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Bergwacht veröffentlicht Unfallstatistik

Risiko Berge: Die meisten Unfälle passieren im August

München - Immer mehr Menschen entdecken den Alpenraum als Erholungsparadies. Doch viele von ihnen bringen nicht die erforderliche Fitness, Ausrüstung oder Erfahrung mit und verunglücken.

Bergsport boomt. Immer mehr Menschen entdecken den Alpenraum als Erholungsparadies. Doch viele von ihnen bringen nicht die erforderliche Fitness für ihre Aktivitäten mit, anderen mangelt es an der richtigen Ausrüstung. Dann gerät die Traumtour oft zum gefährlichen oder gar tödlichen Albtraum. Das bestätigt die vom Deutschen Alpenverein (DAV) und der Bayerischen Bergwacht veröffentlichte Unfallstatistik für 2013.

Die Bergwachtler wurden 8330 Mal zu einem Einsatz gerufen – so oft wie noch nie! „Die Zahl ist stetig steigend“, erklärt Sprecher Roland Ampenberger. Insgesamt leistete die Bergwacht im Vorjahr 40.000 Stunden Hilfe und verhinderte in vielen Fällen noch tragischere Ausgänge. Überforderung und Erschöpfung gelten als Hauptursachen für die Unglücke in den Bergen. „Zwei Drittel davon ereignen sich im Abstieg“, betont Florian Hellberg von der DAV-Sicherheitsforschung. 1126 Mitglieder waren im Vorjahr in Unfälle bzw. Notfälle verwickelt. 36 davon endeten tödlich. Dennoch stellte Dr. Wolfgang Wabel, Abteilungsleiter Spitzenbergsport im DAV, klar: „Seit Beginn der Statistik im 1952 ist das Unfallrisiko deutlich gesunken.“ Doch je mehr Neulinge und Ungeübte sich ins Gelände wagen, desto höher ist eben das Risiko.

Die meisten Unglücke ereignen sich im August

Da der DAV nur Fälle mit betroffenen Mitgliedern erfasst, sind die Zahlen der Bergwacht, die alle im Berg in Not geratenen Menschen beinhalten, freilich deutlich höher. 73 Mal wurden sie zu Einsätzen gerufen, in denen die Verunglückten das Leben verloren hatten. 139 Vermisste mussten im alpinen Gelände gesucht werden. Den Großteil stellen allerdings „normale“ Hilfeleistungen dar. 5000 (!) Mal waren die Bergwachtler zur Stelle.

Interessant sind auch die Einsätze nach Sportarten: Hier liegt der Wintersport (Skifahren und Snowboarden) mit 4588 weit vorne. Im Sommer rangiert Wandern (1135) vor Moutainbiken (354), Bergsteigen (328) und Klettern (110).

Die meisten Unglücke ereignen sich übrigens – wenig überraschend – im Ferienmonat August. Deshalb Vorsicht, wenn Sie jetzt zur nächsten Gipfeltour aufbrechen.

S. Dorner, E. Unfried

Fünf Tote in nur fünf Wochen:

Der Münchner Wolfgang S. (46)

Wolfgang S. (46)
Am 6. Juli bricht der Münchner Wolfgang S. (46) zum kleinen Waxenstein (Garmisch-Partenkirchen) auf. Er wählt eine anspruchsvolle Route, was ihm dann zum Verhängnis wird. Seine Leiche findet die Bergwacht erst fünf Tage später.

Philipp B. (44)

Der Münchner Schauspieler Philipp Brammer (Lindenstraße)

Am 28. Juli bricht der Münchner Schauspieler Philipp Brammer (Lindenstraße) zu einer Tour zur Reiter Alpe in den Berchtesgadener Bergen auf – und kehrt nie zurück. Fünf Tage später finden Einsatzkräfte seine Leiche. In steilem Gelände war er an einer Felswand abgerutscht.

Benedikt N. (16)

Der 16-jährige Benedikt N.

Erst am vergangenen Sonntag spielte sich ein Drama am Säuling in den Allgäuer Alpen ab: Der 16-jährige Benedikt N. aus Nordrhein-Westfalen rutschte an einer felsigen Stelle plötzlich aus, verlor den Halt und stürzte 100 Meter in die Tiefe.

Hans G. (64)

Hans G., Vize-Schulleiter am Gymnasium in Dorfen.

Tragödie am Geierstein bei Lenggries: Hans G., Vize-Schulleiter am Gymnasium in Dorfen, verliert beim Bergwandern am 1. August sein Leben. Der 64-Jährige war mit mehreren Freunden unterwegs. An einem Hang stolpert er über eine Wurzel, rutscht in die Tiefe. Jede Hilfe kommt zu spät.

Wolfgang E. (73)

Am 20. Juli stürzt der 73-jährige Filmemacher Wolfgang E. aus München bei einer Wanderung im Tiroler Kaisergebirge in den Tod. Er war mit seiner Frau unterwegs und verlor auf einem engen Steig-Abschnitt auf 1000 Metern Höhe plötzlich den Halt.

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