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Erhabener Anblick über Reutte: Die Ruine Ehrenberg ist ein höchst interessantes mittelalterliches Burgen-Ensemble.

Ritter im Advent

Es scheppert, es kracht. Geschrei, Gelächter, was ist denn hier los? Des Rätsels Lösung: Im Herzen von Reutte gibt’s eine Eisbahn auf 1200 Quadratmeter.

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Weihnachtsmärkte auf einen Blick

Und rumms, schon wieder krachen ein paar übermütige Grundschulkinder laut kreischend gegen die Bande. Ja, Reutte kümmert sich, dass seine Einwohner und Gäste ihren Spaß haben. Doch umtriebig war der Markt am Lech immer schon – kein Wunder bei seiner Lage an der Via Claudia, der wichtigen Römerstraße von der Adria nach Augsburg, und an der Tiroler Salzstraße, die Hall mit dem Bodensee verband. Reutte kam zu Geld, was auch an den opulent bemalten Häusern im Zentrum abzulesen ist: Die Fassadenmalereien stammen u.a. vom Reuttener Maler Johann Jakob Zeiller, dem Rokokomaler des 18. Jahrhunderts. Was aber heute die Fantasie an regt, was vom Holzschwert schwingenden Fünfjährigen bis zum geschichtsinteressierten Opa einfach jeden bezaubert, liegt außerhalb und etwas über den Niederungen: das grandiose Burgen-Ensemble Ehrenberg.

Durch diese hohle Gassen mussten sie alle kommen, durch die Klause, die das Tal abriegelte. Das Festungsensemble Ehrenberg sucht seinesgleichen in Europa, vier Anlagen – Klause, Burgruine Ehrenberg, Festung am Schlosskopf und Fort Claudia – bewachten das Tal.

Burg, Bad und Bahn

Sterne leuchten weihnachtlich in den Gassen von Reutte.

Die Geschichte ist opulent und blutig. Eine Geschichte von Belagerungen, von Rückeroberungen und immer neuer Zerstörung. In jener „kaiserlosen Zeit“ (1246 bis 1273) zerfiel im Jahr 1268 das Herzogtum Schwaben. Ein wahrer „Wettlauf“ um das Erbe der Staufer setzte ein. Graf Meinhard II. von Tirol, Stiefvater des letzten Staufers Konradin, konnte sich weite Gebiete des heutigen Außerfern aneignen. Nicht nur zum Schutz, sondern auch zur Verwaltung des neuen Territoriums ließ er Ehrenberg bauen. 1546 versuchten die Protestanten des Schmalkaldischen Bundes in Tirol einzufallen. Leider erschienen von den 200 aufgebotenen Untertanen nur 29 und so waren es windige 60 Mann, die die Wehranlagen verteidigen sollten. Kein Wunder, dass die Schmalkalden im Juli 1546 gewannen, im September gelang den Tirolern die Rückeroberung. 1552 fiel Moritz von Sachsen über Füssen in Tirol ein, konnte die Burg aber nicht einnehmen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde mit den Vorwerken ein ganzer Festungsgürtel um Ehrenberg angelegt. Ehrenberg wurde zur mächtigsten Festungsanlage im Norden Tirols.

Ausschnitt: Kompass-Karte 4; Füssen, Außerfern. Lizenz-Nummer: 17-0906-LVB.

Im spanischen Erbfolgekrieg ging das Gezerre zwischen Bayern und Tirol weiter – und am Ende ließ 1782 Kaiser Josef II. die Anlage als Steinbruch verkaufen und ausschlachten. Ein unrühmliches Ende, hätte es nicht schon im 19. Jh. einen weitblickenden Industriellen gegeben und im 20. Jh. den Verein „Rettet Ehrenberg“: Heute ist das Ensemble das beste Ausflugsziel für alle Mittelalter-Verehrer. In der Klause gibt’s das herrliche Museum, hinauf zu den Ruinen führen lauschige Wanderwege, die auch eine sagenhafte Region beschreiben. Tafeln mit Sagengeschichten säumen den Weg. Die drei saligen Frauen spinnen aus ihrem Haar ein Tau, das sie zwischen den Burgen befestigen und daran Tücher aufhängen. Darauf stehen Botschaften, die dem, der sie lesen kann, großes Glück bringen...

Gut, wer solche Tücher sieht, hat eventuell zu viel Glühwein und Punsch auf dem romantischen Weihnachtsmarkt am Isserplatz unten vor der Kirche erwischt – oder die herrlichen Brände vom Leismüller Johannes. Und während es drüben auf der Eisbahn mal wieder rummst – die angehenden Eishockeycracks üben den Bodycheck –, kann man sich schon mal an einer wunderbaren Aussicht erfreuen: Am 22. Dezember eröffnet die Therme Ehrenberg, als zweite Therme Tirols. Dann hat das umtriebige Reutte endlich seine drei großen B’s: Burg, Bad und Bahn – namentlich die ins wunderbare und durchaus anspruchsvolle Skigebiet Hahnenkamm!

NICOLA FÖRG

RUINE EHRENBERG

ANFAHRT – Auto: Entweder A 95/ B 2 über Garmisch/ Lermoos. Oder über Füssen. Bahn: Mit der Außerfernbahn regelmäßig ab Garmisch-P.; Infos: www.erlebnisbahn.at

TOUREN – Variante 1: Am Parkplatz Waldrast (Skilift/ Loipeneinstieg) parken. Neben dem Gasthof beginnt der Weg hinauf zur Klause, hinter dem Museum der eigentliche Weg zur Ruine Ehrenberg, ca. 1 Stunde. Wer später noch auf den Weihnachtsmarkt will, lässt das Auto am besten stehen und läuft ca. einen Kilometer ins Zentrum.

Variante 2: Parkplatz an der Klause (direkt ab Außerfernbundesstraße), 30 Minuten zur Ruine, ca. 1 Stunde zur Festungsanlage auf dem Schlosskopf (Weg teilt sich im Wald). Achtung: Bei Eis/Schnee vorher den Zustand der Wege erfragen!

EISBAHN – Noch bis zum 15. Januar Montag bis Samstag 14 bis 21 Uhr und Sonntag 13 bis 20 Uhr geöffnet.

WEIHNACHTSMARKT – 40 Aussteller, auf dem Außerferner Weihnachtszauber. Noch bis So., 11. Dezember, immer um 18 Uhr zieht das Christkind ein, 17-22 Uhr.

EHRENBERG – Klause, Wanderwege, Burgschenke geöffnet. Das Museum öffnet am 26. Dezember. Das Museum ist ein sinnenreiches Erlebnis, interaktiv, spannend und kindgerecht. Die Kreuzzüge werden erklärt, Burgen zu neuem Leben erweckt, Alchimisten zeigen Experimente mit Knalleffekt und in der Pestkammer klappern die Knochen der Skelette. Mit Helm und Rüstung ist aus dem Besucher schnell ein edler Recke geworden. Info: www.ehrenberg.at

LINKS – Therme: www.alpentherme-ehrenberg.at; Bergbahn: www.reuttener-seilbahnen.at

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