so hat man von der provisorisch zusammengezimmerten Rastbank eine tolle Aussicht auf den See. Am Ende dieser nur zweistündigen Rundtour bleibt immer noch viel Zeit, um den restlichen Tag am Tegernsee zu verbringen. Das kühle Wasser ist im Sommer genau die richtige Erfrischung nach einer Wanderung, die nicht lang, aber umso schöner ist.

Von Bernhard Ziegler

Ringspitz (1293 Meter)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg Ausfahrt Holzkirchen. Richtung Tegernsee. In Gmund weiter nach Bad Wiessee. Am südlichen Ortsende vor dem Ristorante da Mimmo rechts in den Bucherweg und hinauf nach Buch (Weiler mit zwei Bauernhöfen). Am Ende der befahrbaren Straße gebührenpflichtiger Parkplatz (830 m).

TOUR – Man folgt der asphaltierten, nicht-öffentlichen Straße bergauf. Die Straße quert oberhalb vom Bucherhang (Gleitschirmflieger-Übungsplatz) nach Südosten. Nach einer Rechtskurve verliert die Straße an Höhe. Man zweigt jedoch vorher, also direkt nach der Kurve, links auf einen Schlepperweg ab, der gen Osten zum Wald führt. Gleich zu Beginn (vor einem Hütterl) rechts auf den Waldpfad und nicht geradeaus weiter. Der Pfad wird schmal und wild, führt nach Südosten empor, bis nach zwei Kehren eine Verzweigung kommt. Beide Möglichkeiten führen zum Gipfelanstieg; wir haben die rechte genommen, welche nach einer weiteren Kehre zu einer Hütte kommt. Hier findet man den einzigen Wegweiser, ein Holzschild. Entlang spärlicher Pfadspuren über die Wiese in den Wald, wo man 100 m nach der Hütte auf einen unmarkierten Abzweig stößt, hinter der der Querweg wieder zu fallen beginnt. (Wer bei der letzten Verzweigung die linke Variante gewählt hat, kommt nun von links her an diese Stelle.) Genau hier beginnt der steile Gipfelanstieg. Man verlässt den Querweg und steigt entlang von Pfadspuren, zu Beginn mäßig steil, durch eine ganz schmale Waldschneise. Über diese zunehmend steil hinauf in ziemlich abschüssiges, licht bewaldetes Gelände. Die Route ist nun immer gut erkennbar. Die letzten Meter sind erneut ein wenig dichter bewaldet und auch flacher, so dass man gemütlich den Gipfel (1293 m) erreicht. Abstieg als Rundtour: Zurück, wie beim Anstieg, bis zum erwähnten Querweg. Hier im Abstiegssinn links. Der breite Karrenweg leitet in den Ringberggraben, vollzieht eine Kurve und führt in den Reibengraben. Einen Abzweig auf einen Holzweg lässt man links liegen. Entlang des Baches an einer Hütte vorbei zu einer Forststraße. Nach links würde es zum geschlossenen Gasthof „Bauer in der Au“ gehen. Daher besser rechts ein paar Meter empor. Der Weg führt RINGSPITZ (1293 METER) über eine Almwiese und man erreicht die Anstiegsroute. Auf der Teerstraße zurück nach Buch.

INFO – Kurze, aber anspruchsvolle Bergtour, die Trittsicherheit und Orientierungsvermögen erfordert. Höhendifferenz 480 Hm (inkl. Gegenanstieg bei Rundtour). Gehzeiten: Aufstieg: 1 ¼, Abstieg: 1 Stund

Auch interessant

Kommentare